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Golf und sein schlechtes Image: Mit Werbespots ist‘s nicht getan

17. Jan 2014
Golf und sein Image: Der gute Ruf entsteht auf dem Platz, nicht vor der Kamera, sagt der DGV. (Foto: Getty)
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„Wir müssen die Menschen auf die Golfanlagen bringen!“ Studie des DGV ergibt: Schon beim Schnupperkurs verbessert sich das Image.

In deutschen Vorabend-Krimis schlürfen affektierte Mörderinnen Champagner auf der Driving Range, Mehmet Scholl löst mit seinem rumänischen Familien-SUV auf dem Parklatz des „Golf Clubs Schnöselheim“ echauffiertes Getuschel aus und Medien-Tausendsassa Christian Ulmen bedient in seiner Serie „Die Snobs“ so ziemlich jedes Klischee, wenn er Golfer als degenerierte, dauerbeschickerte Stenze oder profilneurotische Vollpfosten darstellt: „Furchtbar!“, findet DGV-Vorstandsmitglied Alexander Klose solche Darstellungen. Stimmt! Golf hat hierzulande echt ein besch…eidenes Image.

Ideal als schlechtes Beispiel

Neulich war irgendwo zu lesen, das Spiel tauge vor allem als schlechtes Beispiel. In der öffentlichen Wahrnehmung erscheint Golf weit verbreitet als Alte-Reiche-Leute-Vergnügen, als bräsig-elitärer Freizeitspaß ebenso begüterter wie dekadenter Steuer- und EEG-Umlagen-Vermeider. Und wenn Tiger Woods außerehelich abschlägt, dann macht so was mehr Schlagzeilen als Martin Kaymers Siegputt beim Ryder Cup. Wenigstens ist damit der dümmliche „Gag“ vom Tisch, den auch ein Markus Lanz immer gern bringt: „Spielst du schon Golf oder hast du noch Sex?“ Sehr witzig!


Im Gegenzug bemühen sich in den sozialen Netzwerken Aberhunderte engagierter und oft auch frustrierter Golfer unermüdlich um das Renommee ihrer Sportart, und alle Jahre wieder zählen irgendwelche Meinungsforscher ein paar Millionen grundsätzlich Golfinteressierter. Wie passt das zusammen?

Beim Deutschen Golf Verband (DGV) in Wiesbaden haben sie schon überlegt, die „Tatort“-Redaktion dafür zu bezahlen, dass Hobby-Golfer Jan Josef Liefers aka Professor Boerne bei den Ermittlungen in Münster auch jedes Mal den kleinen weißen Ball ins Spiel bringt. Mehr im Scherz natürlich.

Komplexe Gemengelage

Denn mit prominenten Testimonials ist es nicht getan. Auch nicht mit Werbespots kurz vor der Tagesschau, wie sie als Vorschlag bei einem der DGV-Workshops mit den deutschen Golfclubs aufs Tapet kamen. Alexander Klose hat recht, wenn er sagt: „Eine Imagekampagne für zweieinhalb Millionen Euro, aber dahinter ist nichts: Das wäre fatal!“. Wir haben nicht die Mittel, das Image in den Köpfen der Deutschen mit Fernsehspots zu verändern“, ergänzt DGV-Kommunikationschef Jörg Schlockermann.

Ein einziges Allheilmittel für all die rufschädlichen Aspekte gibt‘s sowieso nicht. Dafür ist die Gemengelage des Problems auch zu komplex.

Deutschland ist golferisch geringstenfalls eine Vier-Klassengesellschaft, was durch die Ausweiskennzeichnung samt augenfälligem Hologramm regelrecht betont wird: Da sind die splendiden und die alteingesessenen Clubs, ge- und verschlossene Gesellschaften oder zumindest von klassischen Vereinsstrukturen geprägt. Dazu die Betreiber-Anlagen, die das Spiel als Teil der Freizeitkultur verstehen und den Interessenten entsprechend attraktive Angebote machen. Schließlich die Schar der Gelegenheitsspieler, die Golf ganz nett, aber nicht hinreißend genug findet, um sich mit Haut und Haar zu verschreiben. Zwischendrin finden sich noch die Fernmitglieder mit ihren ureigenen Motiven.

„Willkommenskultur fehlt“

Das Ganze bewegt sich in einem Rahmen von Regeln, Regularien und Rechenspielchen ums Handikap, die für Außenstehende nicht nachvollziehbar und für Einsteiger schwierig erlernbar sind. Letzterer muss nach zehn Schwüngen auf der Range oder drei Bahnen auf dem Kurzplatz aber immerhin schon mal zugeben, dass Golf sehr wohl Sport ist.

Und hier soll irgendwo der Ansatz sein, um das Image auf Vordermann zu bringen? Was für ein mühsamer Prozess. Dafür müssen Zugangsmöglichkeiten und Regeln vereinfacht, Refugien geöffnet und auch vor Ort, an der Basis, Strukturen und Verhaltensweisen gegenüber Interessenten und Neulingen geändert werden. Klose spricht in diese Zusammenhang davon, dass „in vielen Fällen die Willkommenskultur fehlt“. Sisyphos, der mit dem Felsblock am Berg, hatte es einfacher.

„Wir wollen gerne Imagekampagnen starten“, sagt Schlockermann. „Aber nicht über bunte Bilder, sondern indem wir Leute auf die Golfanlagen bringen.“ Es werde Botschaften geben, ergänzt Klose, mit den Stichworten Gesundheit, Natur, Spaß, Sport für alle Altersgruppen: „Wir können es ja auch einlösen. Das passt gut zueinander.“

TV-Golf nur bedingt relevant

Der DGV hat jüngst eine Imagestudie erstellen lassen. Mit teilweise erstaunlichen Ergebnissen. Während beispielsweise 75 Prozent der befragten Golfer eine Verbesserung des Leumunds bei mehr TV-Zeiten verorten, würde Golf im Fernsehen gerade mal elf Prozent der Nichtgolfer imagemäßig „anmachen“.

„Es ist so, dass Golf unter Nicht-Golfern ein recht schlechtes Image hat“, berichtet Pressesprecher Schlockermann. „Interessant ist aber, dass Menschen, die mal Golf ausprobiert haben, dem Sport fast ein ebenso gutes Zeugnis ausstellen wie der Golfer selbst.“ Sein Rückschluss: „Wir müssen die Menschen auf die Golfanlagen bringen müssen. Auf den Golfanlagen müssen sie dann eine positive Erfahrung machen und in dem Moment wandelt sich das Image von schlecht auf gut.“

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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1 LESER-KOMMENTAR

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  1. Ich als Nichtgolfer habe ein paar Leute im Kollegium die Golf spielen, sogar sehr gut. Mir wurde das Angebot schon gemacht, mal mitzugehen. Als ich die Kleiderordnung las, war ich entsetzt, dass es so etwas überhaupt gibt. Traut mir keiner zu, dass ich sportlich ordentlich gekleidet bei einem Verein auftauche. Sowas hat sonst kein anderer Sport. Gehe ich segeln, habe ich mein Ölzeug dabei, gehe ich Tennis spielen, dann habe ich kurze Hosen und Turnschuhe an. Was soll das „Karospießerkragenhemdundweißwasalles“ bringen?

    Ohne mich und wahrscheinlich deshalb auch ohne viele andere. (Ums Geld geht es da gar nicht.)

    Antworten

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