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TPC Sawgrass – Geschichte aus den Sümpfen Floridas

09. Mai 2016
Wer nur von der 17 redet, hat 17 Sachen verpasst! Der TPC Sawgrass in Ponte Vedra Beach hat mehr zu bieten. (Foto: Getty)
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Alle reden von der 17 – und vergessen dabei 17 spannende Teile der Geschichte: Wie der TPC Sawgrass Weltruhm erlangt hat.

Keine Sorge: Die 17. Bahn auf dem TPC Sawgrass wird, wie immer, Bestandteil der PLAYERS Championship sein. Aber Bestandteil dieser Geschichte ist sie nicht, denn der TPC Sawgrass hat viel mehr zu bieten, als nur die 17. Bahn.

Angefangen sei, wo alles angefangen hat. In den frühen 80er Jahren wollte die PGA die PLAYERS Champonship – das inoffizielle fünfte Major – nicht mehr jedes Jahr auf einem anderen Platz austragen, sondern suchte nach einem qualitativ hochwertigen Kurs, der jährlich als Heimat des Turniers dienen sollte. Dafür sollte der TPC Sawgrass gebaut werden.


Dabei war es den Verantwortlichen wichtig, ein Stadion-Gefühl entstehen lassen. Die Zuschauer sollten sich auf erhöhten Positionen um die Spielbahnen befinden, ähnlich naturbelassenen Tribünen, und dabei möglichst viel von dem gesamten Platz einsehen können. Diese Fanböschungen finden sich vor allem an den Abschlägen der Löcher 1 und 10, sowie um die Grüns der Bahnen 9, 16, 17 und 18.

TPC Sawgrass: Das erste Stadion auf 18 Löchern

Insgesamt folgte die Erschaffung des Platzes mehreren Leitbildern: Neben dem beschriebenen Stadion-Konzept sollte der Platz die regelmäßige Heimat der PLAYERS Championship sein, er sollte ein außergewöhnliches Design und einen besonderen Charakter aufweisen. Das Platzdesign sollte keinen bestimmten Spieler bzw. Spielstil bevorzugen. Darüber hinaus sollte der Platz für alle Golffans zugänglich und bespielbar sein. Anders als beispielsweise in Augusta kann jeder den Platz unabhängig von seinem Handicap spielen. Das Greenfee liegt allerdings bei Saisonhöhepunkten gern mal bei 450 US-Dollar. Hin und wieder gibt es Greenfee-Angebote und günstigere Pakete mit Übernachtung.

Ein Dollar für „Star-Wars-Golf“

Da das PGA-Tour-Headquarter in Ponte Vedra Beach, etwa 40 km südöstlich von Jacksonville in Florida sitzt, wollte der damalige PGA-Tour-Chef Dean Beman den Platz in der Nähe bauen. Sawgrass bestand damals aus reinem Sumpfland, sodass man das 1,68 Quadratkilometer große Land für einen Kaufpreis von einem Dollar erwerben konnte. Nachdem das Team um den legendären Golfplatz-Architekten Pete Dye den Sumpf trockengelegt und von zahlreichen wilden Tieren wie Alligatoren, Wildschweinen und Schlangen befreit hatte, konnte die erste PLAYERS Championship dort 1982 ausgetragen werden.

Im Anschluss gab es nur ein Thema: Die Beschwerden der Spieler. Ben Crenshaw meinte, es sei „von Darth Vader entworfenes Star-Wars-Golf.“ Jack Nicklaus beklagte, er sei noch nie besonders gut darin gewesen, den Ball mit einem Eisen 5 auf der Haube eines Autos zum Halten zu bringen. Doch die Zuschauer jedoch hatten ihren Spaß; sie mochten die Stadion-Atmosphäre. Und ein bisschen Schadenfreude, wenn Spieler ihre Bälle auf der 17 im Wasser versenkten, gehörte auch schon damals dazu.

