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Was kostet ein nachhaltiger Golfplatz?

28. Feb 2014
Nachhaltige Pflege kann den Wert des Golfplatzes über Jahre hinweg steigern. Dabei sind besonders die Grüns von Bedeutung (Foto: Getty)
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Golfplätze können Biotope für Flora und Fauna sein. Aber: Nachhaltige Planung kostet. Grüns sind dabei das teuerste Spielelement.

Vor knapp 100 Jahren schrieb der Golfplatz-Architekt Donald Ross seiner Zunft ins Stammbuch: „Folge der Natur so weit wie möglich!“ Heutzutage wird dieses Prinzip quasi längst vom Umwelt- und Naturschutz aufrecht erhalten. Kaum noch ein Designer hat‘s so gut wie Greg Norman, der in Irland das grandiose Doonbeg baute, indem „ich einfach von den 100 tollen Golflöchern, die hier schon vorhanden waren, die 18 besten ausgewählt habe“. Dennoch ist das Ross‘sche Credo aktuell wie nie zuvor, wenngleich in anderem Kontext.

Ein sinnvoll und nachhaltig angelegter Golfplatz ist heutzutage ein komplexes Ökosystem, das Naturliebhaber und Umweltschützer längst nicht mehr auf die ideologische Palme treibt. Golfplätze sind im Bestfall Biotope für Flora und Fauna; Habitate, in denen Zivilisationsstress allenfalls in Form verhaltenen Jubels, unterdrückter Flüche und dem Brummen von Rasenmähern vorkommt.


Renaturierung durch Golf

Golf in der rechten Provenienz, das haben auch die Kritiker längst erkannt, taugt zur Renaturierung von Agrar- und Brachland, Industriebrachen und Konversionsflächen. Einige der großartigsten neuen Plätze sind nach diesem Muster entstanden: Streamsong in Florida etwa, auf dem Gelände einer Phosphat-Mine. Oder Chambers Bay im US-Bundesstaat Washington, wo früher Sand und Kies abgebaut wurden und 2015 die US Open stattfinden. Aber warum in die Ferne schweifen: Der Linkskurs von Budersand auf Sylt erstreckt sich über ein ehemaliges Kasernen-Areal, der Mainzer Golf Club entstand auf einer vormaligen Mülldeponie.

Und wo früher flächendeckend gedüngt wurde, was der Halm aushielt (manchmal auch nicht), wo die Grasnarbe förmlich geflutet wurde – alles im Wahn, dass nur eine knatschgrüne Golfwiese eine gute Golfwiese ist –, da greift heute verantwortungsbewusstes Ressourcen-Management. Die Wassergaben werden auf den Kubikmeter genau ermittelt, biologische Wirkstoffe haben den Kunstdünger ersetzt.

Allen voran geben die Golf-Gralshüter vom R&A enzyklopädische Tipps zum Turf-Management, in Amerika höhlt die USGA mit steten Aktions- und Ratgeber-„Tropfen“ den umweltignoranten Stein, hierzulande fördert der Deutsche Golf Verband mit seinem Umweltprogramm „Golf und Natur“ das ökologische Bewusstsein der Anlagenbetreiber. Auch beim Golfer selbst macht sich allmählich die Erkenntnis breit, dass braune oder gelbe Stellen im Rasen keine Frage mangelnder Pflege oder unbezahlter Wasserrechnungen sind, sondern die jahreszeitlich bedingte natürliche Erscheinungsform widerstands- und strapazierfähiger Gräser.


Golfplatz-Architektur: Layout und Psychologie

100.000 Euro Baukosten pro Spielbahn

Letztlich beginnt alles schon bei der Planung. Der Golfplatz-Architekt legt bereits in seiner Konzeption Gräser und Bepflanzungen fest – und bestimmt damit auch die Betriebskosten, die künftig aus seinem Design resultieren: Wasserbedarf, Pflegemittel-Einsatz, nicht zuletzt überhaupt den Greenkeeping-Aufwand. Stichwort winzige Bunker, die nur mit Hand zu harken sind, Kanten und Gefälle oder Rasenstreifen, die mit Maschinen nicht befahrbar sind. Und so weiter.

Ein Golfplatz ist ein empfindsames und kostbares Gut, das bei entsprechender Veranlagung durch Reife und sachgerechten Umgang aber eher an Wert gewinnt. Das hat freilich seinen Preis, lässt sich mit einer lediglich gewalzten und nachgesäten Wiese kaum realisieren. Ein sehr ordentlicher Platz kostet, das ist eine hübsche Faustformel, 100.000 Euro pro Loch. Das deckt vor allem die Manpower und die Maschinenkosten, also den Aufwand für die Landschaftsgestaltung. Saatgut, Baustoffe wie Kies und Sand oder das Material für die Dränage kommen oft oben drauf, die Kosten der Beregnungsanlage und aller Bauwerke sowieso.

Pitchgabel benutzen!

Für so viel Geld wird dann – grob beschrieben – in den Spielbereichen die komplette Vegetationsdecke abgetragen, der Untergrund in die späteren Fairway-und Grün-Konturen modelliert und mit einer speziellen Rasentragschicht überzogen, die dem Golfrasen ein gedeihliches Fundament bietet.

Aufwändigstes und damit teuerstes Element eines Platzes sind stets die Grünkomplexe. Je nach Größe und Auslegung fällt allein hier die Hälfte der Baukosten pro Spielbahn an. Das sollten sich all diejenigen zu Herzen nehmen, denen eine Pitchgabel eher als skurriles Utensil vorkommt, wenn sie denn überhaupt eine haben: Ball-Einschlagslöcher nicht auszubessern, kommt vorsätzlicher Sachbeschädigung gleich. Pitchmarken sind offene Wunden, die – unbehandelt – Pilzbefall und sonstigen Rasenkrankheiten einen idealen Nährboden bieten. Wir laufen ja bei Verletzungen auch nicht ohne Schutz rum und freuen uns auf die Infektion!

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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