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Thomas Björn: Das 17,5:10,5 kommt als Tattoo auf den Popo des Kapitäns

Rory McIlroy mit Priorität, Tiger Woods völlig platt, Mrs. Reed tritt nach, Jim Furyk vom Team überzeugt. Die Back Nine nach dem Ryder Cup.

Thomas Björn bekommt ein Tattoo vom Ergebnis des Ryder Cup 2018 - da wo es niemand sehen kann. (Foto: Getty)
Thomas Björn bekommt ein Tattoo vom Ergebnis des Ryder Cup 2018 - da wo es niemand sehen kann. (Foto: Getty)

Bringschuld: Irgendwann dieser Tage wird Thomas Björn ein schmerzhaftes Versprechen einlösen müssen. Der 47-Jährige hatte seiner Ryder-Cup-Riege in Aussicht gestellt, das Ergebnis des 42. Kontinentalwettbewerbs gegen die Amerikaner – „egal ob Sieg oder Niederlage“ – als Tätowierung verewigen zu lassen. Während Ian Poulter erzählte, dass „wir daraus eine Portion Extra-Motivation geschöpft“ haben, nannte der Däne selbst die Zusage „meine schlechteste Entscheidung in der ganzen Zeit als Kapitän“. Die englische Boulevardzeitung „The Sun“ will wissen, dass das 17,5:10,5 auf Björns Allerwertesten graviert wird; er selbst sagt: „Es kommt auf einen Teil von mir, den eigentlich ausschließlich meine Freundin Grace zu sehen kriegt. Aber da ich den Jungs versprochen habe, ein Beweisfoto zu schicken, werdet Ihr es schon alle mitbekommen.“

Rory McIlroy: „Persönliche Niederlage völlig wurscht“

Eisbrecher: Er war als erster los geschickt worden, um die Lokomotive für den europäischen Triumphzug zu machen, doch wie schon in Hazeltine gegen Patrick Reed ging Rory McIlroy auch gegen Justin Thomas zum Schluss der Dampf aus. Nur  mit dem Unterschied, dass es letztlich nicht von Bedeutung war. „Meine Niederlage ist mir völlig wurscht; Hauptsache, letztlich gewinnt das Team!“, rückte der 29-Jährige die Prioritäten zurecht. „Wir haben in Hazeltine eine heftige Klatsche bekommen und das hat zwei Jahre lang weh getan. Für mich war es die erste Negativerfahrung dieser Art, und niemand von uns wollte hier so was erleben. Darum ging es – nicht um Sieg oder Niederlage und das Ego eines Einzelnen.“

Rahm bejubelt den Sieg übers Idol

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt: Der eine auf euphorischem Höhenflug, der andere restlos platt – so unterschiedlich gaben sich nach den gestrigen Einzeln die Kombattanten des Duells Jon Rahm vs. Tiger Woods, und es lag nicht allein am Sieg bzw. an der Niederlage. „Ich bin damit aufgewachsen, diesen Typen spielen zu sehen. Vergangene Woche habe ich vom Dach des Clubhauses in East Lake noch ein Video gemacht, als Tiger sein 80. Turnier auf der PGA Tour gewann“, strahlte „Rookie“ Rahm: „Ihn jetzt hier zu besiegen und damit auch noch persönlich den ersten Ryder-Cup-Punkt zu holen, das ist schon sehr emotional.“ Der mit 1&2 unterlegene Woods hingegen war einfach nur froh, dass es vorbei war. „Das war eine Menge Golf für mich in so kurzer Zeit. Ich bin echt müde“, bekannte der 42-Jährige. Die Nerds von „Oob Golf Club“ haben übrigens eine sehenswerte Schwungstudie des Tigers veröffentlicht – besser geht‘s nicht:

Justine Reed prangert Spieth wegen Trennung an

Aus dem Nähkästchen: Alle Golfwelt hat sich gewundert, warum US-Kapitän Jim Furyk sein Paradeduo Jordan Spieth und Patrick Reed auseinander gerissen hat, trotz deren blendender Bilanz von acht Siegen, drei halbierten Matches und nur einer Niederlage in den vergangenen zwei Ryder-Cup- und zwei Presidents-Cup-Auflagen. Justine Reed, die gern die Belange ihres Mannes in eigene Hände nimmt, hat am Sonntag morgen mit einigen Tweets („Fragt Jordan“) angedeutet, dass möglicherweise der dreifache Majorsieger aus Texas hinter der Trennung gesteckt habe.
Schon öfter war spekuliert worden, dass Reeds intensive, impulsive und provokante emotionale Attitüde für den Partner schwierig auszubalancieren sei und diesen förmlich auszehre. Folgt man dem, dann war die Möglichkeit für Spieth förmlich ein Segen, mit „Best Buddie“ Justin Thomas spielen zu können. Jedenfalls postete Justine Reed: „Patrick hat niemals gesagt, dass er nicht mit Jordan spielen will. Vielleicht solltet Ihr Jordan fragen, warum er nicht mit Patrick spielen will. Man muss die Leute nicht lieben, mit denen man arbeitet – aber wenn die Chemie und der Erfolg stimmen, dann machst du das fürs Team!“ Jim Furyk hat derweil betont, dass die Trennung zugunsten zwei neuer „Great Pairings“ ausschließlich seine Entscheidung gewesen sei. Nun ja, das Duo Woods/Reed hat ja nicht so toll funktioniert…

