Golf in Muirfield an einem Sommertag: Mehr geht nicht!

Muirfield
Traumhafter Blick auf Muirfield (Foto: Getty)

Die British Open naht – kein Wunder, dass unser Autor von Muirfield träumt. Wie es wohl ist, dort zu spielen?

Usedom, Deutschland

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Muirfield – und ich stehe plötzlich an der Eins: Par vier, 411 Meter, ein sichelförmiger Bunker links, ein weiterer im Fairway vor dem Grün – dazu, na klar, richtig Wind auf die Nase. Aber die Sonne scheint: „Golf in Muirfield an einem schönen Sommertag, mehr geht nicht!“ Habe ich gelesen. Ich habe alles über Muirfield gelesen. Wenn in St. Andrews das Herz des Spiels schlägt, dann gehört Muirfield mit seiner Geschichte zum tragenden Skelett. Ich stehe am ersten Abschlag und habe weiche Knie.

Weiße Socken ausdrücklich erlaubt

In Muirfield gibt es an den „Visitors‘ Playing Days“ nur Vierer-Flights. Neben mir schnauft ein Amerikaner in freudiger Erwartung, sehr weiten Bermudas und WEIßEN Socken. Die sind im Dresscode ausdrücklich erlaubt, Jeans, Trainingsanzüge, Jogginghosen oder kragenlose Hemden natürlich nicht. Nummer drei und vier im Bunde sind sowieso korrekt gekleidet: Golf-Touristen aus China, längst allgegenwärtig. Kein Wunder, dass sie drüben in Kingsbarns, quasi auf der anderen Seite des Firth of Forth, den Kurs-Guide auch in Mandarin anbieten.

Ich sollte mich konzentrieren! Mehr als ein Holz fünf traue ich mir nicht zu. Unter dem Wind bleiben! Kein Problem: Vor Aufregung toppe ich den Ball. Immerhin schafft er‘s übers Ladies-Tee. Ja, haben sie hier. Obwohl Muirfields Hausherren, The Honourable Company of Edinburgh Golfers, ein reiner Herren-Club sind. Die 195 Pfund (knapp 228 Euro) Greenfee pro Runde nehmen sie auch von Damen gern an und haben den weiblichen Gästen sogar eine eigene Garderobe im Clubhaus eingerichtet.

Mindest-Handicap von 18

Mein Caddie kostet 40 Pfund (46,60 Euro) und guckt etwas befremdet. Obwohl man als Greenfee-Spieler mindestens 16 Jahre alt sein muss, fühle ich mich wie ein ertappter Bub. Er scheint am vorgeschriebenen Mindest-Handicap von 18 zu zweifeln. Und ja, wahrscheinlich wird er mein Gehacke mit Humor tragen müssen.

Doug Sanders, 1966 Zweiter hinter Jack Nicklaus, hat damals über das Rough in Muirfield gesagt: „Das Preisgeld können sie behalten, ich hätte lieber die Lizenz fürs Heumachen.” Es ist fettes, kniehohes Heidegras, viel unergründlicher als das sonst auf Linkskursen übliche Festuca. Mit dem zweiten Schlag lernen wir uns flüchtig kennen. Ich mache aus dem provisorischen direkt den Ball im Spiel.

17 Löcher und sechs ins Nirgendwo gehauene Kugeln später bietet das Clubhaus einen willkommenen Zufluchtsort. Die Stimmung ist ambivalent, Linksgolf halt: Das grandiose Erlebnis mischt sich mit verletztem Stolz. Eigentlich müsste ich noch mal raus. Um die Schmach zu tilgen. Aber auch, um alles bis zu Neige auszukosten. So wie meine Mitspieler, die das „Rabatt“-Greenfee von 250 Pfund (291 Euro) für zwei Runden gebucht haben, aber nachmittags auch nur Foursome spielen dürfen.

Sakko und Schlips im Clubhaus

Stattdessen ziehe ich mich um – Muirfield mag weder Golf-Klamotten im Clubhaus, noch Handys oder Kameras. Den Herren ist Sakko und Schlips vorgeschrieben. Die Aussicht auf Lunch (Vorbestellung) und einen Whisky als Digestif (die Bar schließt um 19 Uhr) wirkt entspannend. Ich halte es mit David Feherty, Ex-Pro, Autor, Reporter, Showmaster, und seinem Hymnus auf das Spiel über die Links: „Now that, my friend, was a real round of golf!“

Freie Abschlagszeiten gibt es übrigens erst wieder ab 1. Oktober. Aber wenn ich aus diesem Traum erwache, sind es nur noch acht Tage bis zur 142. Open Championship.

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