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Warum Sie beim Golf am liebsten einen Vogel haben

Warum heißt es "Birdie"? Woher kommt das Wort "Par"? Wir klären die gängigen Golfbegriffe und ihre Herkunft auf.

27. Jul 2014
Golf-Etymologie: Warum Sie auf dem Golfplatz am liebsten einen Vogel haben. (Foto: Getty)


Der Sommer zeigt sich derzeit an so manchem Tag von seiner sonnigsten Seite und die Ferien sind in den meisten Bundesländern bereits in vollem Gange. Zeit also, die eine oder andere Runde auf dem Golfplatz zu drehen. Doch bevor es wieder soweit ist, erzählt Ihnen Golf Post, was Golf mit der Börse zu tun hat und warum Sie auf der Runde am liebsten einen Vogel haben.

Am Abschlag

Golfball aufteen

Die Saison ist eröffnet: Golfball aufgeteen und los gehts. (Foto: getty)

Richtig aufgewärmt oder doch vom Parkplatz direkt an den Abschlag? Dann kann sich der erste Schuss aus dem Haus schon mal verirren. Haus? Ja, Tee leitet sich vom gälischen „tigh“ (Haus) ab und meint den Bereich, in der vor Erfindung des hilfreichen Stiftchens der Ball von Sandkegeln abgeschlagen wurde.

In Privatrunden tun manche so, als wäre nichts gewesen und legen einfach einen nach. Einen Mulligan, u. a. zurückgeführt auf den kanadischen Hotelier David Mulligan. Der hat sich in den 1920er-Jahren bei seinen Golfrunden im St. Lambert Country Club von Montreal gern „Korrekturschläge“zugestanden. Unserer landet jetzt ordentlich auf dem Fairway, das früher Fairgreen hieß und eben den fair zu spielenden, weil kurz geschnittenen Bereich der Bahn benennt.

Auf dem Fairway

Par 5, das Grün lockt in der Ferne, Holz drei und los. Aber Übermut tut selten gut und warm sind wir auch noch nicht richtig: Der Ball geht mächtig nach rechts weg, ein Slice, für 90 Prozent aller Golfer das natürliche Handikap. Statt zu fluchen, brüllen wir „Fore“. Die einen sagen, es handele sich um die Verballhornung von „watch out ahead!“ („Pass auf auf da vorne!“) zum einsilbigen „fore“ („vorne“). Andere glauben, das sei der verkürzte Weckruf für den „Forecaddie“, der früher stets voraus geschickt wurde und den Ballflug verfolgen musste, damit nicht zu viele der teuren Featheries verloren gingen.

Im Bunker von Carnoustie, Scotland

Einer der stattlichen Bunker auf dem Carnoustie Golf Links in Schottland (Foto: Getty)

Rund ums Grün

Alles gut, Ball gefunden. Im Rough abseits des Grüns. Ein Pitch („to pitch“/werfen, aber auch „pitch“/Neigung, Schräge) steht an. Bloß keine Angst vor dem Bunker. Trotz des martialischen Namens sind das lediglich die Löcher, in denen die alten Schotten zusammengekehrten Sand „gebunkert“, will heißen gelagert und als Hindernis gestaltet haben.

An der Fahne

Aufs Grün also. Mit dem dritten Schlag. Womöglich tot an die Fahne. Dann zum Birdie verwandeln – das wäre cool! Und ist das gleiche: Im US-Slang war ein „bird“ ehedem, was wir heute als „cool“ bezeichnen. Ab Smith hat‘s erfunden, 1898 im Atlanta City Country Club nach einer gelungenen Annäherung: „What a bird of shot [(Was für ein cooler Schlag]!“ Sprach‘s und lochte zu Eins unter Par ein. Die Steigerungen Eagle und Albatros sind nur folgerichtig: Je besser Ihr Lochergebnis, desto größer Ihr Vogel.

Tap-in zum Birdie

Zuerst wird die Pitchmarke ausgebessert, die so heißt, weil früher auf den windigen und brettharten Linksplätzen viel flacher gespielt wurde als heute und nur die „geworfenen“ Bälle Druckstellen im Grün hinterlassen haben.

Jetzt das Tap-in. Aber wer kennt es nicht: Kaum Distanz, trotzdem wird das Loch immer kleiner. Von wegen normierte 10,795 Zentimeter (4,25 Inch) Durchmesser. Wer denkt sich so was aus? Natürlich der Royal & Ancient Golf Club of St. Andrews. Weil die Kollegen in Musselburgh schon 1829 das erste Lochschneide-Gerät erfunden haben, hat der R&A 1891 in wirtschaftlicher Steigbügelhilfe genau dessen Maß als Standard bestimmt.

Par und Bogey

"Par" ist der 'Wert' des Platzes - der Begriff kommt eigentlich aus der Börsensprache. (Foto: Getty)

Klar fällt das Birdie! Andere Ergebnisse passen nicht zu einem imaginären Saison-Auftaktloch. Trotzdem die Erklärungen: Par kommt aus der Börsensprache und bezeichnet den Nennwert einer Aktie. Und den Nennwert eines Platzes, seit Golf-Reporter A. H. Doleman sich vor der Open 1870 in Prestwick bei Professionals nach dem Optimum für den 12-Loch-Kurs erkundigte. 49 Schläge wurde ihm genannt, die er als „Par“ veröffentlichte.

Lange Zeit indes stand Bogey für den „ground score“ eines Platzes, weil die britischen Golfer mit einem Gassenhauer auf den Lippen die Vorgabe jagten: „I‘m the bogeyman [der schwarze Mann], catch me if you can.“ Bogey, im Sport auch als Angstgegner umschrieben, war also anfangs sogar erstrebenswert. Erst später rückte der Begriff als Maßstab für Freizeit-Golfer um einen Schlag nach hinten, während die Profis mit dem „Nennwert“ hantierten. 1911 definierte der US-Verband USGA Par endgültig als Begriff für ein „perfektes Ergebnis ohne Fehler und bei normalen Wetterbedingungen unter Berücksichtigung von zwei Putts je Grün“.

Schönes Spiel!

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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