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Augusta: Leben zwischen Geldregen und jährlichem Chaos

Augusta hat zum Masters mehrere Gesichter. Golf Post begegnet Einwohnern, die für ein ganzes Jahr aussorgen oder nur neue Bekanntschaften schließen.

Utopische Preise und schamlose Ausnutzung. Innerhalb von einer Nacht steigen die Preise für Unterkünfte in Augusta bei vielen um 400 bis 600 Prozent an. (Foto: Getty)
Utopische Preise und schamlose Ausnutzung. Innerhalb von einer Nacht steigen die Preise für Unterkünfte in Augusta bei vielen um 400 bis 600 Prozent an. (Foto: Getty)

Es wird oft behauptet, dass jede Stadt zwei Gesichter hat. Selten jedoch, sind die zwei Gesichter so ausgeprägt wie in Augusta, einer mittelgroßen Stadt im Osten Georgias. Obwohl die 200.000 Einwohner Augusta zu der drittgrößten Stadt in Georgia machen, wäre die Stadt wahrscheinlich nie weltberühmt geworden, wenn es da nicht dieses eine berühmte Golfturnier geben würde.

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Augusta und das alljährliche Chaos

Einmal im Jahr – immer das zweite Wochenende im April, pilgern mehrere zehntausende Golffans nach Augusta, um beim ersten Major des Jahres dabei sein zu können. Weltweit genießt das Masters einen Ruf wie kein anderes Golfturnier und das Major hat aus Augusta eine Weltstadt gemacht. Zumindest für eine Weile, wenn nämlich Golffans aus der relativ verschlafenen mittelgroßen Stadt praktisch über Nacht eine Großstadt machen – Verkehrschaos inklusive.

"Natürlich freuen wir uns, wenn wir so viele Fremde in unserer Stadt begrüßen dürfen. Und das tun wir auch gerne,“ sagt Amber Smith, um jedoch gleich hinzuzufügen, dass auch sie unter dem Verkehrschaos leidet. „Ich wohne ganz in der Nähe vom Augusta National Golf Club und wenn ich normalerweise zehn Minuten brauche irgendwo hinzufahren, muss ich während der Masterswoche eher mit 40 Minuten rechnen.“

Wahnsinns Preisanstieg in der Masterswoche

Obwohl das Turnier alljährlich stattfindet, tut sich Augusta manchmal schwer mit so vielen Besuchern gerecht zu werden. Das wiederum nutzen manche Einwohner schamlos aus, um in einer möglichst kurzen Zeit, möglichst viel Geld zu verdienen. Um sich seinen Golftraum zu ermöglichen, reiste Thomas Turner aus England an und hatte bei der Suche einer temporären Bleibe erhebliche Schwierigkeiten, aufgrund der durch die Decke gehenden Preise.

„Ich habe auf verschiedenen Buchungsplattformen etwas gefunden und wollte es buchen. Die Preise waren relativ billig und ich habe mich natürlich sehr gefreut etwas gefunden zu haben. Als ich es dann aber buchen wollte, sagte mir der Vermieter, dass es zwar noch zu haben sei, er aber den Preis erhöht hat. Als er mir den neuen nannte, bin ich fast vom Stuhl gefallen. Er hatte von einer Minute zur anderen den Preis um 600 Prozent erhöht. Das konnte ich natürlich nicht bezahlen, aber er sagte nur, dass das so üblich sei in Augusta.“



In nur einer Woche fürs ganze Jahr aussorgen

Scott Cody, der für einen Energiekonzern in Atlanta arbeitet und jedes Jahr Kunden nach Augusta einlädt, wohnt mit ihnen in einem gemieteten Haus in der Nähe des Platzes. „Wir wohnen schon seit einigen Jahren immer wieder im gleichen Haus. Ich weiß, dass die Vermieterin dadurch ihre Hypothek für das ganze Jahr deckt, aber dafür wissen wir auch was uns erwartet. Und wenn man mit Kunden unterwegs ist, muss man sich auf das verlassen können."


Auch in der Gastronomie gibt es einerseits die, die ihre Preise in der Masterswoche verdoppeln, andererseits gibt es aber auch andere die alles beim alten lassen. Ruth Seidel, führt ein deutsches Restaurant in Augusta. „Es macht doch keinen Sinn die lokalen Besucher zu verärgern. Nach der letzten Runde am Sonntag verschwinden die Besucher aus der Stadt und wenn wir uns dann durch unverschämte Preise die lokalen Besucher vergrämt haben, ist das eher schädlich."

Masters zum Knüpfen von Beziehungen nutzen

Doch nicht alle schließen sich an, in der Masters Woche hohe Preise zu verlangen. Viele Einheimische sind gastfreundliche Leute und freuen sich fremde Leute kennen zu lernen. Daher gibt es sogenannten Couchsurfing Community, die ein Zimmer oder ein eher ein Sofa kostenlos zur Verfügung stellen. Amber Smith gehört zu den gastfreundlichen Einheimischen und meint: „Klar könnte ich ein paar hundert Dollar verdienen, aber viel schöner ist es doch Fremden zu zeigen wie gastfreundlich wir sein können. So lerne ich Menschen aus der ganzen Welt kennen und dadurch sind schon einige Freundschaften entstanden.“



Leider sehen das aber nicht alle so und daher ist ein Besuch in Augusta beim Masters für manche Fans ein Besuch mit zwei Gesichtern – so wie Augusta eben als Stadt ist.

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