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Die PGA Championship: Das Leichtgewicht unter den Majors

27. Jul 2016
Während Andy Sullivan sich für den Ernstfall in Baltusrol fit macht, schürft die PGA Championship nach dem eigenen Mythos. (Foto: Getty)
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Gegenüber den drei anderen Turnieren fehlt es an Faszinosum und Nimbus. Internationale Austragung und anderer Termin als Lösung?

Hand aufs Herz: Wo steht die PGA Championship auf Ihrer Liste beliebter, faszinierender, spektakulärer, schlicht großer Golf-Turniere? Bestimmt nicht vor dem Masters, der US Open und der Open Championship. Oder? Womöglich noch hinter der PLAYERS Championship und dem einen oder anderen WGC-Event?

Eins steht fest: Das von der PGA of America veranstaltete Branchentreffen gilt als Leichtgewicht unter den Majors. Und nicht wenige wollen die „Players“ ebenfalls in diesem Reigen sehen. Womit die PGA Championship nahezu zwangsläufig zum fünften Rad am Wagen geriete.


Image allein durch Major-Status?

Dabei bringt das Turnier alles mit, was es für ein Highlight braucht. Vor genau hundert Jahren erstmals ausgetragen, ist es 18 Jahre älter als das Masters, die Sieger treffen sich ebenfalls alljährlich zum Champions Dinner. Seine Austragungsorte sind mitnichten weniger renommiert und traditionsreich als die US-Open-Kurse, im Vergleich zum Pott der „Offenen Amerikanischen“ hat die Wanamaker-Trophy immerhin einen Namen.

Das 156-köpfige Teilnehmerfeld ist keinen Deut schlechter als bei der British Open und in den Siegerlisten sind bis auf Arnold Palmer und Tom Watson alle Golfgrößen vertreten: Zuvorderst Jack Nicklaus und Walter Hagen mit jeweils fünf sowie Tiger Woods mit vier Erfolgen.

Gleichwohl reicht das irgendwie nicht, um die PGA Championship zum Faszinosum zu machen. Es scheint, als lebe sie vom Major-Status allein.

Aktionismus und Dilettantismus

Beim Masters ist der Platz der Star, das Prestige von Augusta National tut sein Übriges. Die US Open gefällt sich in gelegentlich monströsen Kurs-Set-ups, siehe enge Fairways, hohes Rough, tanzbodenglatte Grüns, und wagt Experimente wie die Boutique-Open in Merion, den Sandkasten Pinehurst oder das „Kieswerk“ Chambers Bay. Die British Open schließlich lebt als Synonym für den Ursprung allen Golfsports vom Nimbus der Rota über die uralten Linksplätze und von der steten Frage nach Trockenheit, Wind und Spielbarkeit des Geläufs. Und bei der PGA Championship?

Da bemühen sie sich alle Jahre wieder ums Image. Oft mit einem Hauch von Aktionismus, manchmal auch Dilettantismus. Lange kam das abschließende Major der Saison als „Glorys Last Shot“ daher, was eher nach einem pompösen Nekrolog klingt. 2013 hat die PGA of America den Slogan in „The Season‘s Final Major“ geändert. „Ach was!“, ist man in Loriot‘scher Manier geneigt zu sagen. Mittlerweile heißt es in fast rührender Einfallslosigkeit „This is Major“ bzw. „It‘s Major“, toll …

„Long Drive Contest“ ist komisch

Oder die „Long Drive Competition“. Während beim Par-drei-Turnier im Vorfeld des Masters jeder mit Kind und Kegel dabei sein will, machte die reanimierte Weitenjagd bei der PGA Championship hauptsächlich Schlagzeilen, weil ausgerechnet Bubba Watson mal die Teilnahme verweigerte und medienwirksam maulte, er sei auf dem Platz, „um eine Meisterschaft zu gewinnen und nicht den Kasper zu geben“. Gestern sicherte sich Byeong Hun An am ersten Loch des „Lower“-Kurses von Baltusrol mit einem Abschlag von 317 Metern die goldene Geldklammer für den Sieger, knapp vor Rory McIlroys 315 Metern. Doch wirklich vom Hocker gerissen hat das Event wieder niemanden.

Lange hat die PGA of America über eine, sagen wir, weltweite Tournee für ihr Highlight nachgedacht. Sollte heißen, die PGA Championship hätte nach 2019 und dem Auslaufen des TV-Vertrags mit CBS durchaus mal außerhalb der USA über die Bühne gehen können, bekäme damit als internationales Major ein neues Alleinstellungsmerkmal. Offiziell wurden die Gedankenspiele wieder verworfen.

Ein globales Major im frühen Frühjahr

Aber vielleicht wäre genau das der Kick-off zu neuer Bedeutung: Die PGA Championship als globales Major. So, wie die Organisation dahinter gleichermaßen weltweit aufgestellt ist. Es muss ja nicht jedes Jahr sein. Eventuell mit einer Terminverlegung ins frühe Frühjahr überdies, wenn die Saison bis zum Masters ohnehin dahin plätschert, während es im Hochsommer eh klimatisch heiß hergeht und die Szene schon aufs FedEx-Cup-Finale schielt. In Olympia-Jahren entzerrte das zudem den Terminkalender, und ein knackiges, dann treffliches Motto gäb‘s obendrauf: „Glorys First Shot!“


Der Baltusrol Golf Club: Schauplatz der PGA Championship 2016

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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