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Golfanlagen in Deutschland: Goldgrube oder Minusgeschäft?

14. Jan 2014
Eine Golfanlage zu betreiben ist nicht per se ein lukratives Geschäft. Zunächst müssen die stets hohen Fixkosten ausgeglichen werden. (Foto: Getty)
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Mit durchschnittlich fast 900.000 Euro Betriebskosten bleibt meist bestenfalls die schwarze Null. Verlustgeschäfte gibt’s beim Greenfee.

In Deutschland gibt es aktuell gut 700 Golfanlagen: Kurzplätze oder 54-Loch-Ensembles, kostengünstige Betriebe und exklusive Refugien, hergerichtete Äcker ebenso wie aufwändig gestaltete Spielwiesen. Allen ist gemein, dass hinter den Kulissen jeden Tag sorgfältig gewirtschaftet werden muss.
Der Deutsche Golf Verband (DGV) weist in seinem aktuellen Betriebsvergleich (Stand 2012/124 Teilnehmer) für eine 18-Loch-Anlage durchschnittliche Betriebskosten von 883.096 Euro aus. Ohne Abschreibungen, Zinsen und Steuern. Dem stehen im Mittel Erträge von 926.843 Euro gegenüber. Im Ergebnis ist das bestenfalls eine schwarze Null. Und der Kapitaldienst ist im Aufwand noch nicht eingerechnet.

“Gut gemanagte Golfanlage kann langfristig profitabel laufen”

“Die Anfangsinvestitionen für einen Golfplatz sind einfach zu hoch, als dass sie sich schnell amortisieren würden”, hat Alexander Freiherr von Spoercken (Lüdersburg), der Vorstandschef des Bundesverbands Golfanlagen (BVGA), mal gesagt. Der Bau einer Golfanlage kostet mindestens etliche hunderttausend Euro, selbst wenn‘s ganz einfach sein soll. Aufwändigere Plätze mit allem, was dazugehört, gehen in die Millionen. Bei stadtnahen Anlagen, egal welcher Qualität, schlagen Pachtkosten und Auflagen aller Art besonders kostenintensiv zu Buche. Investitionen und Kredite verlangen über Jahre nach Tilgung.

Bei allen Betrachtungen sind die Relationen zu berücksichtigen: Ein schlicht und preiswert gebauter Platz mit Service-Mindeststandard kann nur angemessene Gebühren (Mitgliedsbeiträge, Greenfees) erheben. Eine qualitativ hochwertige Anlage in 1-a-Lage mit dem entsprechenden Zusatzangebot hingegen darf im Markt hochpreisig agieren. Dafür liegen die Betriebskosten gemäß aktuellem DGV-Betriebsvergleich in der Spitze schon mal bei rund 1,9 Millionen Euro pro Jahr.

„Eine gut gemanagte Golfanlage mit innovativem Marketing-Mix kann langfristig profitabel laufen. Aber eine Goldgrube wird sie – abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen – nie sein“, weiß Dr. Reinhard Koss (Stuhr/Bremen). Als Sachverständiger für Wirtschaftlichkeitsbewertungen von Golfanlagen hat er tagtäglich im Auftrag von Banken, Investoren und Betreibern die Zahlen des Golfbetriebs vor Augen.

Die drei „M“ als größte Kostenfaktoren

Unabhängig von Produkt, Angebot und Preispolitik ist die Verhältnismäßigkeit letztlich stets gleich. Größte Kostenfaktoren sind die drei „M“: Menschen, Maschinen, Material. Der DGV nennt für eine 18-Loch-Anlage durchschnittliche Personalkosten von 347.838 Euro. Das sind fast 40 Prozent des gesamten Betriebsaufwands. Die meisten Mitarbeiter entfallen auf das Greenkeeping. Der DGV hat für eine 9-Loch-Anlage 2,7 Vollzeit-Greenkeeper erfragt. Für eine 18-Loch-Anlage sind laut Dr. Koss mindestens sechs Greenkeeping-Mitarbeiter anzusetzen.

Wer über die Kosten des Maschinenparks nachdenkt, braucht bloß die täglichen Gruselmeldungen in Sachen Energie- und Treibstoffkosten zu übertragen. Und der jährliche Aufwand für Dünger, Saatgut, Sand und andere Baustoffe sowie Bewässerung bewegt sich, gerade bei älteren Anlagen mit hohem Pflegeaufwand, mittlerweile im sechsstelligen Bereich. Tendenz weiter steigend. So verwundert es nicht, wenn Dr. Koss bestätigt, dass zwischen 35 und 50 Prozent der Betriebskosten auf den Bereich Greenkeeping entfallen.

Ein großer Posten sind auch die in jüngster Zeit extrem gestiegenen Pachtbeträge. Die Bandbreite reicht von 190 bis fast 4.000 Euro und liegt durchschnittlich bei 1.056,92 Euro pro Hektar und Jahr.

800 Vollzahler zur Kostendeckung

Die Habenseite ist schnell gegengerechnet. Die Golf-Experten des Wirtschaftsprüfer-Netzwerks KPMG haben im Schnitt einen Mitgliedsbeitrag von 100 Euro/Monat ermittelt (ohne Aufnahmegebühr). Der BVGA nennt aus seinem Bereich für 2011 einen Netto-Jahresbeitrag von 1.087 Euro pro Erwachsenem.

Eine 18-Loch-Anlage braucht da mindestens 800 Mitglieder, um wenigstens die Betriebskosten zu decken. Und zwar Vollzahler! Bei den Anlagen im DGV-Betriebsvergleich haben indes nur 55,4 Prozent der Golfer eine Vollmitgliedschaft. Dieser Wert lässt sich getrost auf die gesamte hiesige Golflandschaft verallgemeinern. Für viele Anlagen kommt es so auf jeden zusätzlichen Euro an: Aus der werblichen Vermarktung, aus dem Betrieb der Driving Range und vor allem durch Greenfees. Aktuell liegen die Preise bei 48,76 Euro an Wochentagen und 61,56 Euro an Wochenende und Feiertagen.

Der DGV hat analysiert, dass bei einem 18-Loch-Platz auf jede gespielte Runde (Mitglieder und Greenfee) durchschnittlich Aufwendungen von 38,45 Euro entfallen. Die Erträge im Betriebshaushalt liegen im Schnitt bei 40,71 Euro. Im Greenfee-Bereich allerdings ohne Berücksichtigung all der üblichen Rabatte, Boni etc. Nach Angaben des BVGA erlösen die deutschen Golfanlagen tatsächlich durchschnittlich nur 62 Prozent des regulären Greenfee-Listenpreises (Stand 2011). Der Netto-Umsatz liege damit bei rund 34 Euro pro gespielter Runde. Damit ist auch die Greenfee-Sparte in der jetzigen Struktur vielfach eher ein Verlustgeschäft.

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Jacqueline Sauer

Jacqueline Sauer - Freie Autorin für Golf Post

Jacqueline mischt bei den redaktionsinterenen Tippspielen ganz vorne mit. Kein Wunder: Die großen und kleinen Namen des Golfs hat sie ständig im Auge, damit der nächste Tipp stets ein sicherer Treffer wird.

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