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„Witz“ oder „wunderbar“? – Disput über den US-Open-Kurs

18. Jun 2015
Chambers Bay, der möglicherweise „polarisierendste“ Austragungsort der 120-jährigen US-Open-Geschichte. (Foto: Getty)
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Chambers Bay spaltet die Gemüter zwischen „ein Witz“ und „wunderbar“. Der Architekt kontert und der Chef vom Ganzen ist zufrieden.

Es wird Zeit, dass jetzt endlich los geht. Damit sich erweisen kann, was Chambers Bay, dieser künstliche Links-Parcours, nun wirklich ist: Die Schönheit am Puget-Sund oder das Biest aus dem Steinbruch? Die Nummer 51 auf der Spielstätten-Liste sei auf jeden Fall der „polarisierendste“ Austragungsort der 120-jährigen US-Open-Geschichte, behauptet „Golf.com“. Wohl zu recht. Kein Kurs zuvor hat derart kontrovers die Gemüter bewegt und die Meinungen gespalten. Sogar die European Tour bemüht drastische Vergleiche, nennt Chambers Bay einen „authentischen Links auf Anabolika“. Und die Spaßvögel von „The Well Creative Productions“, die einen Cartoon zum Thema gemacht haben, glauben, im Fall von Chambers Bay habe sich St. Andrews mit dem Mond gepaart und einen Baby-Golfplatz hervor gebracht.

„Hat nichts mit Golf zu tun“

Die Hauptdarsteller freilich finden für ihre Bühne weit weniger drollige Metaphern. Ian Poulter nannte Chambers Bay eine „komplette Farce“, obwohl er noch keinen Fuß auf den Platz gesetzt hatte. Ryan Palmer nölte über die Grüns und die unkonventionellen Abschläge: „Für mich hat das nichts mit Golf zu tun. Das ist ein Witz.“ Webb Simpson hat den amerikanischen Golfverband USGA schon als heimlichen Sieger dieser US Open ausgemacht: „Wir spielen bloß um Platz zwei“, ätzte der Champion von 2012.


Chambers Bay ist halt „terra incognita“ für die meisten Teilnehmer, unbekanntes Land, wegen seines Links-Designs bei den Amerikanern ohnehin ungeliebt. Es ist keine der gewohnten US-Open-Wiesen mit ihren schmal geschnittenen Fairways und dem hochgezüchteten Rough. Sondern ein Platz, der „auf so vielfältige Weise gespielt werden kann, bei dem man sich unzählige Möglichkeiten und Optionen einprägen muss“, erzählt Tiger Woods. Mit seinen Alternativ-Abschlägen auf Bahn eins, neun und 18 quasi ein 21-Loch-Layout, dazu die variable Länge zwischen 6.600 und knapp 7.000 Metern. Strategisches Design pur mit teilweise bis zu 90 Meter breiten Fairways, nahezu jeder Quadratmeter ein nicht nur mental, sondern auch physisch anstrengendes Auf und Ab. Wilde Verwerfungen zuhauf, eingesät ausschließlich mit dem spröden Festuca-Gras, allerorten auch noch in gleicher Höhe gemäht. So hart, dass Golfbälle wie „Flummies“ springen und auf den Grüns das Wasser den Breaks hinterher läuft, statt eine Pfütze zu bilden oder zu versickern.

„Die Spieler sollen mal wieder runter kommen“

„Ich denke, es ist Angst“, sagt Architekt Robert Trent Jones Jr. zu den Reaktionen der Spieler. „Sie sollten mal wieder runter kommen, ihre Große-Jungs-Hosen anziehen und einfach spielen.“ Jack Nicklaus springt ihm bei: „Spieler, die sich derart beschweren, habe ich früher als potentielle Konkurrenten direkt abgehakt. Du kannst nicht erwarten, dass der Platz sich deinem Spiel anpasst. Du musst dein Spiel dem Platz anpassen.“

Naturgemäß kriegt zuvorderst der Mann sein Fett weg, auf dessen Konto das alles geht. Selbst von außen. „Meine Theorie ist, dass Mike Davis nie im Leben unter 85 gespielt hat und das auch bei den Pros nicht sehen will“, twitterte Graham DeLaet, der gar nicht für die US Open qualifiziert ist, über den zuständigen USGA-Direktor. Davis, verantwortlich für Auswahl, Feintuning und tägliches Set-up des Schauplatzes, indes ist völlig entspannt. „Wir sind mit Chambers Bay genau da, wo wir den Platz haben wollen: Hart, schnell und ,bouncy‘.“

Mickelson findet es „wunderbar“

Manchen gefällt das regelrecht. „Ich bin begeistert und kann die Herausforderung kaum erwarten“, sagt Jason Day. Phil Mickelson, der am Dienstag 45 wurde, findet Chambers Bay einfach nur „wunderbar“. Was soll man auch anderes von einem erwarten, der 2013 auf dem altbackenen Geläuf von Muirfield die British Open gewonnen hat.

Sowieso scheint das ganze Ballyhoo Tradition zu haben, Meckern gehört offenbar zum Handwerk, zumal vor Major-Turnieren. Bei der US Open 1974 erwartete man das „Massaker in Winged Foot“, die British Open in Carnoustie 1999 war „eigentlich komplett unspielbar“, auch über Muirfield wurde nach Kräften gelästert. Aber: „Wenn du ständig schlecht über einen Platz redest“, sagt Major-Champion Jordan Spieth, „dann kegelst du dich fast selbst raus, bevor es richtig anfängt. Denn Golf ist hauptsächlich ein mentales Spiel!“


Chambers Bay: Ein Sandkasten für die US Open 2015

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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2 LESER-KOMMENTARE

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  1. …ich finde den Platz optisch traumhaft schön und es macht großen Spaß das Turnier am Fernseher zu verfolgen. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Platz eine besondere Herausforderung ist aber als Profi muss man mit so etwas umgehen können…
    http://www.paeonia-golf.com

    Antworten

  2. Matthias Zabel

    Ein Profi muß es nehmen, wie es kommt. Beschwerden über einen schweren Platz finde ich unsportlich.

    Antworten

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