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Long Driving – ein Trendsport schwappt nach Europa

Jeder kennt den "Longest Drive" beim Monatspreis. Doch die Long Hitter haben mittlerweile eine eigene Tour. Wie funktioniert Long Driving?

Long Driving ist eine eigene Sportart, die sich in vielen Dingen von Golf unterscheidet. (Foto: Getty)
Long Driving ist eine eigene Sportart, die sich in vielen Dingen von Golf unterscheidet. (Foto: Getty)

Jeder kennt es vom „Longest Drive“-Loch beim Monatspreis: Der Rückenwind nimmt zu, Sie treffen den Ball mitten auf dem Schlägerblatt, der Ball fliegt und fliegt, der Ball landet 20 Meter weiter als die aktuelle Bestmarke und er liegt… zehn Zentimeter im Semi-Rough. Das ist ärgerlich für die Sonderwertung und mancher Spieler wünscht sich jetzt einen Mulligan - ein Beinbruch für den Score ist es aber noch lange nicht. Außerdem agieren Ihre Flightpartner als Zeugen und werden Sie bekräftigen, wenn Sie stolz Ihre Long Driving Geschichte im Clubhouse erzählen.

Nun stellen Sie sich vor, Sie hätten Ihren Drive wiederholen können. Sagen wir fünfmal. Der Beste zählt. Klingt komisch? Ist aber Realität – genau darum geht es bei der neuen Trendsportart „Long Driving“. Was in den USA schon seit Jahrzehnten praktiziert wird, wird seit 2013 auch auf europäischer Ebene ausgetragen: Die längsten Driver des Kontinents treffen sich neunmal pro Saison in verschiedenen Ländern, um den Pokal für den längsten Treibschlag auszuspielen.

Long Driving - 6 Versuche, 1 Ziel

Im Gegensatz zur Sonderwertung „Longest Drive“ wird hier aber nicht nur ein Schlag gewertet, sondern der längste Schlag aus sechs Versuchen. Das bedeutet, die Spieler können sechsmal innerhalb einer vorgegebenen Zeit von 2:45 Minuten schlagen, um das Maximum aus ihrem Schwung herauszuholen. Eine ähnliche Herausforderung wie beim Semi-Rough-Treffer der „Longest Drive“-Wertung besteht trotzdem: nur Schläge, die im sogenannten „Grid“ zum Liegen kommen, sind gültig. Das Grid ist ein zuvor abgemessener Zielbereich, den die Spieler anspielen müssen. Dieser ist in der Regel 60 Yards breit – was sich erstmal nach einer sehr breiten Zone anhört, wird bei Drivelängen von 400 Yards allerdings nicht nur optisch sehr klein.

Die Profi-Turniere auf der „Long Drivers European Tour“ (LDET) werden in zwei Phasen ausgetragen. In einer Vor- und Hauptrunde werden in der Regel pro Spieler dreimmal sechs Bälle geschlagen, woraufhin die Top 8 der besten Schlaglänge definiert wird. Ab diesem Zeitpunkt starten die Viertelfinals, welche im Matchplay-Format ausgetragen werden. Das ist vergleichbar zum Matchplay im Golfsport, sprich es wird im 1-gegen-1 gespielt. Im „Best of 3“-Modus werden von jedem Spieler pro Satz sechs Bälle in Richtung Grid geschlagen, erneut mit einem Zeitlimit von 2:45 Minuten.



Nach Ablauf der Zeit wird die tatsächlich längste Schlagweite der beiden Akteure per Funkgerät an die Spielleitung übermittelt. Die größere Zahl gewinnt, das versteht jeder.

Deutschland-Premiere des Long Driving erst 2017

Ein 60 Yards breites Grid mit sechs Bällen zu treffen ist gar nicht so einfach – nicht oft findet kein Ball der Long Drive Professionals sein Ziel. In einer solchen Situation spricht der Long Driver von „OB“ (Out of Bounds). Die Länge ist oft entscheidend, dennoch reicht manchmal auch ein gerader, nicht optimal getroffener Ball, um den Gegner aus dem Wettkampf zu werfen.

Dieser spannende Modus hat im Jahr 2017 erstmalig auch auf nationaler Ebene nach Deutschland gefunden. So fand im August 2017 im Rahmen des „Final Four“ der Deutschen Golf Liga die erste „German Long Drive Championship“ in Köln statt. Im Gegensatz zum „Quiet please“ auf dem Golfplatz, steht nicht nur bei der Deutschen Meisterschaft im Long Driving, sondern auch bei allen anderen Turnieren eher „Make some noise“ auf den Plakaten der Events. Bemessen an der Stimmung erinnert ein Long Drive Turnier eher an eine Dart-Weltmeisterschaft als an ein Golfturnier – laute Musik und ein jaulendes Publikum sieht man sonst eher selten auf einem Golfplatz. Diese Besonderheit ist nicht nur wichtig für den Golfsport, sondern auch eine logische Konsequenz für jeden Long-Drive-„Athleten“ – ein gut getroffener Ball mitten ins Grid lässt die wenigsten Akteure emotionslos, sondern schreiend vor Glück.

"Make some Noise" statt "Quiet please"

Dieses Spektakel wiederholt sich übrigens auch 2018 wieder im Rahmen des Final Four in Köln. Am 18. August 2018 ist es wieder so weit: Burger, Bier und Party laden jeden ein, zuzuschauen und mitzumachen. Eine durchschnittliche Drivelänge von ca. 250 Meter ist eine gute Basis, eine erste Erfahrung im Long Drive Sport zu sammeln.



2017 rollte der längste Schlag (bei den Herren) übrigens auf 323 Meter bei zügigem Gegenwind. Dass solch eine Schlagweite sowohl technisch, als auch seitens des Equipments nicht mehr wirklich etwas mit Golf zu tun hat, stimmt.

Doch warum ein besonders langer Schläger mit wenig Loft und ein zehn Zentimeter hoch aufgeteeter Ball zu mehr Schlaglänge führen und welche technischen Besonderheiten Anwendung finden, lesen Sie in der nächsten Ausgabe dieser Long Drive-Reihe auf Golf Post.

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1 LESER-KOMMENTAR Geben Sie jetzt Ihre Meinung zu diesem Thema ab
  1. Hallo, ich bin schon ein alter sack, versuche aber meine drives weiter zu verbessern. Würde gerne von markus etwas mehr über die speed stiks erfahren.
    Warum drei und nicht nur ein stick.
    Bringt der tr3 stick etwas?
    Gibt es irgendwo traingstipps mit den sticks?

    Danke und viel erfolg auf der tour.
    Mit freundlichen Grüßen manfred jabbusch

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