Aktuell. Unabhängig. Nah.
Adventskalender 2016 Türchen 9: Drei Schlägerhauben-Sets für drei Gewinner - 100% handmade, 100% individuell, stylisch und funktional! Mehr Informationen

Das Krimi-Finale: Ein perfider Winkelzug als letzte Rettung

10. Apr 2016
Golf Post erzählt die Entstehung des Augusta National Golf Clubs und des Masters in einem dreiteiligen Roman nach. (Foto: Michael F. Basche/Getty)
Artikel teilen:

Zum Masters-Jubiläum: Die dunkle Seite von Augusta verpackt in einen dreiteiligen Roman. Pünktlich zum Finaltag gibt es den letzten Akt.

„So, das ,Beste‘ kommt bekanntlich zum Schluss. Wenigstens für Sie als Journalist. Für die Geschäftsleute von Augusta indes war das, was ich Ihnen gleich erzähle, ein herber Schlag. Augusta National hat wirklich alle Register gezogen, um zu überleben. Der Platz war kostspieliger als geplant, sowohl im Bau als im Unterhalt, das Masters in den ersten Jahren zudem bloß geldfressender Luxus, ein Groschengrab. In der Kasse herrschte notorisch Ebbe.“

Erpresserischer Brief

Lange habe ich bereits mit meinem Gast zusammengesessen, ihm die Entstehung von Augusta National und des Masters erzählt, so wie es damals wirklich war. Trotzdem ist er noch immer wissbegierig und will mehr erfahren.


Chairman Clifford Roberts. (Foto: Michael F. Basche)

Chairman Clifford Roberts. (Foto: Michael F. Basche)

„Mit den Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen konnte Augusta National keine großen Sprünge machen“, fahre ich fort. „Nicht bei 60 Dollar Jahresbeitrag und 350 Dollar Aufnahmegebühr, nach heutigem Wert gerade mal rund 4.200 Dollar. Ich habe hier den Wortlaut eines Briefs von ,Chairman‘ Clifford Roberts, den er schon im März 1933 an die Kreditoren geschrieben hat, noch vor dem ersten Masters. Er stellt quasi Stufe eins der schäbigen Tricks dar, mit denen Augusta National sich letztlich entschuldet hat.“

Mein Gast aus Deutschland aktiviert die Memo-App an seinem Handy, „damit ich kein Wort verpasse“, und ich beginne vorzulesen.

„Eine kleine Gruppe von Sportsmännern hat dem Club 120.000 Dollar zur Verfügung gestellt und dieses Geld muss auf Jahre hinaus zurück gezahlt werden. Gleichzeitig belasten Augusta National offene Rechnungen in Höhe von rund 31.000 Dollar.  Da wir von unseren Geldgebern keine weiteren Zuwendungen erwarten können, sind wir gezwungen, Ihnen mitzuteilen, dass der Club die Gelder, die er Ihnen schuldet, nicht zahlen kann. Wenn nun irgendein Gläubiger uns deswegen Schwierigkeiten macht, wird der Betrieb eingestellt, außerdem verlieren wir die Unterstützung von Bob Jones.“

„Das ist pure Erpressung!“, entfährt es dem Journalisten.

Boxkämpfe und andere Lustbarkeiten

„Allerdings. Roberts hat sein Problem einfach bei den Gläubigern abgeladen: Wenn Ihr Euer Geld wollt, dann seid Ihr schuld daran, dass Augusta National dicht machen muss! Und er kam damit durch, die Kreditoren hielten still. 1934 bot er ihnen Anzeigen im Programmheft fürs erste Masters an, jedoch nicht kostenlos. Die Entschädigung war, dass sie überhaupt werben durften. Im Gegenzug, ich zitiere wörtlich, ,zeigt sich der Club bereit‘, das Streichen der Schulden als Gebühr für die Anzeige anzunehmen.“

„Wie gnädig“, sagt der Journalist mit Ironie in der Stimme. „Was war denn mit den Mitgliedern. Wollten die nicht mehr oder konnten die nicht mehr?“

„Das weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass sie sich trotz allem prächtig amüsierten. Mein Großvater Bowman Milligan hat mir einiges erzählt. Er war sozusagen Roberts‘ Zeremonienmeister, der sich wiederum ständig ‘was einfallen ließ, um die Clique bei Laune zu halten. ,Gran‘pa‘ organisierte beispielsweise Boxkämpfe im großen Saal des Bon Air Hotels. Burschen aus den armen afroamerikanischen Vierteln kämpften dabei um Preisgeld, sogar Augustas berühmtester Sohn, James Brown, der spätere ,Godfather of Soul‘, verdingte sich als junger Mann dort.“

Der Journalist blinzelt: „Sie spannen mich ganz schön auf die Folter.“ Ich lächele: „Ertappt!“ Und fahre fort.

