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Martin Kaymer: „Es geht nicht immer nur um’s Geld“

29. Aug 2013
Ein fragender Blick von Martin Kaymer: Am Ende sicherte er sich bei der The Barclays die Qualifikation für die nächste FedEx-Cup-Playoff-Runde und steht nun vor der Deutsche Bank Championship auf dem 90. FedEx-Cup-Rang. (Foto: Getty)
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Vor der Deutsche Bank Championship spricht Martin Kaymer über seine Ziele, seine Verfassung und seinen Kollegen Rory McIlroy.

Martin Kaymer ist vor der Deutsche Bank Championship ins Pressezelt gehuscht und hat sich den Fragen der Presse gestellt. Im Interview spricht er über seine Verfassung und Pläne, über sein kurzes Spiel und über Rory McIlroy.


Martin Kaymer, willkomen zur Deutsche Bank Championship – es ist ja das erste Mal hier für Sie. Wie ist es, hier zu sein?

Martin Kaymer: Ich war tatsächlich noch nie hier, ich habe auch den Platz noch nie gespielt. Nach dem letzten Turnier hatte ich ein paar Tage frei, weil ich in den letzten Wochen soviel Golf gespielt habe.
Beim WGC Bridgestone Invitational im Firestone GC Anfang August und bei der PGA Championship war ich in Form, aber um mich für die FedEx-Cup-Playoffs zu qualifizieren, musste ich dort auf Nummer sicher spielen, ohne Risiko. Dann habe ich die Barclays gespielt, die ich wiederum brauchte, um hierhin zu kommen. Es ist also ein bisschen Druck da, sich für Turniere zu qualifizieren – Druck, den ich seit fünf oder sechs Jahren nicht mehr gespürt habe, weil ich immer qualifiziert war.

Sie haben ja schon bei Majors um den Sieg mitgespielt, auch beim Ryder Cup haben Sie eine entscheidende Rolle gespielt. Wie würden Sie den Druck des letzten Monats mit diesen beiden Events vergleichen?

Martin Kaymer: Naja, Majors, World Golf Championships, Ryder Cups – das sind sehr, sehr spezielle Events. Wenn ich mich hier in Boston nicht für das nächste Turnier qualifiziere, ist das eine Schande, aber es ist okay. Ich werde sicher noch ein paar mehr Chancen bekommen. Solange man in den Top 50 der Welt ist, hat man eh keine Sorgen.

Aber der FedEx-Cup ist ein bisschen anders. Es ist ja mein erstes Jahr einer vollen Saison auf der PGA Tour, in dem ich viel gereist bin und auch ein paar Dinge anpassen musste. Aus spielerischer Sicht habe ich in Amerika nicht das gezeigt, was ich kann. Das ist auch der Grund, weshalb ich ein bisschen mehr Druck hatte, den FedEx-Cup zu spielen.

Was hat Sie dazu gebracht eine volle Mitgliedschaft auf der PGA Tour und eine Playoff-Teilnahme anzugehen?

Martin Kaymer: Sie kennen sicher die European Tour, die PGA Tour und alle anderen Touren weltweit und es ist nunmal so, dass die besten Spieler hierher kommen. Alle wollen am FedEx-Cup teilnehmen, die großen Turniere spielen, gegen die Besten der Welt antreten und mehr Weltranglistenpunkte sammlen. Nur in Europa zu bleiben und nur die Events der World Golf Championship und die Majors zu spielen wäre nicht meine bevorzugte Art Golfspieler zu sein. Ich will die größten Turniere spielen, die amerikanische Kultur ein bisschen besser kennen lernen. Auch geht es darum, andere Golfplätze zu sehen, die mir gefallen, die zu meinem Spiel passen – und meinen Turnierplan der nächsten zwei, drei Jahre entsprechend daran anzupassen.

Ich nehme an, Sie werden auch am Race to Dubai dieses Jahr teilnehmen?

Martin Kaymer: Ja, das werde ich.

Wir sind jetzt im späten August, die Majors sind vorbei und es fühlt sich an, als würde die Saison ausklingen. Sie sind aber mitten im Dickicht des FedEx-Cups und haben das Race to Dubai schon vor der Brust. Wie schwierig ist dieser nie endende Terminkalender für Sie? Wie erschöpft sind Sie?

