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Golf-Gadgets unterm Christbaum: Fehlt bloß noch der Roboter!

22. Dez 2015
Technische Hilfsmittel in Form von Apps oder Gadgets sind ein weit verbreiteter Begleiter auf dem Golfplatz. (Foto: Getty)
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Das Spiel für alle Sinne wird zum elektronischen und digitalen Sport der Apps und Gimmicks. Golf 2.0 und das Plädoyer eines Puristen.

Übermorgen ist Heiligabend. Dann liegen sie wieder unterm Weihnachtsbaum, im Golfer-Wohnzimmer, all die Gadgets und Gimmicks für das Spiel mit dem kleinen weißen Ball. Technischer Firlefanz. Elektronischer Krimskrams. Digitaler Schnickschnack. Wir schreiben das Zeitalter von Golf 2.0, und es geht längst nicht mehr um Schläger, Bälle, Hand- und Fußschuhe, um Sweater oder schlimmstenfalls Golfsocken. Das Spiel für alle Sinne wird von „Weltraum“-Technik bestimmt. Von Birdiebooks per App inklusive Empfehlungen zur Schlägerwahl und aufmunternden Ratschlägen. Von Distanzmessern im Taschenformat, Schwunganalyse-Tools im Smartphone, GPS im Cart etc. pp. Die Liste der verfügbaren „Additive“ ist theoretisch unendlich. Und alles ist „smart“, nennt sich auch so – „cool“!

Golf-Gadgets: Alles ist „smart“

Neulich las ich von der Brille dieses US-Suchmaschinenanbieters, der es in Verbform schon bis in den Duden gebracht hat. „Smart“ natürlich. Mit entsprechender App überdies golftauglich. Ist bislang nur in den USA erhältlich, erkennt freilich 450 deutsche Golfplätze. Selbsttätig. Wenigstens muss manuell eingegeben werden, ob Herren- oder Damenabschlag. Per GPS gibt’s dann die Entfernung zur Fahne, die Distanz zu Bunkern oder Wasserhindernissen ins Sichtfeld.


Früher, die Älteren von uns werden sich erinnern, haben wir uns nach manchem Schlag ungläubig die Augen gerieben oder nachdenklich am Kopf gekratzt, heute brauchen wir diese Bewegungen, um durch Wischen und Tippen auf der Brille den Score abzuspeichern. Ja, was denn noch? „Augmented Reality“ in freier Natur. Schöne, neue digitale Golfwelt!

Man fragt sich, wie die das vormals geschafft haben? Als J. H. Taylor bei der Open Championship 1904 in Royal St. Georges trotz fehlenden „Schwungpfad“-Bildschirms am Putter, sorry, „Swing Path Screen“, beispielsweise die erste 68er-Runde der Golfgeschichte über 18 Loch spielte. Oder wie Jack Nicklaus es ohne Mini-Computer am Handgelenk, aka „Smartwatch“, auf 18 Majors bringen konnte? Heutzutage finden manche ohne GPS nicht mal die Fahne oder den nächsten Abschlag.

Wo bleibt die Wahrnehmung?

Na sicher, schimpfen Sie mich ruhig ewig gestrig, altmodisch, antiquiert. Aber Golf, wie es gemeint war, ist doch ein Ausflug in die Natur, mit Blick und allen Sinnen für den Platz, die umgebende Landschaft und das eigene Spiel. Es kommt auf Gefühl an, auf Augenmaß, auf unsere Rezeptoren und deren Signale, auf die ureigenen Wahrnehmungen!

Stattdessen fahren wir mit dem Cart über den Platz statt zu laufen, lassen uns via GPS von Loch zu Loch leiten statt ein Verständnis für die räumliche Ordnung zu entwickeln, schätzen Entfernungen mit Lasern statt unser räumliches Sehen zu nutzen, lesen in irgendeiner App die Features des vor uns liegenden Lochs und lassen uns vom „Deus ex machina“ eine Handlungsempfehlung vermitteln statt uns umzuschauen, die Designelemente wahrzunehmen und kreativ in die Spielplanung einzubeziehen.

Übrigens: Es rennen Leute mit „Rangefindern“ über den Platz, die nicht wissen, wie weit ihr nächster Schlag grundsätzlich reicht, Tipp: Immer kürzer, als man hofft. Schließlich notieren wir unsere Zwischenergebnisse im Handy statt uns die paar Schläge einfach mal zu merken.

Fehlt eigentlich bloß der Roboter, der uns sogar das Schwingen abnimmt – Rory McIlroy ist ihm ja bereits begegnet –, wir könnten direkt vom Parkplatz zum 19. Loch durchlaufen und in den Bierschaum schwadronieren, was derweil die Technik für uns absolviert und erlebt!

Golf wird auch draußen zur Simulation

Just denke ich an die Flightpartnerin bei einem Frühjahrsturnier, die vom ersten bis zum 18 Loch vor allem Augen für das hatte, was ihr Smartphone anzeigte. Das ist wie bei dem Phänomen, wenn die Leute beim Gehen derart aufs Handy starren, dass es demnächst eine App gibt, die vor Laternenpfählen, Begrenzungspfosten und sonstigen Hindernissen warnt.

Ok, der erwähnten Sportkameradin ist zugute zu halten, es war ihr Heimatplatz, den kennt sie eh. Trotzdem: Die ganze Technik, dieses Zuviel an Technik, nimmt wesentliche Aspekte unseres geliebten Spiels aus dem Spiel. So wird Golf auch draußen zur Computersimulation.

Und was machen wir jetzt mit diesem Beitrag? Wenn sie ihn als Ventil für vorweihnachtlichen Stressabbau nutzen möchten, nur zu! Vielleicht schmunzeln und zwinkern sie jedoch einfach mit mir. Ich sichte jetzt mal meine elektronisch gespeicherten Scorekarten. Frohe Weihnachten!

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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