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US Open 2018: Phil Mickelson – Genie oder Wahnsinn? So reagiert die Golfwelt

Phil Mickelson steht für seinen Putt am 13. Loch der dritten Runde in der Kritik. Das sagen Experten und Profis zu seinem Verhalten.

Phil Mickelson steht unter Feuer für seine Handlung bei der US Open 2018. (Foto: Getty)
Phil Mickelson steht unter Feuer für seine Handlung bei der US Open 2018. (Foto: Getty)

Schockierend, grässlich, undenkbar, schlau, witzig - Die Reaktionen zu Phil Mickelsons Putt eines sich bewegenden Balles in der dritten Runde der US Open 2018 sind zahlreich und vielfältig. Die Fakten zur jüngsten Regelkontroverse der US Open sind folgende: Auf dem 13. Grün läuft "Lefty" seinem Ball hinterher, der droht vom Grün zu rollen und spielt den Rückputt bevor der Ball zu stehen gekommen ist.

Regelkontroverse bei US Open 2018

Golf.coms Alan Bastable stellt zur Diskussion ob es sich hierbei um Wahnsinn oder verrücktes Genie handelt. Denn Phil Mickelson sagte im Interview nach der Runde, er habe die zwei Strafschläge willentlich in Kauf genommen, die es für den Verstoß gegen die Regel 14-5 gibt. Es sei eine strategische Entscheidung gewesen.

"Falls sich jemand dadurch gekränkt fühlt, entschuldige ich mich dafür, aber reißt euch zusammen", sagte Mickelson. Es sei nichts schlechtes, die Regeln zu kennen und zu wissen, wie man sie zu seinem Vorteil einsetzen könne. Später am Tag zeigte der 48-Jährige doch noch ein wenig Demut: "Es war nicht mein bester Moment." Sein Flightpartner Andrew Johnston verteidigte ihn auf Twitter. "Er meinte es nicht so. Es ist einfach passiert", schrieb der Engländer.

Und auch die USGA begründet ihre Entscheidung gegen eine Disqualifikation damit, dass Mickelson den Ball "nicht absichtlich gestoppt oder abgelenkt" habe. Da Mickelsons Verhalten von Regel 14-5 abgedeckt sei, käme keine andere Regel zum Zug.

Disqualifikation für Phil Mickelson?

Der Schrei nach einer Disqualifikation unter Profis und Experten ist nichtsdestotrotz groß. Von vielen Seiten wird beispielsweise die Regel 1-2 zitiert, wonach Mickelson sich einen bedeutenden Vorteil verschafft hätte.



Sowohl Edoardo Molinari als auch Steven Bowditch forderten auf Twitter Mickelsons Ausschlus von der US Open 2018European-Tour-Profi Eddie Pepperell zum Beispiel war erst auf Phils Seite, ließ sich dann jedoch vom Gegenteil überzeugen. 



Auch European Tour Seniors Spieler Tony Johnstone fordert die Disqualifikation aufgrund eines Verstoßes gegen die Etikette. Selbst der ehemalige Chef der USGA David Fay sagte auf Fox, er hätte auf eine Disqualifikation gedrängt.

"So etwas habe ich noch nie im Leben gesehen", schrieb Graeme McDowell und LPGA Tour Star Christina Kim äußert einfach nur Schock und Abneigung gegen dieses Verhalten.






Solheim Cupt Captain Catriona Matthews bezeichnete den Samstag als einen "traurigen Tag" für den Golfsport und ist der Meinung, Phil Mickelson solle sich "ehrenhaft" verhalten und zurückziehen.

Mickelsons guter Ruf in Gefahr?

Der Kritik schließen sich auf Kommentare in Online-Magazinen an. Golf Digests Brian Wacker schreibt, es sei eine "respektlose Handlung", gewesen,die "unprofessionell und unsinnig" war. Mickelson habe zwar nicht betrogen, aber er habe das System betrogen und genau da läge das Problem. Geoff Shackleford von Golfweek empfahl, Mickelson hätte realisieren müssen, dass "seine Kollegen ihn nie wieder so respektieren werden, wie vorher" und selbst um die Disqualifikation bitten müssen. Er habe zwar in den Regel gehandelt, aber gegen die Etikette verstoßen und das Vertrauen gebrochen.

PGA-Tour-Spieler Tag Ridings hat eine andere Sicht auf die Ereignisse und zweifelt an, ob Mickelsons Reaktion wirklich so durchdacht war, wie er sein Publikum glauben machen möchte.

Golf-Experte Alan Shipnuck tweetete: "Phil will immer der cleverste im Raum sein. Ich glaube in diesem Fall hat er sich selbst ausgetrickst."

