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Suzann Pettersen entschuldigt sich nach Solheim-Cup-Eklat

21. Sep 2015
Die Norwegerin Suzann Pettersen bereut ihr Verhalten beim Solheim Cup und hat sich öffentlich entschuldigt. (Foto: Getty)
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„Gimme-Gate“: Suzann Pettersen entschuldigt sich nach ihrem Streit um das 17. Loch beim Fourball-Match am Sonntag öffentlich bei Instagram.

Die Norwegerin Suzann Pettersen veröffentlichte nach der Kontroverse um einen vermeintlich geschenkten Putt im Fourball-Match gegen Alison Lee eine lange Entschuldigung im sozialen Netzwerk Instagram, in der sie sowohl bei der gegnerischen Mannchaft als auch bei den Fans um Verzeihung für ihr Verhalten bittet.

Nachträgliche Entschuldigung im Internet

Suzann Pettersens Entschuldigung liest sich wie folgt:


Ich habe mich nie enttäuschter und aufrichtig traurig gefühlt wegen dem, was am Sonntag an der 17 beim Solheim Cup stattgefunden hat. Es tut mir Leid, dass ich in der Hitze des Gefechts nicht über das große Ganze nachgedacht habe. Ich habe mein Bestes für mein Team gegeben und habe das einzelne Match und den Punkt, der geholt werden konnte, über Sportsgeist und das Golfspiel an sich gestellt! Ich fühle mich, als hätte ich mein Team im Stich gelassen und es tut mir leid. An das U.S.-Team, ihr habt mit Juli eine tolle Anführerin, zu der ich immer aufgeschaut habe und die ich so sehr respektiere.

Wissend, dass ich die Dinge „richtig“ stellen musste, habe ich mich mit ihr heute morgen von Angesicht zu Angesicht unterhalten, bevor ich Deutschland verlassen habe, um ihr persönlich zu sagen, wie ich all das sehe. Ich wollte außerdem, dass sie weiß, dass es mir leid tut. Ich hoffe, mit der Zeit wird die U.S.-Mannschaft mir vergeben und wissen, dass ich eine wertvolle Lektion darüber gelernt habe, was in diesem großartigen Spiel Golf, das mir in meinem Leben so viel gegeben hat, wirklich wichtig ist.

An die Golf-Fans, die den Wettbewerb im Fernsehen mitverfolgt haben, es tut mir Leid, wie ich mich benommen habe. Ich kann soviel besser sein und eine Botschafterin für dieses großartige Spiel zu sein bedeutet mir so viel. Der Solheim Cup ist ein großer Teil meiner Karriere gewesen. Ich wünschte aus vielerlei Gründen, ich könnte den Sonntag ändern. Leider kann ich das nicht. Ich will diese Woche vorstoßen hin zu einer weiteren Möglichkeit, den Solheim Cup für Europa auf die richtige Art zurückzugewinnen. Und ich will hart arbeiten, um Euren Glauben in mich zurückzugewinnen als jemanden, der hart spielt, der fair spielt und der das großartige Spiel Golf auf die richtige Weise spielt.

Pettersen erntet harsche Kritik für ihr Bestehen auf Strafschlag

In ihrem Match, das wegen einbrechender Dunkelheit erst am Sonntagmorgen beendet werden konnte, war Pettersen gemeinsam mit der jungen Engländerin Charley Hull gegen die beiden US-Amerikanerinnen Alison Lee und Brittany Lincicome angetreten. Auf die 17 gingen die beiden gegnerischen Paare mit Gleichstand. Dort jedoch puttete die 20-jährige Lee ihren Ball über das Loch hinaus und hob ihn, der keinen halben Meter vom Loch entfernt lag, auf – in dem Glauben, der Putt sei ihr vom gegnerischen Team geschenkt worden. Pettersen jedoch hielt dagegen, das Ergebnis waren ein Strafschlag, schließlich ein verlorenes Match für die USA und mit Hull und Lee zwei wegen des Disputs in Tränen aufgelöste junge Frauen.

Für ihr Verhalten hatte Petterson eine Menge Kritik geerntet. Während sich die europäische Kapitänin Carin Koch um Rückendeckung für ihre Spielerin bemühte und sich auf die Regularien berief – „wir hatten ein Regel-Meeting und haben klar konstatiert, dass ein Putt ganz deutlich geschenkt werden muss und sie hat sich nicht an die Regel gehalten“ – sprach Tour-Urgestein Laura Davies davon, dass sie „angewidert“ sei. Die US-amerikanische Kapitänin Juli Inkster fand das Verhalten der Norwegerin „respektlos“.

