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Gold für Rio! – Golf spielt sich ins Rampenlicht

23. Aug 2016
Olympia 2016 in Rio de Janeiro endet mit großem Feuerwerk, nachdem zuvor 306 Mal um Medaillen gekämpft wurde. (Foto: Getty)
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Proteste, falsches Spielformat, Absagenflut – Die Vorzeichen für Golf bei Olympia waren alles andere als gut. Das Ergebnis jedoch umso besser. Ein Kommentar.

Das war es jetzt also…!? Lange, zu lange – insgesamt 112 Jahre – mussten Golffans in aller Welt darauf warten, dass ihr geliebter Sport endlich einmal wieder bei Olympia dabeisein durfte. Und dann das! Das Comeback „ausgerechnet“ in Brasilien – einem Land, das gefühlt ebensoviel mit Golf zu tun hat, wie Grönland mit Samba und Beachvolleyball.


Golf bei Olympia – Zika lässt grüßen

Was wurde im Vorhinein nicht alles diskutiert, über Sinn und Unsinn des ganzen Projektes, die horrenden Ausgaben, die besser der brasilianischen Bevölkerung hätten zu Gute kommen sollen, über Umweltproteste, Gerichtsverfahren, einen nicht fertig werden wollenden Golfplatz und dann schließlich die Farce um den Zika Virus und die damit verbundene Flut an Absagen – allen voran der männlichen Topstars. Warum sollte eigentlich überhaupt noch abgeschlagen werden, bei Olympia 2016 in Rio de Janeiro?

Ganz einfach! Weil alle Kritiker Lügen gestraft werden sollten! Es war gut, dass gespielt wurde und noch besser wie. Golf hat Werbung gemacht, Werbung für sich und die breitere Wahrnehmung als interessanter und spannender Sport in der Öffentlichkeit. Dazu hat auch das Auftreten der Akteure beigetragen, die sich nicht von Mücken und übertriebener Gefahr einer Zika-Ansteckung, finanziell vermeintlich lukrativerer Abstinenz vom größten Sportereignis der Welt oder sonstigen realen wie fiktiven Gründen haben abhalte lassen, die Reise nach Südamerika auf sich zu nehmen.

Leuchtende Augen trotz leerer Hände

Große, leuchtende Augen – wann immer Martin Kaymer irgendwo auftrat, die Begeisterung des Erlebten und Vorfreude auf alles, was noch kommen würde, war ihm deutlich anzusehen. Olympiasieger Justin Rose wurde bei seiner Rückkehr am Flughafen in London frenetisch gefeiert. In Südkorea bauen sie nach sieben Majortiteln und der nun erfolgten Krönung mit Olympischer Goldmedaille Inbee Park vermutlich ein Denkmal.

Und auch in Deutschland war das Interesse an den Olympischen Golfturnieren überraschend groß. Es ist eben kein Major, welches jedes Jahr abgehalten wird. Es ist der Höhepunkt für alle Sportler, der nur alle vier Jahre wiederkehrt. Das haben spätestens mit Erlöschen der Flamme in Rio hoffentlich auch alle McIlroys, Days, Johnsons und sonstigen Olympia-Verweigerer aus der Ferne zu spüren bekommen und ergreifen in Tokio 2020 die vielleicht vorläufig letzte Chance, zum Teilnehmer Olympischer Spiele zu werden – auch wenn am Ende keine Millionen-Preisgelder, sondern in 57 von 60 Fällen gar gänzlich leere Hände warten.

Neues Format: Matchplay oder Teamevent?

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass das Format funktioniert hat. Trotz vermeintlich vorprogrammierter Langeweile im Zählspiel an den ersten drei Tagen, bauten ARD und ZDF ihre Berichterstattung sogar kurzfristig aus und versorgten die Zuschauer nahezu durchgängig mit Bildern. Trotzdem werden sich die Verantwortlichen in naher Zukunft beraten müssen, ob Tokio genauso werden soll. Die Spieler und Spielerinnen haben in breiter Masse den Wunsch nach einem Teamwettbewerb geäußert, darüberhinaus gilt Matchplay als das deutlich spannendere Format.

Zu welcher Entscheidung die International Golf Federation (IGF) als Weltfachverband und das Internationale Olympische Komitee (IOC) auch kommen, eins steht fest: Golf bekommt die zweite Chance in vier Jahren, dann wird sich das Spiel mit der kleinen weißen Kugel beweisen müssen, dass es in den Kreis Olympischer Sportarten gehört. Andernfalls sitzt potenzielle Ablösung bereits in den Startlöchern, die nur darauf wartet den Golf-Platz einnehmen zu dürfen.

Flora und Fauna als Gewinner

Bleiben abschließend noch ein paar offene Fragen. Zum einen die nach der Nachhaltigkeit von Golf bei Olympia in Rio. Auch hier gehen die Daumen – zumindest für den Moment – hoch. Ein Golfplatz der zum Teil in ein Naturschutzgebiet gebaut wurde, hat gezeigt, dass er die Flora und Fauna bereichern kann. Spieler, Besucher wie aber auch die Fernsehzuschauer konnten sich von der Vielzahl an Tieren überzeugen, die sich nicht gestört fühlten. Nein, sie haben den Golfplatz zu ihrem natürlichen Lebensraum gemacht, auf dem die Spieler geduldet werden.

Das ausgewiesene Ziel, das Gelände nach Olympia als Öffentlichen Golfplatz der Bevölkerung von Rio de Janeiro zu Verfügung zu stellen, steht freilich noch aus. Hier bleibt zu hoffen, das das angestrebte Konzept trotz klammer Kassen realisiert wird. Denn nur dann bleibt die Symbiose zwischen Mensch, Sport und Natur erhalten und verkommt nicht zu einem von vielen Millionengräbern der Olympiageschichte.

Von Medaillen und Golfbegeisterung

Die zweite interessante Frage wird sein, ob Golf es mit seinem Auftritt geschafft hat, möglicherweise sogar einen anderen Wettkampf aus dem Programm zu verdrängen. Das könnte nötig sein, würde die Idee eines Mannschaftswettbewerbs in Japan umgesetzt werden.

Das IOC hat 2016 in 306 Wettbewerben Medaillen vergeben. Käme beim Golf neben Damen- und Herrenkonkurrenz also eine weitere hinzu, hätte unter Umständen eine andere Sportart das Nachsehen.

Da dies jedoch Fantasien der Zukunft sind, erfreuen wir uns an dem, was gerade erst hinter uns liegt. Berauschende Olympische Spiele, sechs MedaillengewinnerInnen im Golf aus sechs verschiedenen Ländern, große Euphorie und viel Golfbegeisterung. Das war es also…!

Danke Golf! Danke Olympia! Danke Rio!

Lars Kretzschmar

Lars Kretzschmar - Leitender Redakteur bei Golf Post

Lars ist Diplom-Sportwissenschaftler und sein großes Faible ist der Turniersport. Er schlägt sich für seine Leser gerne mal die Nächte um die Ohren, um die neusten Infos der PGA-, European- und LPGA-Tour liefern zu können. Sie finden Lars Kretzschmar auch unter Google+.

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