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Let‘s talk about Sechs: US Open 2018 wird auch ein Kampf um die Weltspitze

Allerlei von Shinnecock Hills: McIlroys Spaßgolf, Woods‘ Stauwarnungen, Fowlers Verlobungsbeichte und Parkplätze auf Indianerland.

Auch Justin Rose hat bei der US Open 2018 Chancen auf die Weltspitze. (Foto: Getty)
Auch Justin Rose hat bei der US Open 2018 Chancen auf die Weltspitze. (Foto: Getty)

Wackeliger Thron: Es sitzt sich momentan nicht besonders stabil an der Spitze der Weltrangliste. Zwar holte sich Dustin Johnson mit seinem Sieg bei der St. Jude Classic den Platz an der Sonne von Justin Thomas zurück, liegt indes bloß 0,29 Punkte vor dem amtierenden PGA Champion. Der attestierte anschließend artig, dass „D. J. es verdient, er hat immerhin ein großes Turnier gewonnen“. Mit dem Triumph bei einem noch größeren Wettbewerb könnte Thomas das Blatt aber wieder wenden, er muss halt bloß diese 118. US Open gewinnen. Die Devise lautet freilich „Let‘s talk about Sechs“, denn nicht nur zwischen diesen beiden geht‘s um die Würde des Branchenprimus. Auch Justin Rose, Jordan Spieth, Jon Rahm und Rory McIlroy würden es bei entsprechendem Abschneiden im Shinnecock Hills Golf Club wieder an die Spitze schaffen.

Justin Rose, bestgehandelter Europäer im Favoritenkreis und aktuelle Weltnummer drei, sieht es allerdings sehr entspannt: „Mein Kindheitstraum war es, Majors zu gewinnen“, sagt der US-Open-Champion von Merion 2013. „Weltranglistenerster zu sein ist sicher eine coole Sache in einer Karrierebilanz, jedoch nicht mein primäres Bestreben. Viel wichtiger ist es für mich, die Turniere zu gewinnen, die mich dahin bringen.“ Sich nur auf den Sieg zu fokussieren, statt irgendwelche Rechenspielchen zu kalkulieren „bewahrt einen klareren Kopf und belässt die Dinge viel simpler“. Andererseits räumt der 37-jährige Engländer auch ein, dass es kaum ein einfacheres Szenario gebe, um den Sprung an die Spitze zu schaffen. Rose muss gewinnen, Johnson darf allenfalls geteilter Zweiter werden.

Rory McIlroy: Golf „just for fun“ als Vorbereitung

Traum-Trip: Die Vorbereitung von Rory McIlroy auf diese US Open, sein 38. Major, liest sich wie der „Bucket-List“-Zettel eines Golfreisenden. Der Nordire weilt seit dem 3. Juni an der Ostküste und spielte an 19 Tagen insgesamt 18 Runden Golf – im Shinnecock Hills Golf Club natürlich, auf den benachbarten ebenso ikonischen National Golf Links of America, dazu in Friar‘s Head und im Garden City Golf Club, auch letztere beide sind exzellente Plätze. „Das ist keine so schlechte Ecke, um hier im Sommer ein paar Wochen zu verbringen. Es hat viel Spaß gemacht“, sagte „Rors“, der zwischendurch überdies wieder mit Meister-Putter Brad Faxon trainierte. In diesem Zusammenhang bekannte der vierfache Majorsieger, dass er Golf „just for fun“ erst spielt und auch genießen kann, seit Vater Gerry Mitglied in Seminole/Florida ist und die beiden manche Runde gemeinsam absolvieren. „Zuvor hatte Golf außerhalb von Turnieren für mich nur was damit zu tun, mich genau für diese Turniere zu präparieren. Ich habe nie verstanden, dass Leute herumreisen und einfach so viel Golf spielen.“ Interessante Einblicke…

