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Xander Schauffele – Die neue „deutsche“ Nummer 1

Xander Schauffele ist neues Mitglied der PGA of Germany und hat kürzlich Martin Kaymer an der Spitze der Order of Merit abgelöst. Golf Post stellt die "Neuentdeckung" vor.

28. Jul 2017
Xander Schauffele ist seit Anfang Juli PGA-Tour-Sieger, ebenso aber auch der aktuell erfolgreichste Spieler der PGA of Germany. (Foto: Getty)


Viel wird über den deutschen Nachwuchs im Golf gesprochen und geschrieben. Wieviel Potenzial in manch jungem Talent doch steckt, wer irgendwann mal auf den großen Touren spielen und vielleicht in Martin Kaymers oder gar Bernhard Langers Fußstapfen treten könne. Dass Deutschland seit 9. Juli 2017 einen neuen PGA-Tour-Sieger hat, ist bislang kaum bekannt und dürfte bei den meisten Golffans für Verwunderung sorgen.

Xander Schauffele gewann an jenem Tag im Alter von nur 23 Jahren mit der Greenbrier Classic sein erstes Turnier auf der großen Golfbühne. Xander wer...? Schauffele! Im internationalen Golfzirkus als Amerikaner geführt, ist der im sonningen San Diego lebende Jungprofi ein wahrer "Weltmensch", dank deutschen Passes seit Anfang des Jahres neues Mitglied der PGA of Germany und mittlerweile sogar Nummer eins und an Martin Kaymer vorbeigezogen.

Kalifornier mit asiatisch-europäischen Wurzeln

Nicht nur Schauffeles Mutter macht ihn mit ihren taiwanesisch-japanischen Wurzeln dabei international. "Mein Vater ist halb Franzose, halb Deutscher", erzählt er Golf Post am Rande der British Open in Royal Birkdale. "Dank ihm habe ich überhaupt meinen deutschen Pass."

Als Xander ein kleiner Junge war habe dieser ihm erzählt, dass der einzige Weg nach Europa über das Golfen führe. "Und hier bin ich", fährt es selbstbewusst lachend aus dem 23-Jährigen heraus. Es sei zwar erstmal nur England, "also muss ich nochmal einen anderen Trip nach Deutschland machen, um auch dort Golf zu spielen." Kleinlaut gibt der Kalifornier nämlich zu, dass er tatsächlich noch nie in Deutschland gewesen sei, nur um zur eigenen Verteidigung schnell anzufügen: "Ich muss aber unbedingt mal hin."

Xander Schauffele bleibt realistisch

Die Idee mit der PGA of Germany sei dabei von seinem Vater in die Wege geleitet worden und im Endeffekt eine beidseitige Entscheidung gewesen - die Xander Schauffele allerdings realistisch einzuordnen weiß. "Wenn ich nie gewonnen oder angefangen hätte gut zu spielen, hätten wir dieses Interview jetzt auch nicht", stellt er im weiteren Verlauf des Gesprächs klar. "Dann hätte ich mich der PGA of Germany still und leise angeschlossen und niemand hätte etwas davon mitbekommen."

Golf Post Redakteur Lars Kretzschmar (r.) trifft Xander Schauffele am Rand der British Open in Royal Birkdale.

Golf Post Redakteur Lars Kretzschmar (r.) trifft Xander Schauffele am Rand der British Open in Royal Birkdale. (Foto: Golf Post)

Es sei zudem ein gutes Gefühl gewesen, "die Tür war offen und ich habe mich dazu entschieden, sie nicht zu schließen, sondern durchzugehen." Nun wolle er sehen, wo es ihn hinführt. Die PGA of Germany hängt den "Neuzugang" in ihren Reihen derweil nicht an die große Glocke. "Xander Schauffele ist ein normales Mitglied mit dem Status eines Playing Professionals", erklärt Matthias Lettenbichler, Leiter Kommunikation der PGA of Germany, auf Golf Post Nachfrage. "Er hat seine Staatsbürgerschaft nachgewiesen und seine Spielfähigkeit offensichtlich auch." Bis Xander auf sie zugekommen sei, habe man ihn gar nicht so auf dem Schirm gehabt.

Erfolgreich als Amateur, steile Karriere als Profi

Schon als Amateur war Schauffele ausgesprochen erfolgreich. Nach drei Jahren an der San Diego State University (SDSU) hinterließ der junge Golfer gleich zahlreiche Hochschulrekorde. So gelang ihm unter anderem mit -17 der niedrigste Turnier-Score eines SDSU-Golfers aller Zeiten. Als er 2015 dann das Lager wechselte, rangierte Xander zudem in den Top 10 der Amateur-Weltrangliste.

Als Profi ging alles ganz schnell. Nur ein Jahr später qualifizierte sich der "Deutsche" über die Web.com Tour Finals für die PGA Tour. Dort angekommen sorgte er erstmals bei der US Open in Erin Hillf für Furore, als sogar der Sieg zwischenzeitlich möglich schien. Nach seinem geteilten fünften Platz bei der ersten Majorteilnahme folgte dann umgehend der erste große Sieg.

Neben seiner Premiere bei der Open Championship und seinem anstehenden ersten WGC-Event wird sich Xander Schauffele sicher schon jetzt auf die Einladung des Augusta National Golf Clubs zum Masters 2018 freuen, wenn die PGA of Germany damit erstmals seit langer Zeit gleich drei Starter im Feld haben wird.

Jahre der Übung für ein bisschen Deutsch

Bevor sich Xander Schauffele schließlich aus dem Gespräch verabschiedet, gibt der sympatische Profi Golf Post noch ein paar überraschende Details zu sich preis. "Es hat mich Jahre der Übung gekostet, meinen Namen richtig deutsch auszusprechen", gesteht er peinlich berührt. "Aber mittlerweile kann ich es." Da bleibt dann ja eigentlich nurnoch die Frage, ob er denn grundsätzlich ein bisschen Deutsch spreche - so mit deutschem Vater und als neues Mitglied der PGA of Germany? Schauffele lacht herzhaft. "Nur ein paar Worte, die aber keiner hören will."

Naja, was nicht ist kann ja noch werden und vielleicht klappt das mit dem Deutsch sprechen ja ähnlich gut und schnell, wie mit dem Siegen im Profigolf.

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Lars Kretzschmar

Lars Kretzschmar - Leitender Redakteur bei Golf Post

Lars ist Diplom-Sportwissenschaftler und sein großes Faible ist der Turniersport. Er schlägt sich für seine Leser gerne mal die Nächte um die Ohren, um die neusten Infos der PGA-, European- und LPGA-Tour liefern zu können. Sie finden Lars Kretzschmar auch unter Google+.

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