Wieder andere sahen die Situation gelassener oder gar mit Humor, so beispielsweise Lee Westwood, der Mickelsons Gefühle den Putt betreffend nachvollziehen kann.

Jaosn Sobel streut zusätzlich eine gehörige Portion Sarkasmus in seinen Kommentar. "Alle beschweren sich immer über das Spieltempo. Phil Mickelson hat einen Weg gefunden, es zu beschleunigen und alle beschweren sich noch mehr. Wie man's macht, ist es falsch."

Phil Mickelson im Recht?

Gibt es bei all der Kritik etwas das für Mickelson spricht und seinen guten Ruf retten kann? Der Golf Channel berichtet, Mickelson habe bei der USGA angerufen, um sicherzugehen, dass seine Auslegung der Regeln korrekt gewesen sei. "Ich will dieses Turnier nicht spielen, wenn ich hätte disqualifiziert werden müssen", habe er zu Mike Davis, CEO der USGA gesagt. Mickelson sei von Davis beruhigt worden, es sei alles mit rechten Dingen zugegangen und er könne ohne Sorgen am Sonntag spielen.


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4 LESER-KOMMENTARE Geben Sie jetzt Ihre Meinung zu diesem Thema ab
  1. 1. Die Handlung von Mickelson war eine große Blödheit, tut ihm sicher leid und sollte einem so erfahrenen Spieler nicht passieren.

    2. Es wäre schön, wenn sich nur Leute als Regelexperten aufspielen, die auch lesen können.

    Regel 1-2 kennt eine Ausnahme: „1. Eine Handlung, die ausdrücklich nach einer anderen Regel gestattet oder untersagt ist, unterliegt dieser anderen Regel, nicht Regel 1-2.“
    Da das Fehlverhalten von Mickelson eindeutig unter 14-5 fällt, ist also 1-2 keinesfalls anzuwenden. 14-5 kennt aber im Gegensatz zu 1-2 keine Disqualifikation. DQ war daher, bei richtiger Anwendung der Regeln, nie ein Thema.

    Darüber hinaus werden als schwerwiegender Verstoß, grob unsportlich, bei 1-2 folgende Beispiele angeführt:
    „Dies können Fälle sein, in denen ein Spieler vorsätzlich den Ball eines Mitbewerbes aufnimmt, damit dieser seinen Ball nicht findet, oder ein Etiketteverstoß, der andere gefährdet oder den Platz beschädigt (Schläger über andere Spieler werfen oder den Putter ins Grün schlagen).“ Nichts davon ist mit der „Rettungsputt“ von Mickelson auch nur annähernd vergleichbar.

    Antworten

    • Jörg-Peter Alfes

      Das mit dem „lesen können“ ist so eine Sache: Regel 14-5 setzt einen „Schlag“ voraus (s. Erklärungen „Schlag“). Mickelson hat den Ball aber nicht geschlagen, sondern „angehalten/im (eigenen) Lauf zurück gespielt“(sic). Das fällt eben NICHT unter die Regel 14-5 und damit die „Ausnahme 1“ in Regel 1-2!

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      • Der Ball wurde nicht angehalten und dann zurückgeschlagen sondern aus der Bewegung gespielt. Das war ein ehrlicher (ganz normaler, absichtlicher) Schlag nach dem Ball (nach 14-1) mit dem Putter. Alles andere sind kindische Wortspielereien.
        Mir liegt es fern, Mickelson zu verteidigen. Er hat dem Golfsport damit keinen Gefallen getan.

  2. Jörg-Peter Alfes

    Zwar war die Entscheidung der Spielleitung zu erwarten, das macht sie aber nicht richtiger: Nach meiner Auffassung war Mickelson zwingend zu disqualifizieren, da seine Handlung – nach seinem EIGENEN Kommentar – einen erkennbar schwerwiegenden Verstoß gegen Regel 1-2, I und Anmerkung 1 darstellte. Mickelson hat den rollenden Ball angehalten/im Lauf zurück gespielt, da dieser ansonsten in eine für ihn (subjektiv) unspielbare Situation neben dem Bunker neben dem Grün gerollt wäre. Sein Regelverstoß hat ihm also subjektiv und tatsächlich auch objektiv einen „bedeutenden Vorteil“ gebracht, vergleichbar dem vor einem Wasserhindernis gestoppten Ball (Entscheidungen zu den Golfregeln 2016-2017 Nr. 1-2/0.5). Wie soll man einem Amateur die Golfregeln nahe bringen, wenn für einen berühmten Pro offensichtlich andere Maßstäbe gelten?

    Jörg-Peter Alfes (GC Bonn-Godesberg)

    Zertifizierter Clubspielleiter NRW

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