Nie war ein Europäer besser als Molinari

Statistische Nachlese: Dieser 42. Ryder Cup, der neunte europäische Erfolg in zwölf Begegnungen seit 1995 und der sechste Heimsieg in Serie, war auch ein Fest für Rekord- und Statistikfans. Mit dem Einzelsieg über Rickie Fowler avancierte Sergio Garcia zum erfolgreichsten Spieler der gesamten Ryder-Cup-Historie, überflügelte mit seinen 25,5 Punkten aus neun Teilnahmen den bisherigen Rekordhalter Nick Faldo (25 Punkte/11 Teilnahmen). Dritter ist übrigens Bernhard Langer mit 24 Punkten in zehn Ryder-Cup-Starts. Auf US-Seite bringt es Billy Casper als Bester auf 23,5 Punkte, war acht Mal dabei; gefolgt von seinem oftmaligen Partner Arnold Palmer (23/7).
Francesco Molinari hingegen ist der vierte Spieler und der einzige Europäer, der es in einem Ryder Cup auf eine makellose 5-0-0-Bilanz bringt. Vor ihm schafften das nur die Amerikaner Arnold Palmer und Gardner Dickinson 1967 sowie Larry Nelson 1979.


Und dann ist da noch Ian Poulter, der gestern das Kostüm eines englischen Briefkastens überzog und sich zurecht als „zuverlässig liefernder Postbote“ feierte. „Poults“ hat in seiner Ryder-Cup-Karriere noch nie ein Einzel verloren und von nunmehr sechs Duellen lediglich eins geteilt. Sein Sonntagsgegner Dustin Johnson spielte mit 1-4-0 übrigens den schlechtesten Ryder Cup eines amtierenden Weltranglistenersten.



Jim Furyk: „Würde es immer wieder so machen

Konsequent: Die Trennung des Erfolgsduos Jordan Spieth/Patrick Reed, das mangelnde Vertrauen in die Paarung Dustin Johnson/Brooks Koepka, die weitgehend erfolglosen Picks, deren einzige zwei Punkte Tony Finau gewann und so weiter – nach einer Ryder-Cup-Niederlage muss sich der betreffende Kapitän naturgemäß eine Menge Fragen gefallen lassen. „Du weißt, dass dir alles aufgebürdet wird, wenn du die Kapitänsrolle annimmst“, sagte Jim Furyk am Abend der Pariser Pleite: „Doch ich betone es gern immer wieder, ich habe allergrößtes Vertrauen in diese zwölf Spieler, und ich würde sie ohne Zögern zum nächsten Ryder Cup mitnehmen. Weil ich weiß, dass sie es schaffen können. Ja, nennt mich vielleicht verrückt, aber ich würde alles wieder ganz genauso machen.“

Auch Imitator Moore feiert den Ryder Cup

Alternative Pressekonferenz: Klar, auch der irische Comedian und Golfstar-Imitator Conor Moore hat was zum europäischen Paukenschlag von Paris zu sagen – als Ian Poulter, Justin Rose, Sergio Garcia und natürlich als „Moliwood“. Aber sehen Sie selbst:

Zwei spezielle Stützen für Europas „Skipper“

Geheimwaffen: Die offiziellen Vize-Kapitäne von Team Europe sind hinlänglich bekannt, Robert Karlsson, Luke Donald, Lee Westwood, Padraig Harrington und Graeme McDowell fungierten als Stellvertreter von Thomas Björn. Doch mit den beiden Franzosen Raphaël Jacquelin und Grégory Havret hat sich der Däne zwei besondere Stützen ins Team geholt. „Wir wurden von Thomas persönlich eingeladen“, erklärte Jacquelin. „Wir kennen ihn schon sehr lange, verstehen uns sehr gut mit ihm und er sagte: ,Es kommt nicht in Frage, dass Ihr diesen Ryder Cup nicht von innen erlebt.‘ Das ist nett, denn Greg und ich waren nie Ryder-Cup-Spieler und auch bei einer der vorherigen Auflagen noch nie vor Ort.“
Der „Skipper“ von Team Blau hatte den beiden Franzosen denn auch besondere Aufgaben zugedacht. „Wir wussten um die Strategie,waren aber nicht in die Aufstellung involviert“, betonte Jacquelin: „Es ging eher um die Verbindung zur französischen Presse und zur Öffentlichkeit hier – und natürlich um den Austausch mit dem Greenkeeping-Team von Le Golf National. Als Muttersprachler hat man es da naturgemäß einfacher.“ Ein ziemlich smarter Schachzug von Björn.

Raphaël Jacquelin und Grégory Havret beim Ryder Cup 2018. (Foto: Getty)

Raphaël Jacquelin und Grégory Havret beim Ryder Cup 2018. (Foto: Getty)

Auf Wiedersehen 2020 in Whistling Straits

Zum Schluss: Nach dem Ryder Cup ist vor dem Ryder Cup. Und so grüßten aus Paris mit Herb und David Kohler schon die nächsten Gastgeber.


Der Ryder Cup 2020 findet auf dem von mehr als 1.000 Bunkern übersäten Whistling Straits Golf Course am Ufer des Lake Michigan in Wisconsin statt.

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