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TOUR Championship: Millionenspiel im einstigen Ghetto

22. Sep 2013
Früher Drogengetto - heute rollen hier die Dollars. (Foto: Getty)
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Der East Lake Golf Club verfiel mit dem Atlanta-Vorort zum sozialen Brennpunkt. Heute geht’s dort um Millionen-Preisgelder.

Ein Haufen Geld wird am kommenden Sonntag verteilt, wenn mit der Tour Championship im East Lake Golf Club von Atlanta die FedEx-Cup-Saison endet: Insgesamt 35 Millionen Dollar schüttet die PGA Tour mit Hilfe ihrer Sponsoren unter den besten 150 Professionals der Cup-Rangliste aus. Was für eine Ironie, dass dieses Millionenspiel ausgerechnet in einem Stadtviertel seinen Höhepunkt findet, wo vor gut 20 Jahren noch Armut, Drogen und Gewalt die Szenerie beherrschten.

Der East Lake Golf Club hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Er war der Heimatclub von Bobby Jones, der in East Lakes Farben den Grand Slam gewann. Später entstand auf Teilen des Clubgeländes ein sozialer Brennpunkt.


Bobby Jones begann hier mit Golf

Alles begann 1899, als ein gewisser Asa Griggs Candler jede Menge Land rund um den East Lake aufkaufte. Der Mann begann als Drogerie-Verkäufer, bevor er dem Apotheker John Pemberton das Rezept eines koffeinhaltigen Brausegetränks abkaufte, das ihn als Coca-Cola zum zigfachen Millionär machte. Jedenfalls veräußerten Candlers Makler 1902 rund 113 Hektar an den 1898 gegründeten Atlanta Athletic Club (AAC), der sich einen Country Club inklusive eines Golfkurses bauen wollte. Als Architekt wurde Tom Bendelow angeheuert, unter anderem bekannt als der Designer des letzten Ryder-Cup-Schauplatzes in Medinah. Bei Eröffnung des Clubs 1908 war unter den Mitgliedern auch Rechtsanwalt Robert Purmedus Jones mit seinem sechsjährigen Sohn Bobby Jr., der fortan hier das Golfspiel erlernte und von 1946 bis ’47 selbst Präsident war.

Richtig ernst wurde es am East Lake mit dem Golf aber erst, als der Design-Grande Donald Ross Bendelows Layout 1913 gründlich überarbeitete und 1930 einen zweiten Platz fertig stellte. 1963 richtete der AAC sogar den Ryder Cup aus. Doch weil die gutbürgerliche Nachbarschaft zunehmend in den prosperierenden Nordwesten Atlantas abwanderte, flüchtete 1966 auch der AAC, nicht ohne zuvor das Gelände des zweiten Golfkurses an eine Immobiliengesellschaft verkauft zu haben.

Mitglieder übernahmen East Lake Golf Club

Den Hauptplatz samt Klubhaus hingegen übernahm eine Gruppe von 25 Mitgliedern. Sie reüssierten 1968 als East Lake Golf Club. Doch der Niedergang war nicht aufzuhalten. Auf den 20 Hektar des zweiten Platzes wurden 650 Wohneinheiten für einkommensschwache Familien errichtet, die Kriminalität grassierte, der Vorort verkam vollends zum Ghetto, und der Golfclub verfiel in den Dornröschenschlaf, vom Milieu überwuchert. „Aus dem einst stolzen East Lake war ein müder, meist vergessener Golfplatz geworden“, heißt es in den Club-Annalen.

East Lake blieb vernachlässigt, bis 1993 der Immobilien-Entwickler und glühende Bobby-Jones-Verehrer Tom Cousins auftauchte, um seine Vision einer Hommage an den großen Golfer in die Tat umzusetzen und dabei gleich den ganzen Stadtteil zu reanimieren. Cousins hatte in den 40er-Jahren selbst in East Lake gespielt, jetzt möbelte dank seiner Initiative die East Lake Foundation den Golfclub wieder auf.

Alle Gewinne an die Stiftung

Das Clubhaus wurde nach den Originalplänen instand gesetzt und ist auch ein Jones-Museum. Der Architekt Rees Jones brachte ’94 den Bendelow-Ross-Platz auf Vordermann und baute unentgeltlich noch einen öffentlichen Kurs. Ein Caddie-Programm und eine Junior-Golf-Akademie wurden etabliert, um die Nachbarschaft einzubeziehen und soziale Verantwortung zu übernehmen. Zuguterletzt ließ die East Lake Foundation den sozialen Wohnungsbau schleifen und baute Stadthäuser für gemischte Einkommensschichten, eine Grundschule und andere Einrichtungen.

Die Renaissance des Golfclubs war für all das der Katalysator und ist bis heute ein Gewinn für das neu erblühte East Lake: Denn der Club führt seine Erlöse an die Stiftung ab. Über 20 Millionen Dollar bislang, die sämtlichst wieder in die Entwicklung des Stadtteils investiert wurden.

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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