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Ben Hogan, Merion und das größte Comeback des Sports

02. Jun 2014
Dem Texaner Ben Hogan wurde eine Statue im Colonial Country Club in Worth, Texas gewidmet. (Foto: Getty)
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16 Monate nach einem fast tödlichen Verkehrsunfall und schwersten Verletzungen gewann Hogan in Merion die US Open im Stechen.

In sportlicher Hinsicht war es das Ende. Eigentlich. Doppelter Beckenbruch, gebrochener Knöchel, gebrochenes Schlüsselbein, eine zersplitterte Rippe, später noch eine lebensbedrohliche Thrombose: Dass dieser Mann den fürchterlichen Autounfall überlebt hatte, grenzte an ein Wunder. Laufen würde er nie wieder können. Sagten die Ärzte. Geschweige denn Golf spielen. 16 Monate später gewann Ben Hogan die US Open im Merion Golf Club. Was der damals 37-jährige Texaner im Juni 1950 vollbracht hat, gilt als das größte Comeback des Sports.

Grandioser Ball-Striker

Ben Hogan (1912 bis 1997) ist einer der ganz Großen des Spiels. Neunfacher Major-Sieger, Golf-Dominator in den 40er- und 50er-Jahren. Außer ihm haben nur Gene Sarazen, Gary Player, Jack Nicklaus und Tiger Woods den modernen Karriere-Grand-Slam, alle vier aktuellen Majors, gewonnen. Hogan habe seinen „Schwung wirklich besessen“ und vollständige Kontrolle über den Ballflug gehabt, sagt Woods über den grandiosen Ball-Striker.


Ben Hogan war ein manischer Trainierer und ein verschlossener, unnahbarer Perfektionist. Ebenso legendär wie seine Erkenntnisse zu Stand, Schwung, Griff etc. sind seine stundenlangen Übungs-Einheiten. Hogan suchte sich eine abgelegene Ecke und schlug seine Bälle mit der pedantischen Monotonie eines Uhrwerks. Hohe Draws, leichte Fades, mit und ohne Backspin. Immer die gleiche Linie, stets die gleiche Länge. Als Drill empfand er das nie: „Ich habe es genossen. So sehr, dass ich kaum den nächsten Tag erwarten konnte, um wieder Bälle zu schlagen.“

Hogans Kurs-Management war so einzigartig wie seine Akkuratesse. Er trainierte genau die Schläge, die er beim anstehenden Turnier brauchen würde. 1950 trat Hogan in Merion ohne Eisen sieben an, „weil es in Merion keine Schläge für ein Eisen sieben gibt“.

Frontalcrash mit Bus

Im Jahr zuvor sah es noch so aus, als ob es für Ben Hogan kein Merion geben würde. Am 2. Februar 1949 fuhr das Ehepaar Hogan von Phoenix heim nach Fort Worth, als ihnen östlich von El Paso auf einer Brücke im Morgennebel ein Greyhound-Bus auf ihrer Spur entgegenkam. Es gab keine Ausweichmöglichkeit, der Cadillac krachte frontal in den Bus. Hogan warf sich schützend über seine Frau Valerie auf dem Beifahrersitz. Das rettete ihm das Leben, denn die Lenksäule durchbohrte den Fahrersitz. Aber die Karriere des Golfers, der seit 1940 insgesamt 52 Turniere, davon drei Majors, gewonnen hatte, schien zu Ende.

Ben Hogan: Seinem beeindruckenden Eisen-1-Schlag bei der US Open 1950 wird am 18. Fairway des East Course mit einer Plakette gedacht. (Foto: Getty)

Nach 59 Tagen wurde Hogan aus dem Krankenhaus entlassen und betrieb seine Rehabilitation mit der bekannt eisernen Disziplin. Im November spielte er wieder Golf, im Januar 1950 gab er bei den Los Angeles Open sein Comeback auf der Tour und verlor im Stechen gegen Sam Snead. Dann kam die US Open in Merion.

Das berühmte Eisen eins

Hogan quälte sich durchs Turnier. Sein Körper schwächelte. Sein Schwung nicht. Weltberühmt ist das Foto aus der Finalrunde, Hogans Schlag mit dem Eisen eins aufs 18. Grün. Das Stechen konnte er trotzdem nicht vermeiden, musste sich noch mal zu einem Parforce-Tour aufraffen. George Fazio notierte eine 75, Lloyd Mangrum nach zwei Strafschlägen eine 73, Ben Hogan spielte 69 und gewann seine zweite US Open.

Er ließ fünf weitere Majors folgen, darunter den bislang unerreichten „Hogan Slam“, den Gewinn des Masters, der US Open und der Open Championship in einem Kalenderjahr (1953). Aber Merion 1950 war wohl sein größter Triumph.

Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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