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Masters in Augusta – Eine Stadt verwandelt sich

03. Apr 2015
Die Magnolia Lane ist für eine Woche die wohl wichtigste Straße Augustas. (Foto: Getty)
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Wenn der Golfzirkus beim Masters in Augusta Halt macht, steht die Stadt Kopf – und die meisten Einwohner profitieren davon.

Fragt man die Bewohner von Augusta, wie viele Einwohner die Stadt hat, antworten sie meist mit einer Gegenfrage: Wann? Diese Frage ist berechtigt, denn 51 Wochen im Jahr hat Augusta knapp 200.000 Einwohner, nimmt man die umliegenden Bezirke noch dazu, steigt die Anzahl auf 600.000. Wie gesagt, das stimmt für 51 Wochen, aber Anfang April steigt die Zahl um ein Vielfaches und selbst im Stadtkern sollen zeitweilig mehr als 600.000 Menschen wohnen.

Unter den 400.000 Menschen mehr, die dann in Augusta sind, sind auch etwa 100 der weltbesten Golfer, die jedes Jahr zum Masters anreisen. Seit 1934 findet in der zweitgrößten Stadt Georgias im Süden der Vereinigten Staaten das erste Major des Jahres statt.


Golfzirkus kommt nach Augusta

„Es ist, als ob sich die Stadt verwandelt. Als ob der Zirkus in die Stadt kommt,“ erklärt Scott Poag, der Projektmanager der Augusta Economic Development Authority ist. Selbst der Flughafen muss in dieser Zeit anders organisiert werden, denn viele der Golfer – und auch so manch ein Besucher – fliegen mit Privatjets ein. „Erstaunlicherweise, trotz der vielen Besucher, wahrscheinlich so um die eine Million, läuft alles wie geschnürt. Ich denke, das liegt daran, dass es jedes Jahr zur gleichen Zeit und am gleichen Ort stattfindet. So wissen die Geschäfte, die direkt damit zu tun haben, wie sie mit der Situation umgehen müssen. Der Augusta National arbeitet eng mit den Behörden zusammen und es ist ein ganz klarer Gewinn für die ganze Gegend.“

Oft wird Augusta fälschlicherweise als schlafende Stadt im Süden beschrieben, die nur einmal im Jahr aufwacht. „Das ist einfach unsinnig“, empört sich Poag, der mit seiner Agentur dafür verantwortlich ist, neue Betriebe in die Stadt zu locken. „Einige große Firmen haben Fabriken in Augusta, so wie Starbucks, Kellogs oder der niederländische Chemie-Konzern DSM. Außerdem werden in Augusta mehr elektronische Fahrzeuge als in jeder anderen Stadt in der USA hergestellt. Das heißt aber natürlich nicht, dass sich die Stadt während der Masters-Woche nicht sehr verwandelt.“

Einheimische mit gemischten Gefühlen

Am meisten davon betroffen sind Geschäfte, die direkt mit dem Gastgewerbe zu tun haben. Hotels sind meist schon ein Jahr zuvor ausgebucht, private Unterkünfte sind auch sehr schwer zu bekommen und Restaurants können längst nicht alle Reservierungswünsche annehmen. Viele Restaurants mieten deswegen riesige Zelte, in denen sie weitere Besucher verpflegen können. Aber auch andere Betriebe, wie Sportartikelgeschäfte oder andere Golfclubs in der Umgebung, profitieren von den vielen Besuchern.

Die Villa Europa in Augusta. (Foto: Peter auf der Heyde)

Die Villa Europa in Augusta.

Aber es gibt auch die andere Seite der Masters-Woche, sagt Pat Schaffer, die seit vielen Jahren das Villa Europa Restaurant in Augusta führt. „Es ist für uns natürlich eine großartige Sache und wir haben auch mehr Besucher als sonst, aber viele der lokalen Gäste kommen nicht.“ Einige – wahrscheinlich die meisten – der Restaurants heben während der Masters-Woche die Preise an. Obwohl das in der Villa Europa nicht der Fall ist, bleiben die meisten lokalen Besucher fern. „Zum einen haben sie Angst, dass unsere Preise auch höher als sonst sind, zum anderen sind sie besorgt, dass die Lokale überlaufen sind. Und letztlich verlassen auch viele Leute, die in Augusta leben, während der Masters-Woche die Stadt,“ erklärt Schaffer.

Masters finanziert Jahresurlaub

Die Managerin, die in ihrem Restaurant deutsche Spezialitäten wie Jägerschnitzel, Sauerbraten, Spätzle, Bratwurst und Sauerkraut anbietet, sagt, dass sie sich trotzdem freut, wenn wieder Masters-Woche ist. „Wir bekommen dann neue Gäste, das freut uns natürlich. Mittlerweile gibt es auch einige, die immer wieder zu uns kommen, wenn sie beim Masters sind. Es ist auch die einzige Zeit, in der wir Reservierungen annehmen.“ Allerdings, so Schaffer, ist das Geschäft auch rückläufig. „Es gibt unser Restaurant schon seit 41 Jahren und früher war während des Masters noch mehr Betrieb. Ich denke, das liegt daran, dass es jetzt viel mehr Restaurants in Augusta gibt.“

Laut Poag werden in der Masters-Woche aber trotzdem genug Geschäfte gemacht, um den meisten Betrieben dadurch für den Rest des Jahres kräftig unter die Arme zu greifen. „Ich weiß nicht, wie viel es von ihrem Jahresumsatz ausmacht, aber es ist bestimmt ein recht großer Teil. Und weil es sich ja wirklich nur um eine Woche handelt und es so unwahrscheinlich gut organisiert ist, gibt es kaum negative Stimmen. Da die Schulen während der Masters-Woche geschlossen sind, haben die Leute, die nicht in Augusta sein möchten, die Möglichkeit zu verreisen. Im besten Fall können sie sogar ihr eigenes Haus oder Apartment vermieten, um dadurch ihre Reise zu finanzieren. So haben auch sie etwas vom Masters – selbst ohne vor Ort zu sein.“


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Peter Auf der Heyde

Peter Auf der Heyde - Freier Autor für Golf Post

Peter kommt aus dem Land der Major-Sieger: Gary Player, Ernie Els, Retief Goosen usw. Der Journalist kam relativ spät zum Golf, aber als er 2013 am Tag nach dem Masters in Augusta auf dem 16. Loch (von den Pro Tees!) ein Birdie spielte, wähnte er sich im Golf Paradies. Seitdem geht es leider bergab, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Über Handicap spricht man nicht, das hat man.

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