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Masters 2016: Wohnen um jeden Preis in Augusta

04. Apr 2016
Betten in Augusta sind in der Masters-Woche schwer zu finden. Die geringen Angebote sind dann extrem teuer. (Foto: Peter auf der Heyde)
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Wer ein Ticket fürs Masters hat, muss irgendwo nächtigen. Die Wohnsituation in Augusta gipfelt dieser Tage wieder im Ausnahmezustand.

Die Eintrittskarten für das Masters in Augusta gehören nicht nur zu den begehrtesten Tickets im internationalen Sport, sie zählen auch zu den am schwierigsten zu erhaltenden. Wenn man jedoch zu den Glücklichen gehört – meist geht das nur über das Losverfahren – einen Tagespass, oder besser noch Zutritt für die ganze Woche erworben zu haben, so ist das im wahrsten Sinne des Wortes erst die halbe Miete.

Fast genau so schwierig, wie das sogenannte Masters Badge zu bekommen, ist es in der Zeit um die Masters Woche in Augusta eine Unterkunft zu finden. Die wenigen Hotels in der Stadt mit knapp 200.000 Einwohnern, sind meist schon ein Jahr vorher ausgebucht – und das, obwohl Zimmer die sonst um die 75 US-Dollar kosten, in der Masters Woche für das Fünf- oder gar Sechsfache vermietet werden. So bleibt den meisten Golf Fans, die in Augusta vor Ort sind, nur eines: Sie müssen privat eine Unterkunft finden.


Da die Nachfrage das Angebot natürlich um einiges übersteigt, können die Zimmer-, Apartment- und Hausbesitzer ihre eigenen Preise bestimmen. Meistens finden sich trotzdem Abnehmer. Für Suchende ist das Masters Housing Bureau die erste Anlaufstelle . Die Zimmervermittlung, die unter das Augusta Chamber of Commerce fällt, vermittelt zwischen Besuchern und Einheimischen.

„Es gibt in Augusta nun mal nicht genug Hotels, also muss eine andere Lösung gefunden werden“, sagt Lauren Goble, Direktorin des Masters Housing Bureau, über die jährlich wiederkehrende Wohnraummisere in ihrer Stadt. „Da die Schulen während der Masters Woche geschlossen sind, nehmen viele Leute die Gelegenheit wahr und vermieten ihre Unterkunft. Mal ist es eine kleine Ein-Zimmer-Wohnung für nur ein oder zwei Personen, mal ist es ein richtiges Herrenhaus, mit Schwimmbad, Sauna und Jacuzzi, in dem locker acht oder mehr Leute luxuriös übernachten können.“

Dementsprechend unterschiedlich sind auch die Preise. Auf der einen Seite kann man für rund 700 US-Dollar die Woche ein Zimmer mieten, mit geteiltem Badezimmer versteht sich. Am anderen Ende des Spektrums stehen die noblen Villen, für die man sehr viel tiefer in die Tasche greifen muss. Wer die Woche an der richtigen Adresse wohnen möchte, kann beim Masters Housing Bureau für 36.000 Dollar ein Haus mit sieben Schlafzimmern und sieben Badezimmern mieten. Das historische Anwesen ist nur einen Kilometer vom Augusta National Golf Club entfernt und bietet jeden Komfort. Die Villa im Walton Way ist allerdings nicht einmal die teuerste im Angebot. In West Lake steht ein Haus zu einem Wochenpreis von 90.000 Dollar bereit. Um die Exklusivität zu bewahren wird auf der Internetseite der Zimmervermittlung nicht einmal ein Foto der Millionärsvilla gezeigt.

Selbst die Lodge in der Rocky Creek Christian Retreat, die sonst Christen eine billige Unterkunft in ruhiger und besinnlicher Umgebung bietet, bittet während der Masters Woche ordentlich zur Kasse. Vor und nach dem Golfturnier kann man dort zu zweit für 150 US-Dollar übernachten – drei Mahlzeiten am Tag eingeschlossen, ebenso wie Tee und Snacks am Nachmittag. Eine dritte oder vierte Person kostet nur 25 Dollar extra. Ab Montag allerdings, wenn Augusta wieder unter dem Einfluss des ersten Majors des Jahres steht, gibt es die Zimmer mit vier Betten nicht mehr für 150 Dollar, dann kosten sie stolze 350 Dollar – pro Person und ohne Verpflegung versteht sich!

Bill Sailors lebt hingegen schon lange in Augusta und gehört zu denjenigen, die ihr Haus vermieten. „Ich besuche Verwandte, bekomme für mein Haus 2.000 Dollar für die Woche und helfe jemandem, dass er in der Nähe übernachten kann“, erklärt der Amerikaner. „Er hat etwas und ich habe etwas. So sollte es sein. Natürlich weiß auch ich, das manchmal unverschämte Preise verlangt werden. Aber das ist nicht immer der Fall. Ich weiß auch von einigen Journalisten, die über Jahre hinweg bei der gleichen Frau gewohnt haben. Als sie starb, hat sie ihr Haus vererbt, mit der Bestimmung, dass die Journalisten weiterhin dort wohnen können.“

Wolfgang Scheffler von der Frankfurten Allgemeinen berichtet schon etliche Jahre vom Masters aus Augusta. „Das erste Mal war ich 1988 vor Ort. Seit 1997 regelmäßig. Ich wohne seit vielen Jahren immer bei der gleichen Frau. Wir haben uns schon an einander gewöhnt und durch mich sind auch schon viele andere Journalisten bei ihr gelandet.“ Mittlerweile sei Lucille, wie die Dame heißt, aber auch schon alt, am 15. April werde sie 96 Jahre. „Sie macht aber trotzdem alles alleine“, berichtet Scheffler weiter. „Allerdings geht sie nicht mehr ans Telefon, wenn sie die Nummer nicht erkennt und so wird es von Jahr zu Jahr schwieriger den Kontakt vor der Masters Woche herzustellen. Aber trotzdem habe ich Glück solch eine Unterkunft zu haben. Es gibt Kollegen die wohnen bis zu 120 Kilometer entfernt. Dagegen habe ich es richtig bequem und günstig.“

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Peter Auf der Heyde

Peter Auf der Heyde - Freier Autor für Golf Post

Peter kommt aus dem Land der Major-Sieger: Gary Player, Ernie Els, Retief Goosen usw. Der Journalist kam relativ spät zum Golf, aber als er 2013 am Tag nach dem Masters in Augusta auf dem 16. Loch (von den Pro Tees!) ein Birdie spielte, wähnte er sich im Golf Paradies. Seitdem geht es leider bergab, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Über Handicap spricht man nicht, das hat man.

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