Golf Equipment: Die Entwicklung des Materials ist ausgereizt
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Golf-Equipment: Geschichte wiederholt sich bekanntlich

Was heute auf den Markt kommt, war alles irgendwie schon mal da. Die Entwicklung von Werkstoffen und Bauweisen scheint bei Golfschlägern ausgereizt.

Driver mit Trampolineffekt
Driver von 1902 mit Technik zur Gewichtsverlagerung und "Trampolineffekt" im Kopf (Foto: Golf Post)

Rory McIlroy hat's, Luke Donald und Tiger Woods haben's auch: Während uns Otto-Normal-Golfern noch die nächste „Wunderwaffe“ angekündigt wird, die bestimmt die eine oder andere Macke im Schwung ausbügelt, steckt das neueste Schlägermaterial des jeweiligen Ausrüsters bei den Top-Professionals zumeist längst im Bag.

Das Ende ist erreicht

Rory und Co. sind halt Markenbotschafter; und Marketing ist heutzutage alles. Denn die Industrie scheint mit der Verwendung von Kohlefaser in den Schäften, Titan und Kevlar in den Köpfen und allerlei Gestaltungs-Gimmicks bei der Bauweise am Ende ihrer Möglichkeiten bei den Golfschlägern angekommen zu sein. Falls nicht irgendein genialer Wissenschaftler doch noch einen neuen Werkstoff entdeckt und verbaut, wird es keine wirklichen Entwicklungssprünge bei Golfschlägern mehr geben. Mal ganz abgesehen davon, was dann die Zulassungsgremien von R&A und USGA dazu sagen.

Also ergehen sich die Hersteller von Golfschlägern in kleinen Finessen und großen Gesten. Der Rummel um Nikes neues feuerrotes und „spaciges“ Spielmobil namens VRS-Covert Driver, der Anfang 2013 auf den Markt kommt, veranschaulicht das sehr deutlich. Wenn nur noch marginale technische Fortschritte bei Golfschlägern zu erzielen sind, dann zählen vor allem Design und Präsentation von Puttern und Drivern.

McIlroy: Bei Schlägern gibt es keine großen Unterschiede mehr

McIlroy, der durch seinen Wechsel von Titleist zum „Swoosh“ (Nike) wieder in den Genuss neuesten Materials gekommen ist, wurde im Vorhinein auf mögliche Auswirkungen auf sein Spiel angesprochen. Die Antwort war sehr aufschlussreich: „Ich mache mir diesbezüglich keine Sorgen“, sagte der Weltranglistenerste, nachdem er mit den neuen Golfschlägern geübt hatte und sich „ganz wohl“ dabei fühlte: „Die Hersteller haben alle tolles Equipment, viele lassen ihre Schläger in den gleichen Fabriken fertigen. Da gibt es keine großen Unterschiede mehr.“

Driver mit Trampolineffekt

Driver von 1902 mit Technik zur Gewichtsverlagerung und "Trampolineffekt" im Kopf (Foto: Golf Post)



Auch nicht mehr viel revolutionär Neues. Seit der erste Golfschläger aus dem schief gewachsenen Stämmchen eines Dornbaums geschnitzt wurde, seit später Hickory-Schaft und Persimmon-Kopf das Maß aller Schläger-Dinge waren, sucht der „Homo ludens“, der spielende Mensch, nach dem bestmöglichen Material zur Steigerung des golferischen Erfolgserlebnisses.

Das meiste war im Lauf der Historie schon mal da

Dabei ist er von jeher kreativ und findig. Geschichte wiederholt sich bekanntlich: Das meiste, was heutzutage als letzter Schrei aus dem Labor angepriesen wird, war nämlich im Lauf der vielhundertjährigen Golf Historie schon mal da. Nur zwei Beispiele: Schon 1902, sehr lange bevor TaylorMade mit variablen Schraubgewichten für Furore sorgte, ließ sich in den USA ein gewisser Henry Febiger einen Driver patentieren, in dessen ausgehöhltem Kopf etliche lose Kügelchen für vorteilhafte Gewichtsverlagerung beim Schwung sorgten. Und Schläger mit verstellbarem Loft, wie sie mittlerweile fast alle Driver-Produzenten anbieten, gab es als Eisen schon 1899.

Wahrscheinlich kann Old Tom Morris auf dem Golf-Olymp über das ganze Werbe-Tamtam nur müde lächeln.

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  1. Stefan Neefischer

    Ich habe zu diesem Thema eine kleine Studie angefertigt wo alle Drivingstatitistiken von 1980 bis heute auf der USPGA-Tour analysiert wurden. Im Fokus stand dabei wie sich Schlaggenauigkeit und Drivingdistanz entwickelt haben und welche technologischen Entwicklungen die größten Erfolge waren. Den Artikel findet hier unter http://golfshopdeals.de/#!/blog/article/einfluss-von-technologie-auf-schlaglaenge-von-golfdrivern

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