Martin Kaymer: Naja, das Gute ist, dass ich nicht mehr soviel Zeit auf der Range verbingen muss. Wenn man viele Turniere spielt, muss man nicht mehr soviel üben, weil man ja immer drin ist.
Die Majors sind natürlich für uns alle das Wichtigste in der Saison. Wenn die Majors einmal vorbei sind, gibt es noch weitere große Turniere, aber die sind eben keine Majors. Trotzdem: Die Turniere, die wir jedes Jahr spielen, werden immer größer; der FedEx-Cup allein besteht aus vier großen Turnieren. Danach geht’s wieder nach Europa mit ziemlich großen Turnieren bis Ende November. Es ist wirklich eine aufregende Zeit; eine gute Zeit um Gewinne zu sammeln, Weltranglistenpunkte zu verdienen und ein bisschen Selbstvertrauen zu tanken. Ich bin nicht müde, ich habe große Lust zu spielen, weil ich mich für soviele Turniere wie möglich qualifizieren möchte. Weil es eine spaßige Zeit für mich ist und weil ich gerade eine Menge lerne.

Vielleicht können Sie an einer völlig anderen Stelle auch eine Stellungnahme geben: Rory McIlroy ist der Titelverteidiger bei der Deutsche Bank Championship. Auch Sie wurden in jungen Jahren zur Nummer eins der Welt und Sie hatten plötzlich mit mehr Aufmerksamkeit und mehr Rampenlicht zu tun. Können Sie verstehen, was er dieses Jahr durchgemacht hat?

Martin Kaymer: Ich finde nicht, dass er wirklich so schlecht spielt. Ich gaube, dass alle es dramatischer machen, als es ist.

Wissen Sie, am Ende des Tages geht es nicht immer um Golf. Golf ist nur ein kleiner Teil. Das Leben ändert sich, wenn man so erfolgreich wird. Als er den Vertrag (mit Nike, Amn. d. Red.) unterzeichnete, war er überall in den Medien. Jeder weiß seitdem, wieviel Geld er verdient. Die Leute reden darüber und der Fokus geht völlig vom Golf weg. Nicht wegen einem selbst, sondern wegen der Medien, den Fans, der sozialen Netzwerke, Twitter, Facebook, all das – jeder quatscht dich an. Jeder sagt dir seine Meinung, ohne dass du ihn darum gebeten hättest. Also macht es einen Unterschied, weil es dich zum Nachdenken bringt. Auch wenn man sich zwingt, nicht bei Facebook oder Twitter zu schauen, was die Leute schreiben: Du macht es trotzdem, weil es irgendwie auch dein Job und Teil deines Lebens ist – manchmal bedauerlicherweise.
Irgendwann gewöhnt man sich dran. Manche Spieler wachsen damit auf, die haben Kameras um sich seit sie zwei, drei, vier oder fünf Jahre alt sind, manche aber auch nicht und die brauchen eben ein bisschen länger.
Ich mache mir nicht allzu viele Sorgen um Rory, weil er ziemlich nette Eltern hat, glaube ich. Er ist schon sehr reif und ich glaube, er weiß, was im Leben wichtig ist. Irgendwann wird er die Dinge entsprechend für sich einordnen und wieder große Turniere gewinnen.

Mit Ihrem Ziel, sich auch für die nächste Woche zu qualifizieren, werden Sie also das ganze Wochenende über das Leaderboard im Auge behalten und schauen, wie Sie im Vergleich zu anderen Spielern stehen?

Martin Kaymer: Nach jeder Runde muss man schauen, auf welcher Position man steht. Mein Bruder ist sehr gut in Mathe und meinte, ich müsse mich unter den Top 24 platzieren um eine Runde weiter zu kommen. Das ist also das Ziel.

Aber es geht ja nicht nur um nächste Woche, das Ziel sollte höher gesteckt sein. Ich habe letzte Woche den Fehler gemacht, dass ich mich nur auf’s Weiterkommen konzentriert habe. Nachdem ich den Cut geschafft hatte und es klar war, dass ich die Deutsche Bank Championship würde spielen können, hat mein Spiel damnn ziemlich nachgelassen. Deshalb darf es nicht nur darum gehen, weiterzukommen. Ich komme hierher, um zu gewinnen, um gutes Golf zu spielen, um Selbstbewusstsein zu tanken und um hoffentlich in den Top 24 zu landen.