Der Wind ist da und Dustin Johnson Favorit

Daten, Fakten, Quoten: Die Favoritenlage ist klar bei dieser 118. US Open über die 6.800 Par-70-Meter des Shinnecock Hills Golf Club. Der Weltranglistenerste Dustin Johnson ist erster Aspirant auf den Siegerscheck in Höhe von mindestens 2,16 Millionen Dollar (11:1), gefolgt von Rory McIlroy (12:1) und dem Quartett Jordan Spieth, Jason Day, Justin Thomas und Justin Rose, die alle mit 14:1 gehandelt werden. Das 156-köpfige Feld beginnt heute seinen Weg zur Verteilung des 12-Millionen-Dollar-Preisgeldtopfs bei dem stetigen, teils starken Wind, der 2017 in Erin Hills gefehlt hat und den Platz nach dem regnerischen Mittwoch spätestens ab Mittag wieder austrocknen lassen wird. Die Wettervorhersage spricht von knapp 19 Grad und vereinzelten Gewittern über dieser Region an der US-Ostküste. Wie die Bälle laufen, wenn Shinnecock Hills‘ Grüns tennenhart sind, zeigt dieses Video von Sonntag auf der 18:



Rickie Fowler: Wollte den Ring endlich loswerden

Beichte: Seit Rickie Fowlers US-Open-Pressekonferenz kennt die Welt den wahren Auslöser für die Verlobung mit Allison Stokke. Vergangene Woche war der 29-Jährige an einem Strand in den Hamptons vor seiner Herzdame auf die Knie gegangen – doch was so romantisch wirkte, hatte einen eher rationalen Hintergrund. „Es war nichts geplant, alles ganz spontan“, offenbarte Fowler vor den Medien. „Ich wollte einfach den Ring nicht länger mit mir herum tragen.“ Tja, vielleicht kann er jetzt in Shinnecock Hills unbeschwerter aufspielen…

„Bötchen“-Bewohner Woods warnt vor Verkehr

Staumelder: Und noch ein Bekenntnis. Tiger Woods hat verraten, warum er wirklich mit seiner Yacht „Privacy“ vor Long Island aufgekreuzt und in Sag Harbour eingelaufen ist, wo er das 50-Meter-Schiff als US-Open-Quartier nutzt. Der 14-fache Majorsieger kennt den dichten Verkehr auf der 3.629 Quadratmeter großen, 190 Kilometer langen und 32 Kilometer breiten Insel. „Das kann zum Albtraum werden“, sagte Woods. Die Aussage deckt sich mit Berichten von Fans und Medienleuten über endlos dichte Blechkolonnen auf dem Long Island Expressway oder dem Montauk Highway, zugeparkte Straßen und verstopfte Nebenwegen. „Einige Spieler aus entfernteren Hotels haben erzählt, dass sie zweieinhalb bis drei Stunden bis zum Platz brauchen. Es ist nicht auszuschließen, dass jemand seine Teetime verpasst“, berichtete Woods und grinste vielsagend: „Da ist es durchaus hilfreich, auf einem Bötchen zu wohnen.“ Wer seine Abschlagszeit verpasst, wird übrigens disqualifiziert – wie bei jedem anderen Turnier auch. Allerdings räumt die USGA den Teilnehmern wohl eine Karenzzeit von fünf Minuten ein.

Adam Scott mit lokalem Caddie

Ortskunde: Adam Scott hat sich auf den letzten Drücker für die US Open qualifiziert und umgehend personelle Entscheidungen getroffen. Der Australier lässt sich nach einer mehrjährigen Pause wieder von seinem Schwager Brad Malone trainieren, hat sich aber nach 18-monatiger Zusammenarbeit vom etatmäßigen Bagman David Clark getrennt. Sein „Looper“ für die US Open ist Lenny Bummolo, einer aus der Caddie-Truppe des Shinnecock Hills Golf Club. Bummolo trug stets Scotts Tasche, wenn der Masters-Champion von 2013 private Runden in Shinnecock spielte. In jenem Jahr etwa, als Scott dem Platz eine 63er Runde abrang: „Lenny ist so lange hier, er kennt den Kurs und vor allem die Grüns aus dem Effeff sagt mir, wo der Ball landen soll. Er weiß das meistens viel besser als ich.“