Players Stadium Course – Loch für Loch


Die Heimat der Players - Der TPC Sawgrass

Der Umbau: Zehn Millionen Dollar vergraben

Die PGA Tour reagierte auf die Spielerbeschwerden gleich im Folgejahr, gestaltete die Grüns weicher und langsamer, veränderte Sandbunker und reduzierte das Rough. Danach war der Platz wesentlich besser spielbar und fand auch bei den Spielern immer mehr Anklang. Mittlerweile wird der Platz von den Profis sehr geschätzt und gilt als einer der besten Plätze sowohl in den USA als auch weltweit. Die letzte große Renovierung fand 2006 statt – für zehn Millionen Dollar.

Neben kleineren Veränderungen an der Oberfläche erfolgten die beachtenswertesten Verbesserungen unterirdisch. Pete Dye tauschte das veraltete Leitungssystem aus und ersetzte es mit computergestützten Wasserabführungs- und Bewässerungssystemen. Darüber hinaus installierte er ein SubAir-System, welches den Feuchtigkeitsgehalt der Oberfläche kontrolliert und reguliert. Die Folge sind bessere Spielbarkeit auf den Grüns und schnellere Fairways mit mehr Roll. Außerdem wurde das Clubhaus enorm vergrößert, sodass es heute wie ein Palast anmutet.

Alles, was das Herz begehrt auf dem TPC Sawgrass

Alles in allem bietet der Platz sowohl lange als auch kurze Par-3s, Par-4s und Par-5s. Es gibt Doglegs nach rechts wie nach links, und zwei aufeinander folgende Bahnen verlaufen nie in die gleiche Richtung. Manche Bahnen erfordern vom Tee einen Fade und manche einen Draw aufs Grün, bei anderen ist es genau umgekehrt. Ein maßgebliches Charakteristikum des Platzes ist zudem, dass sich an jeder Bahn Wasser befindet. Die Wasserhindernisse treten entweder frontal oder seitlich auf, als Lagune oder als See.

Viele der Bahnen belohnen Risiko mit einem niedrigen Score. Die Schlüssel zum Sieg liegen hingegen weniger in bloßer Kraft und langen Abschlägen, sondern eher im strategischen Kurs-Management und in der Genauigkeit. Die Fairways sind meistens schmal und weisen vielfach noch eine weitere Verengung vor dem Grün auf, sodass die Annäherung erschwert wird. Zudem grenzen an die von hohen Palmen gesäumten Fairways oft Lagunen, langgezogene Sandbunker oder dickes Rough. Die ondulierten Grüns bieten häufig drei oder mehr unterschiedliche Fahnen-Positionen. Bei falscher Balllage hat man einen schwierigen Zwei-Putt vor sich, der nicht selten in einem Drei-Putt endet.

Lange Zeit das höchste Preisgeld der Saison

Auch wenn die Bahnen am Anfang des Grüns nicht erhöht sind, fallen die Grüns an der Seite und hinten wiederholt steil ab und die Bälle rollen in die unangenehmsten Lagen. Hinzu kommt, dass sich der Platz am Wochenende ganz anders spielt. Martin Kaymer beschwerte sich vor seinem Sieg 2014 einmal, dass die Grüns nach dem Freitag komplett ausgetrocknet und steinhart werden und der Kurs plötzlich viel schwieriger zu spielen sei.

Das ‚Schmerzensgeld‘ für die Spieler ist aber sehr hoch: Lange Zeit war kein Turnier der gesamten PGA-Tour-Saison – geschweige denn der European Tour – mit zehn Millionen Dollar so hoch dotiert. Erstmals in der Saison 2015 zogen andere Turniere nach: das Masters und die PGA Championship.

Christoph Mayer

Christoph Mayer - Freier Autor für Golf Post

Christoph Mayer wurde vor zehn Jahren von seiner heutigen Ehefrau zum Golfen gebracht. Seitdem ist er dem Sport verfallen und kämpft darum, endlich Bogey-Golfer zu werden. Der stolze Hesse lebt seit elf Jahren im Kölner Süden und feuert als Mitglied den FC Bayern an.

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