Jonglieren mit dem Firmenrecht

„Im Juni 1935 saßen der klamme Club und seine feinen Herren immer noch auf einem Haufen Schulden. War der Brief schon schäbig, so hatten die Gründer nun eine wirklich perfide Idee. Nageln Sie mich nicht auf juristische Fachbegriffe fest, es war schlicht ein ebenso simples wie mieses Jonglieren mit dem Firmenrecht: Besitzer des Grundstücks und auch Schuldner war nicht der Club, sondern die ,Fruitlands Manor Corporation‘. Den ersten Rang bei den Hypotheken hatte die ,Georgia Railroad Bank & Trust‘, und die leitete wegen ausbleibender Zahlungen die Zwangsversteigerung ein. Anschließend kaufte eine fünfköpfige Investorengruppe, allesamt ebenfalls Mitglieder, das Gelände für 30.000 Dollar und gründeten ,The Augusta National Inc.‘ …“

„Also eine GmbH, eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung“, wirft der Journalist ein. „Ja, so nennt Ihr das in Deutschland“, erwidere ich.

„Jedenfalls haftete niemand mehr für irgendwelche Schulden, schon gar nicht die neue Gesellschaft, die Augusta National ja sozusagen aus einer Konkursmasse erworben hatte. Die Gläubiger guckten in die Röhre. Später offerierte ihnen Anwalt Lansing B. Lee, der den ganzen Deal gemanagt hatte und natürlich ebenfalls dem Club angehörte, immerhin noch Gesellschaftsanteile. Die deckten freilich nur einen Bruchteil ihrer Forderungen.“

Der Journalist grinst: „Das klingt doch sehr modern, könnte so auch in heutiger Zeit gelaufen sein.“

TV-Deal und Arnold Palmer

Arnold Palmer und Ben Hogan - Die Rockstars ihrer Zeit. (Foto: Michael F. Basche)

Arnold Palmer (re., mit Ben Hogan) spülte Geld in die lange Zeit klamme Kasse. (Foto: Michael F. Basche)

„Wie wahr! Clifford Roberts und Co. waren halt nicht nur bei der Unter- und Über-Par-Darstellung von Ergebnissen auf dem Leaderboard, dem Aufbau von Tribünen oder dem Einbau unterirdischer Bewässerung ihrer Zeit weit voraus. Jedenfalls war der Club dank dieses Winkelzugs erstmal alle Sorgen los. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Mitglieder wegen akuter Liquiditätsengpässe zwar noch einmal um Spenden von 100 Dollar pro Kopf gebeten. Aber dann kam in den 1950er-Jahren das Fernsehen, fast zeitgleich wurde Arnold Palmer nicht zuletzt wegen seiner Masters-Siege und seiner Volksnähe zum ,American Idol‘ und machte Golf via TV der breiten Bevölkerung schmackhaft. Augusta National wurde reich, der Rest ist Geschichte.“

„Und was für eine Geschichte!“, sagt der Journalist, klappt sein Notizbuch zusammen, erhebt sich und schüttelt mir dankbar die Hand: „Gern würde ich noch mehr erfahren, es ist aber schon spät, und ich muss gehen. Es gibt eine Menge zu schreiben.“

Ich begleite ihn zur Tür. „Vielleicht sieht man sich kommendes Jahr wieder“, ruft er mir noch zu, dann ist er bereits um die Ecke verschwunden, auf dem Weg zum Masters im Augusta National, um das sich so viele spannende Geschichten ranken.

Nachtrag: Clifford Roberts beging 1977 Selbstmord, im Alter von 83 Jahren und vom Krebs gezeichnet. Er erschoss sich mit einer Pistole, ausgerechnet in der Nähe von „Ike‘s Pond“, jenem Teich, den er 1949 für seinen Freund Dwight D. Eisenhower, den begeisterten Angler und späteren US-Präsidenten, anlegen ließ. Heute verläuft an dieser Stelle der Weg vom achten Grün zum neunten Abschlag.

Mehr zum Thema Masters:

Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
Sie finden mich auch auf: Google+

Alle Artikel von Michael F. Basche

2 LESER-KOMMENTARE

Geben Sie jetzt Ihre Meinung zu diesem Thema ab
  1. Eugen Pletsch

    Hallo Herr Blasche,
    wie kann ich den Artikel ohne ständige Werbeeinblendungen und blockiernde Share-Fenster in Ruhe lesen und wo kann ich das Buch bestellen?
    Vielen Dank!
    E. Pletsch

    Antworten

    • Tobias Hennig

      Hallo Herr Pletsch,
      die Werbeinblendungen sollten sich schließen lassen und nicht mehr als einmal auftauchen. Ob die Share-Leiste den linken Rand des Artikels überdeckt oder nicht, hängt von der Breite ihres Browserfensters ab.
      Mit freundlichem Gruß
      Tobias Hennig

      Antworten

Schlagwörter: , , , , ,

Aktuelle News