Als Sie die Nummer eins der Welt waren, haben Sie sich im Rampenlicht nicht wohl gefühlt und danach so etwas wie einen kleinen Einbruch erfahren. Was war für Sie der Wendepunkt, durch den Sie zurück zu selbstbewusstem Spiel gefunden haben?

Martin Kaymer: Du hast deinen Golfball, deine Schläger und du spielst Golf – das ist das Wichtige, alles andere muss man ausblenden. Andere Leute beladen einen leider mit ziemlich viel Druck, die Erwartungen sind hoch. Ich habe damals ein bisschen den Fokus verloren und den Grund vergessen, warum ich Golf spiele. Es hat mir keinen Spaß mehr gemacht, ich habe mich immer gehetzt gefühlt. Bei jedem Golfturnier wollten alle etwas von mir.
Diese Dinge muss man mit einplanen und es braucht seine Zeit, bis man das verstanden hat. Jetzt ist alles gut, aber am Anfang war es hart, was sicher auch normal ist. Immerhin habe ich noch viele, viele Jahre vor mir und kann Dinge verändern, wenn ich will. Manche Leute waren nicht damit einverstanden, dass ich meinen Schwung umstelle, weil ich damit Nummer eins der Welt geworden bin, ein Major gewonnen habe, dies und das getan habe. Aber es ist nicht immer wichtig, was andere Leute denken. Wichtiger ist das, woran man selber glaubt, und ich habe alle Zeit der Welt, ich muss mich nicht unter Druck setzen lassen.

Sie haben vorhin Veränderungen erwähnt. Welche Veränderungen haben Sie dieses Jahr vorgenommen; auf oder neben dem Platz?

Martin Kaymer: Auf dem Golfplatz habe ich seit Dezember einen Trainer für das kurze Spiel, Pete Cowen. Mit ihm habe ich in den letzten sechs, sieben Monaten viel gearbeitet, da ich mich um die Grüns herum in den letzten Jahren nicht recht wohl gefühlt habe. Bei anderen, den Top-Spielern zum Beispiel, ist das so: Wenn sie nicht gut vom Tee wegkommen, sichern sie das Par trotzdem immer irgendwie. An den folgenden zwei oder drei Tagen spielen sie dann niedrige Scores und landen am Ende in den Top 10. Dazu war ich nicht imstande, mein kurzes Spiel war dafür nicht gut genug. Deshalb habe ich da was ändern müssen.
Und neben dem Platz, naja, man reift mit der Zeit. Jetzt gerade genieße ich es, aber ich war ja von Januar bis zur US Open ohne Unterbrechung in Amerika. Während andere Spieler ihre Familien und ihre Kinder hier haben, bin ich hier immer auch mich allein gestellt. Ich nehme es als Erfahrung, aus der ich viel für die nächsten Jahre lernen kann.

Sie haben noch immer das Logo von Whisper Rock auf Ihrem Cappie; keinem anderen Spieler in den Top 50 fehlt das Logo eines Hauptsponsors auf der Stirn. Ist es so, dass Sie keinen anderen finden oder sponsert Sie Whisper Rock oder warum tragen Sie das Logo noch immer?

Martin Kaymer: Nein, Whisper Rock sponsert mich nicht. Es geht nicht immer um’s Geld, wissen Sie. Ich will mich wohlfühlen. Ich spiele Golf um zu gewinnen und nicht um jeden Tag als Unternehmen tätig zu sein. Ich genieße meine freie Zeit und da will ich mich nicht wieder mit Golftehmen beschäftigen.
Es ist also nicht so, dass sich kein Sponsor findet, es ist eher eine Frage des richtigen Partners. Ich möchte mit Leuten zusammen arbeiten, die ich Partner nennen kann. Wenn wir die gleichen Interessen und Ziele haben, dann passt es. Aber es ist nciht so leicht, so etwas zu finden.

Sie haben gesagt, Sie sind jetzt schon eine ganze Weile in den Staaten. Was haben Sie über die Kultur hier herausgefunden?

Martin Kaymer: Ich mag den Lifestyle hier, der ist sehr locker. Manchmal etwas zu locker für mich. Ich bin als Deutscher sehr organisiert, durchgeplant, diszipliniert. Hier ist alles sehr relaxed, was auch gut ist, aber ich bin eben nicht so und muss mich da doch etwas dran gewöhnen.

Martin, vielen Dank für Ihre Zeit. Viel Glück am Wochenende.

Das Gespräch führte John Bush.

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