Aktuell. Unabhängig. Nah.
Adventskalender 2016 Türchen 8: Heute ein Garmin GPS Golf-Band gewinnen Mehr Informationen

Rory McIlroy und Co.: Es ist nicht alles Gold, was glänzt

20. Mai 2015
Rory McIlroy ist Spieler des Jahres 2014 auf der European Tour. Der Award wurde ihm am Dienstag verliehen. (Foto: Getty)
Artikel teilen:

Auch Golfstars leiden unter Rummel, Hektik und der Trennung von Familie, Heim, Freunden. Weiter unten geht‘s ums blanke Überleben.

Irgendwo über dem Atlantik hielt Rory McIlroy auf dem Weg zur BMW PGA Championship noch schnell einen Video-Talk mit seinen „Followern“ ab. 30 Minuten per Handy-App „Periscope“ zwischen einem Drink auf den „Wells-Fargo“-Sieg und einer Mütze voll Schlaf. Kaum war der Lear Jet in London gelandet, ging der Rummel weiter: Telefonat mit der „Dan Patrick Show“ in den USA, Interviews mit Sky Sports und der BBC, Auftritt in „Niketown“. Dort sprach der Weltranglistenerste zu 40 geladenen Gästen, anschließend hämmerte er ein paar Monster-Drives in den Simulator. Zwischen den Terminen schwitzte McIlroy seinen Jetlag beim Training im „GSK Human Performance Lab“ raus. Fit und frisch ließ er sich dann gestern Abend von der European Tour zweifach als Golfer des Jahres 2014 ehren.

„Besonderer Typ Mensch“

Den Platz in Wentworth hatte der Titelverteidiger bis dato noch keine Sekunde gesehen, das Pro-Am war gleichzeitig seine erste Übungsrunde. Aber alle Golfwelt erwartet die nächste phänomenale Vorstellung. „Es braucht wahrlich einen besonderen Typ Mensch, um den Lebensstil eines professionellen Tour-Golfers zu verkraften“, sagt der britische Soziologe John Fry. Will heißen: Es ist nicht alles Gold, was glänzt.


Fry hat darüber eine Studie verfasst. Der Wissenschaftler befragte 20 Pros, darunter Ryder-Cupper und eine Ex-Nummer-eins-der-Welt, und kam zu dem vorhersehbaren Ergebnis: Fernab von Ruhm und Preisgeldmillionen, von Jetset-Leben und Fan-Anbetung ist das hektische und zumeist öffentliche Dasein als Sportstar seltener ein Zuckerschlecken, als der Außenstehende gemeinhin annimmt.

Ein wesentlicher Faktor liegt im Unsteten. Auf der Webseite von Martin Kaymer zeigte der „Kaymer-Tracker“ aktuell 76.990 gereiste Kilometer, binnen eines Jahres vermutlich. Hinter Turnier-Tingelei und Kontinente-Hopping verbirgt sich die Trennung von Heim und eigenem Bett, von Familie und Freunden. Graeme McDowell postete ein Foto von den „Players‘ Awards“ mit Luke Donald und schrieb dazu: „Nicht die besondere Person, die ich für heute Abend als Begleitung im Sinn hatte. Ich vermisse Dich, Kristin McDowell!“

Not the plus one I had in mind tonight!! Former world number one instead of the wife @kristin.mcdowell!!!? #missing

Ein von Graeme McDowell (@graeme_mcdowell) gepostetes Foto am

Schleier der Glitzerwelt-Romantik

Rory McIlroy spielt wieder auf höchstem Niveau, seit er sich vergangenes Jahr um diese Zeit von Caroline Wozniacki trennte. Damit löste er den Spagat zwischen Profi-Golf und glamourösem Privatleben auf – und gewann prompt Europas Turnier-Flaggschiff. „Ich habe doch nichts anderes momentan: Ich gehe auf den Golfplatz, ich gehe ins Fitness-Studio, das ist mein Leben derzeit“, bekannte er hernach. Mittlerweile hat sich „Rors“ mit der Gratwanderung zwischen Heldenstatus und Privatsphäre arrangiert: „Man soll doch aus Fehlern lernen. Ich will künftig ausschließlich wegen meines Golfspiels bekannt sein!“ Und natürlich würden die McIlroy, McDowell und Co. auf äußerst hohem Niveau jammern, sollten sie sich beklagen, was ja nicht der Fall ist.

Das Mitleid mit den Stars darf sich also in Grenzen halten. Interessant freilich ist es allemal, den Schleier der Glitzerwelt-Romantik etwas zu lüften. Die PGA Tour hat das beispielsweise getan, als sie neulich einen Einblick in den „Alltag“ von Graeme McDowell vermittelte. Das Leben auf der Tour, sagt G-Mac zur Einleitung des Videos, sei „etwas komplexer, als die meisten Menschen denken“.

Rory „Rors“ McIlroy: Schluss mit 40?

Everybody‘s Darling zu sein, ist anstrengend und zehrend. Rory McIlroy hat soeben in London gesagt, er könne sich nicht vorstellen, auf einer der Senior-Touren zu spielen. Möglicherweise ist gar mit 40 schon Schluss. „Bis dahin sollte genug Zeit sein, um das zu erreichen, was ich mir vorgenommen habe. Wenn ich das Gefühl bekomme, nicht mehr gewinnen oder mein Bestes geben zu können, dann hänge ich die Stöcke an den Nagel und mache was anderes.“ Er wird sich den Vorruhestand problemlos leisten können. Die Top-100 oder so der Welt haben ohnehin ausgesorgt, wenn sie mit ihren Einkünften sorgsam und vorausschauend umgehen.

Dahinter freilich und vor allem in den unterklassigen Ligen herrscht blanker Überlebenskampf. Die Devise „Schaff‘s oder ,stirb‘ beim Versuch!“ hat Soziologe Fry ausgemacht. Callum Macaulay kann davon ein Lied singen. Der ehemalige schottische Amateur-Champion und einstige European-Tour-Spieler fährt zur Aufbesserung seiner Einkünfte als Golfprofi mittlerweile Taxi.

Mehr zum Thema Golf-Stars:

Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
Sie finden mich auch auf: Google+

Alle Artikel von Michael F. Basche

Noch keine Kommentare

Geben Sie jetzt Ihre Meinung zu diesem Thema ab

Schlagwörter: , , , , , ,

Aktuelle News