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Das sportliche und mentale Meisterstück des Dustin Johnson

20. Jun 2016
Groß war die Erleichterung und die Freude bei Dustin Johnson und seiner Familie nach dem Sieg bei der US Open. (Foto: Getty)
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Immenses Potenzial bei der US Open endlich umgesetzt, überfälliger Majorsieg als „Erlösung“, selbst Verlierer finden‘s „verdient“.

Ein Bild von hoher Symbolkraft: Am 18. Grün wartet die Verlobte Paulina Gretzky mit dem 17 Monate alten Söhnchen Tatum auf dem Arm, neben ihr steht Majorrekordler Jack Nicklaus. „Warten“ und „Majors“, das sind die Stichworte für Dustin Johnsons bisherige Golfkarriere. Bis gestern Abend galt der 31-Jährige als Unvollendeter. Als einer, der schon längst fällig war, sein immenses Potenzial freilich nicht zur rechten Zeit auf den Punkt zu bringen vermochte, es sogar verschleudert mit seinem Faible für Partys, leichtes Leben und Alkohol.

Zu Beginn des vergangenen Jahres hatte der frisch gebackene Vater diesem Lebensstil öffentlich abgeschworen, nach längerer Golfabstinenz, die indes wohl einem anderen Entzug galt. Und seit dem 19. Juni 2016, pikanterweise der US-Vatertag, gehört Dustin Hunter Johnson, geboren in Columbia/North Carolina, wohnhaft in Jupiter/Florida, als Gewinner der 116. US Open zum Pantheon der Majorsieger. Etliche amerikanische Medien bemühten darob die Vokabel „redemption“, Erlösung!


„Einfach um den Job gekümmert“

Dabei ist nachgerade absurd, dass „DJ“, der so oft und oft so unverständlich an seinen Nerven gescheitert war, diese ausgerechnet bewahrte, als jedermann für einen Einbruch Verständnis gehabt hätte. Gemeint ist die „Strafschlag“-Farce, die wie ein Damoklesschwert über Johnsons Ergebnis hing, mitten im Showdown. Während die USGA-Offiziellen sich bis auf die Knochen blamierten, „zuckte“ das Opfer ihrer Unprofessionalität nur ein Mal, beim Bogey auf Loch 14.

Davon abgesehen spulte Johnson mit dem jüngeren Bruder Austin („Mein bester Freund“) an der Tasche sein brillantes Spiel ab wie das vielzitierte Schweizer Uhrwerk, derweil um ihn herum die Kontrahenten erodierten. „Ich habe mich um meinen Job gekümmert und mir vorgenommen, mich mit der Strafe zu befassen, wenn die Arbeit erledigt ist“, wird er später sagen.

Wut-Drive von 300 Metern

Vielleicht ließ der 1,93 Meter große und 86 Kilo schwere Modellathlet mit den idealen Armhebeln seine Befindlichkeit einmal von der Kette, als er auf Loch zwölf über den möglichen Strafschlag informiert wurde und anschließend seine Wut mit einem 300-Meter-Drive raus bombte. Wer weiß, lang ist der Schlaks immer, 289,6 Meter im Schnitt bei dieser US Open.

Am Ende war‘s ohnehin egal, trotz nachträglichen Strafschlags. Der designierte Champion lochte auf dem 72. Loch standesgemäß zum Birdie, und niemand dachte in diesem Moment mehr an das Drei-Putt-Drama von Chambers Bay 2015, dem dramatischsten in der Reihe Johnson‘scher Major Aussetzer. 28 Grand-Slam-Turniere absolvierte „DJ“ vor Oakmont, elf Mal war er unter den besten Zehn, fünf Mal allein in den letzten acht Majors.

Die großen Majoraussetzer

Vier Mal war der Triumph greifbar nahe: 2010 führte er die US Open in Pebble Beach an und kollabierte mit einer 82er Finalrunde. Kurz darauf verwechselte er im Playoff von Whistling Straits einen Bunker mit dem Rough, setzte sein Eisen auf und verpasste wegen der zwei Strafschläge das Stechen mit dem späteren Sieger Martin Kaymer und Bubba Watson um die PGA Championship.

2011 bei der Open Championship in Royal St. George‘s war er am Sonntag an der Spitze dabei, feuerte allerdings mit einem seiner gewaltigen Abschläge den Ball samt der Ambitionen auf den Claret Jug ins Aus. Und dann halt Chambers Bay. Während alle Kritiker sich bestätigt sahen, resümierte Johnson stets lapidar, er sei halt noch nicht an der Reihe gewesen.

„Zu viel Wodka, keine Drogen!“

Ansonsten gewann er durchaus, neun Turniere auf der PGA Tour, jede Saison eins seit 2008, zuletzt die WGC – Cadillac Championship 2015. Da war Johnson gerade zurück gekehrt, aus seiner von Kokain-Spekulationen umwehten Pause, die keine von der Tour empfohlene Auszeit war, wie der Profi mehrfach betonte. Zu viele Partys, zu viel Wodka, ja, doch keine Drogen. Stattdessen Probleme mit dem Stress: „Ich habe nicht sehr oft getrunken, jedoch immer ein bisschen zu viel“, räumte Johnson ein.

Während seiner Auszeit arbeitete er mit Medizinern und Psychologen, legte die schlechten Gewohnheiten ab, erfuhr zudem enorme Unterstützung in der Familie, von seiner Verlobten und vom Schwiegervater in spe, Wayne „The Great One“ Gretzky. Es wird manche Standpauke der Eishockey-Ikone gegeben haben, dazu eine Menge guter Gespräche auf gemeinsamen Golfrunden. Die Geburt von Filius Tatum tat sein Übriges „Ich bin wirklich erwachsen geworden“, erklärte Johnson damals. „Ich beginne der Mensch zu werden, zu dem meine Kinder aufschauen können.“

Fürderhin auch als Majorsieger. Jeder gönnt es „DJ“, selbst die geschlagene Konkurrenz. „Er hat es verdient“, sagte Sergio Garcia stellvertretend: „Ich freue mich für ihn!“

Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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