Titleist feiert sich mit besonderer Ball-Ziffer

Jubiläum: Zach Johnson und Andrew „Beef“ Johnston spielen diese US Open mit Titleist-Pro-V1X-Bällen, so wie sehr viele andere Spieler auch. Nur tragen die Kugeln der beiden eine besondere Ziffer, nämlich „70“. Die soll aber keineswegs an das möglichst zu unterspielende Par von Shinnecock Hills erinnern, sondern symbolisiert eine besondere Zeitspanne. Die Acushnet-Tochtermarke feiert damit den Umstand, dass Titleist-Bälle seit 70 Jahren, seit Ben Hogans Triumph 1948 im Riviera Country Club, die meistgespielten und erfolgreichsten Murmeln bei der US Open sind.

Garrett Rank: Vom NHL-Eis auf die US-Open-Grüns

Parkett gewechselt: Über Matt Parziale, den Feuerwehrmann auf der großen Golfbühne, wurde schon beim Masters gebührend berichtet, der US-Mid-Amateur-Champion aus Brockton/Massachusetts ist auch in Shinnecock Hills am Abschlag. Mit Garrett Rank hat es aber noch ein weiterer Teilnehmer mit besonderem Hintergrund zur US Open geschafft. Der 31-jährige Kanadier ist seit 2016 hauptamtlicher Schiedsrichter in der nordamerikanischen Eishockey-Liga NHL, pfiff in der gerade beendeten Saison 76 Spiele und qualifizierte sich im Ansley Golf Club in Roswell/Georgia für Shinnecock Hills. „Auf dem Eis bin ich den besten Spielern der Welt sehr nahe, und diese Woche auf dem Rasen den weltbesten Golfern ebenfalls“, freut sich Rank, der es mit Golf zu einem Uni-Stipendium brachte, zum kanadischen Nationalteam gehörte und bereits 15 USGA-Meisterschaften bestritt, aber noch nie ein US Open: „Mein Leben ist gerade richtig cool.“





USGA raucht Friedenspfeife mit den Shinnecocks

Wussten Sie eigentlich: …dass der Shinnecock Hills Golf Club 1891 auf dem Territorium der „Shinnecock Nation“ und mit Beteiligung indianischer Hilfskräfte angelegt wurde? Diese Verbindung spiegelt sich nicht zuletzt auch im Clubwappen mit dem Federschmuck-Profil vor sich kreuzendem Pfeil und Golfschläger wider. Zwischen dem Stamm und der US-Regierung gab lange Zeit Streit, weil mit dem Aufkommen des Tourismus auf Long Island ein auf 1.000 Jahre angelegter Nutzungsvertrag für die gesamte Region gebrochen wurde.

Der amerikanische Golfverband USGA pflegt bei den US Open im Shinnecock Hills Golf Club seit Jahr und Tag ein enges Verhältnis mit den Shinnecock-Indianern, die zumeist in einem nahe gelegenen Reservat leben, stellt ihre Tradition sowie ihre Beteiligung an der Entstehung des Golfplatzes heraus und bindet sie personell stark in den Ablauf des Turniers ein. Kurz vor dieser 118. US Open, der fünften seit 1896 auf Shinnecock Hills, wurde ein neuer Vertrag aufgelegt, der neben der großzügigen Anmietung umfangreicher Parkplatzflächen auf dem verbliebenen Shinnecock-Land samt Shuttle-Betrieb auch die Gründung der „Oscar Bunn“-Golfakademie beinhaltet. Hier sollen künftig golfinteressierte Angehörige des Shinnecock-Stamms gefördert werden.

2018 US OPEN

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