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Von Rose bis Fleetwood: Royal Birkdale formt Golf-Karrieren

Der Schauplatz der 146. Open Championship gilt als fairer Kurs mit mörderischen Fairway-Bunkern und extrem schwer zu lesenden Grüns.

Das 18. Loch des Royal Birkdale stellt die Golfer vor schwierige Herausforderungen. (Foto: Getty)
Das 18. Loch des Royal Birkdale stellt die Golfer vor schwierige Herausforderungen. (Foto: Getty)

Irgendwie hat immer einer aus der Ahnengalerie des Golfsports die Finger im Spiel, wenn es um die Rota der Plätze für die Open Championship geht. Royal Birkdale, wo kommende Woche zum zehnten Mal das älteste der vier Golf-Majors ausgetragen wird, macht da keine Ausnahme. Auf dem Platz nördlich von Liverpool, einem von drei englischen Open-Ensembles, war John Henry Taylor am Werk.

Der fünffache Champion Golfer war eine Art europäischer Handlungsreisender in Sachen Golfplatz-Design und gehört zum ikonischen „Great Triumvirate“ mit Harry Vardon und James Braid, das rund um die Wende vom 19. aufs 20. Jahrhundert mit insgesamt 16 British-Open-Erfolgen das Golfgeschehen auf den britischen Inseln beherrschte.

Royal Birkdale hat echten Lokalmatador

Doch man muss nicht über 100 Jahre zurückgehen, um Royal Birkdale mit großen Namen in Verbindung zu bringen. Tom Watson, Lee Trevino und Arnold Palmer haben hier eine Open gewonnen, der Australier Peter Thomson gleich zwei. Olympiasieger Justin Rose betrat beim 1998er Major als 17-jährige „Teen-Sensation“ die große Golfbühne und wechselte nach seinem geteilten vierten Platz umgehend ins Profilager.

Padraig Harrington gelang 2008 an der Merseyside die siebte Titelverteidigung der modernen Open-Historie. Und mit Tommy Fleetwood hat Royal Birkdale einen echten Lokalmatadoren, der frisch gebackene French-Open-und zweifache Saison-Sieger wurde vor gut 26 Jahren in Southport geboren, die Kommune gibt der Anlage ihre Ortsmarke. „Die Open Championship zu gewinnen, ist etwas ganz besonderes“, sagt Fleetwood. „Aber ein solcher Erfolg nur fünf Minuten vom Ort deiner Kindheit entfernt, das wäre ziemlich speziell.“



„Schwacher Spieler wird nie gewinnen“

Über neun Löcher in den Shaw Hills begann 1889 die Golftradition von Birkdale, wie‘s vor 1951 und der Verleihung des majestätischen Prädikats durch König Georg VI. schlicht hieß. Fünf Jahre später entschieden sich die Club-Granden für eine Erweiterung auf 18 Loch, beauftragten damit den Schotten George Low – der sollte übrigens 1899 geteilter Zweiter bei der US Open werden – und zogen in ein für damalige Verhältnisse sehr „stylishes“ Art-Deco-Vereinsheim nach Birkdale Hills um.

Den Schliff für die ganz großen Meisterschaften erhielt der Kurs freilich erst von Taylor. „J. H.“ habe aus Birkdale „erst den grandiosen Kurs gemacht, auf dem sich selbst die großen Spieler mächtig strecken müssen“, attestierte der legendäre Bernard Darwin: „Ein schwacher Spieler wird hier nie gewinnen.“ Dafür sorgten auch Taylors Nachfolger: Drei Generationen der arrivierten Architektenfamilie Hawtree polierten den Links-Parcours auf Hochglanz.

Keine Chance auf Par aus dem Sand

Dabei ist der Kurs, Par 70 im Championship-Trimm, vor allem eins: fair! Das Layout schlängelt sich durch die mächtige Küstentopographie an der Irischen See, die Dünen streben himmelwärts und bieten den Zuschauern ideale Aussichtspunkte. Aber wer die Fairways in den Talsohlen trifft, erst recht, wenn der Wind heulend das Meer peitscht und die Drives erschreckend kurz macht, der hat bis zum Grün kaum Probleme. Dafür gibt es von außerhalb des Kurzgemähten, aus dem Rough oder gar aus dem Sand „keine Chance, gut zu spielen“, weiß Tommy Fleetwood: „Aus einem Fairway-Bunker ist Par nicht zu schaffen.“



Und danach wird‘s erst richtig knifflig. Die Puttflächen wurden zwar zur Open 1998 erneuert, und auch wenn es bekanntlich heißt „Wer lesen kann, ist klar im Vorteil“: Mit ihren subtilen Breaks sind sie so schwierig zu entziffern wie uralte Hieroglyphen.

„Entscheidung fällt auf letzten vier Löchern“

Herausragende Löcher hat es viele auf den rund 6.560 Metern an der Waterloo Road. Besonders zu beachten: Die 12, ein 167 Meter langes Par 3, auf dem der Ball von einem erhöhten Abschlag über ein Senke und vier teuflisch tiefe Pottbunker auf ein ebenfalls erhöhtes, schmales Grün zu spielen ist.

Die 15, das kürzere der zwei Par 5 des Major-Set-up (496 Meter) und beide auf der Back Nine, aber mit scheinbar mehr Bunkern als ein Ball Dimples hat – in Wahrheit sind es „nur“ 15. Die monströse 18 schließlich, 432 Meter lang, zweigeteiltes Fairway und ebenfalls mit Sandhindernissen gespickt, für die Birdie-Chance bedarf es schon zweier wirklich exzellenter Schläge. „Auf den letzten vier Löchern wird das Turnier entschieden“, betont Fleetwood.





Ladies schon 1890 als Mitglieder zugelassen

Es wundert gewiss nicht, dass Royal Birkdale für viele Spieler der Lieblings-Open-Kurs ist und alles ausgetragen hat, was an Events im Golf Rang und Namen hat, zehn Majors alsbald, sechs Damen-Open, den Ryder Cup 1965 und 1969, den Walker und den Curtis Cup sowieso. Das erste bedeutende Turnier in Southport aber war tatsächlich eine Damen-Meisterschaft. Denn in Birkdale sind golfende Ladies bereits seit 1890 als Mitglieder zugelassen, gut zehn Jahre bevor die Frauenrechtlerinnen der „Suffragetten“-Bewegung damit begannen, Englands Zivilgesellschaft aufzumischen.

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