Ähnlicher Fall beim Solheim Cup 2000

Dass die US-Amerikanerinnen es jetzt als „respektlos“ bezeichnen, was sie beim Solheim Cup 2000 ähnlich „hässlich“ durchsetzten, davon spricht seit dem Vorfall an der 17 niemand im amerikanischen Team.

Annika Sörenstam (re.) beim Solheim Cup 2000. (Foto: Getty)

Annika Sörenstam (re.) beim Solheim Cup 2000. (Foto: Getty)

Die Schwedin Annika Sörenstam hatte damals im Loch Lomond Golf Club in Schottland gerade zum Birdie eingechippt, als die Amerikanerinnen darauf bestanden, dass Sörenstam nicht an der Reihe gewesen sei zu spielen. Das US-Duo hätte den Chip anerkennen können, bestand jedoch darauf, dass sie den Schlag wiederholt – im Endeffekt freilich ohne nochmal den gleichen Erfolg zu haben. Sörenstam brach in Tränen aus, die US-Amerikanerinnen gewannen das Match.

Pikanterweise spielten damals sowohl Carin Koch als auch Juli Inkster mit – die beiden Kapitänninen von diesem Solheim Cup. Zusammen mit Annika Sörenstam, die am Wochenende als Vize-Kapitänin fungierte, müssen da am Sonntag bei den dreien sehr intensive Gefühle hochgekommen sein. Den Solheim Cup 2000 gewann übrigens Europa – mit einem Siegesputt von Carin Koch.

„Ich würde den Putt beim nächsten Mal wieder sehen wollen“

Mit dieser Geschichte im Hinterkopf kommt Pettersens Entschuldigung überraschend, hatte sie doch nach dem Finaltag in der Pressekonferenz noch bekräftigt, dass sie beim nächsten Mal genauso darauf bestehen würde, den Putt sehen zu wollen – im Matchplay auch ein völlig übliches Mittel. Trotzdem war dem europäischen Team zu diesem Zeitpunkt deutlich anzusehen, dass die Angelegenheit vom gesamten Team angesichts einer derart großen medialen Aufmerksamkeit als sehr unangenehm empfunden wurde.

Dass Suzann Pettersen sich entschuldigt, ist richtig und wichtig. Es wird die Wogen glätten, zumindest zwischen den Spielerinnen. Schade nur, dass der Solheim Cup 2015 in Deutschland für lange Zeit mit dieser Geschichte verknüpft bleiben wird.

Jacqueline Sauer

Jacqueline Sauer - Freie Autorin für Golf Post

Jacqueline mischt bei den redaktionsinterenen Tippspielen ganz vorne mit. Kein Wunder: Die großen und kleinen Namen des Golfs hat sie ständig im Auge, damit der nächste Tipp stets ein sicherer Treffer wird.

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3 LESER-KOMMENTARE

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  1. Jörg-Peter Alfes

    Wie häufig gehört die innige Zuneigung der Mehrheit demjenigen, der gegen eine Regel verstoßen hat und dadurch einen Nachteil erleidet („War doch nicht so schlimm“; „Spieler hatte doch keinen Vorteil“; „Spieler hat doch nicht gegen den spirit of the game verstoßen“). Und wenn dann noch Tränen fließen! Tatsache ist, daß es weder 2000 (Regel 10.1c) noch am Sonntag (s. Kommentar von Mona Vogelsang) wirklich ein Problem gab! Jeder Spieler ist für sein Spiel und die Einhaltung der Regeln selbst verantwortlich, nicht seine Mitspieler!

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  2. Mona Vogelsang

    Bei meiner Analyse des Geschehens komme ich zu einem völlig anderen Schluss. Als Spieler/in bin ich selbst verantwortlich für den Ablauf meines Spiels und für mein Einhalten der Regeln und der Etikette. – Egal, wie leid mir die junge Spielerin ob ihres Versehens tut – die „Schuld“ für den Punktverlust schiebt sie zu Unrecht dem gegnerischen Team zu. Gerade in entscheidenden Momenten vergewisserten sich auch in anderen Partien die Damen durch Blickkontakt, ob ein Aufnehmen des Balles erlaubt ist. – Nun hat Frau Petterssen sich (wofür auch immer) entschuldigt – ich kann mir nicht vorstellen, dass es solch ein Theater in der Herrenliga gibt. – Regeln sind Regeln, hier wurde nicht um Murmeln gespielt. tut mir leid, Ladies …

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  3. Jo, die Amis haben ihr (und Team Europe) am Sonntag durch ihr Jetzt-erst-recht die ‚richtige‘ Antwort gegeben. Hat Frau Petterssen wohl mittlerweile selbst gemerkt.

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