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Sascha Kruse, Jäger des verlorenen Schatzes

06. Sep 2013
Sascha Kruse, freiberuflicher Golfballtaucher, sammelt seit zehn Jahren das "weiße Gold" (Foto: Baltic-Communications, Finn Radtke)
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Sascha Kruse geht in Wasserhindernissen auf Tauchstation. Auf Golfplätzen sucht er nach dem „weißen Gold“.

Des einen Freud, ist des anderen Leid: Während so mancher Golfer fluchend vor dem Wasserhindernis steht und dem soeben im Nass versenkten Ball nachtrauert, nennt Sascha Kruse eben dieses Wasserhindernis seine „kleine Schatzkiste“. Der 38-Jährige ist freiberuflicher Golfballtaucher. Und das seit zehn Jahren.

Von Kindesbeinen an Bälle gesammelt

Schon als Kind, erzählt er, habe er auf einem nahen Golfplatz Bälle gesammelt. Vorzugsweise die, die über den Zaun geflogen sind. „Irgendwann habe ich dann bemerkt, dass viel mehr Bälle ins Wasser fallen als ins Aus“, sagt er. Also ließ er sich zunächst Gummistiefel schenken, um auch im Wasser suchen zu können. Später wurde aus den Gummistiefeln eine gebrauchte Tauchausrüstung. „Extra für diesen Job habe ich dann eine Tauchausbildung gemacht und ein Gewerbe angemeldet“, sagt Kruse. Anfangs war das Golfballtauchen nur ein Nebenerwerb, seit 2007 ist es sein Hauptberuf.


Es bleiben immer Bälle im Wasser

Auf über 30 Golfplätzen im norddeutschen Raum ist Kruse mittlerweile unterwegs. Unter anderem im renommierten Golfclub Gut Kaden bei Hamburg. In manchen Gewässern, sagt er, suche er bis zu dreimal jährlich nach dem „weißen Gold“, in anderen Teichen lohne sich lediglich ein Tauchgang pro Jahr. Denn: „Die Ausbeute muss dann schon zwischen 1000 und 1500 Bälle betragen.“ Und selbst dann sind noch nicht alle wieder oben. „Es bleiben immer Bälle im Wasser“, meint Kruse. Nur durch Tasten findet er die Bälle auf dem schlammigen Untergrund. Gesammelt wird zunächst alles, was es zu fassen gibt.

Mit den Clubs und Golfanlagen, bei denen Kruse unterwegs ist, hat er spezielle Partnerverträge ausgearbeitet. Sprich: Der Club bekommt pro gefundenem Ball einen kleinen Obolus, die Übungs- und Rangebälle gehen zudem wieder zurück in den Ballautomaten. Bis zu 100.000 Bälle kommen in einem Jahr insgesamt zusammen, etwa zehn Prozent seien Ausschussware, die zum Beispiel nur noch für Crossgolfer zu gebrauchen seien.


Golfballtaucher Sascha Kruse

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Zwischen 25 Cent und 1,50 Euro für gebrauchte Bälle

Es ist die Kombination aus sportlicher Herausforderung, dem Beruf in der Natur und dem Kaufmännischen, die ihn so reizt. Das Tauchen selbst ist allerdings nur ein kleiner Teil seiner täglichen Arbeit. Die Hauptaufgabe findet später in Kruses Keller statt. Die Bälle werden zunächst gereinigt. „Stück für Stück in einer Golfballwaschmaschine wie man sie von einem Golfplatz kennt“, berichtet er. Danach werden die Kugeln von Hand poliert, getrocknet und sortiert. Fein säuberlich nach Marken, Qualität und Zustand. Anhand dessen legt Kruse den Preis fest, für den die Bälle später auf seiner Homepage (www.golfballcomeback.de) weiter verkauft werden. Sucht ein Golfer dort nach gebrauchten Bällen zahlt er zwischen 25 Cent und 1,50 Euro. „90 Prozent der Golfer sehen die Bälle mittlerweile als reine Verbrauchsartikel und spielen auf der privaten Runde mit Lakeballs“, sagt Kruse. In den USA habe das Geschäft mit den gebrauchten Bällen ganz andere Dimensionen. Dort seien spezielle Firmen unterwegs, welche die Bälle auch nach Deutschland exportieren. „Das drückt die Preise hierzulande“, sagt Kruse. Aber auch in der Bundesrepublik, wo er zu Beginn noch der einzige hauptberufliche Golfballtaucher war, wächst der Markt.

Im Winter wird gesäubert und gesammelt

In Norddeutschland kann der Taucher aber nur in den Sommermonaten arbeiten und ist daher jeden Tag auf Achse. Er sagt: „Ich muss ja auch das Geld für den Winter verdienen.“ Dann, wenn es draußen eisig kalt ist, geht für ihn die Arbeit daheim weiter. Knapp 30.000 Bälle werden dann für den nächsten Sommer fit gemacht. Doch nicht alle Bälle gehen in den Verkauf. An der Wand im Keller hängen über 2500 ganz spezielle Exemplare. Logobälle, die nach Kategorien geordnet sind. Etwa nach Getränkeherstellern oder Golfclubs. „Ich habe auch fast die gesamte Fußball-Bundesliga. Bis auf Freiburg und Schalke“, erzählt Kruse.

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Stephan Schoettl

Stephan Schoettl - Freier Autor für Golf Post

Den Sport- und Touristikmanager hat es nach einer Zwischenstation beim Radio als Redakteur zu den Printmedien verschlagen. Er ist im Allgäu daheim und dreht dort auch am liebsten seine Runden. Er schlägt die Golfbälle aber nicht nur gerne, sondern freut sich auch über besondere Exemplare für seine Sammlung. Sie finden Stephan Schöttl auch unter Google+
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