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Golf in der Wüste: Prasserei mit Wasser ist nur der Anfang

Täglich wird für Golfplätze in der Wüste viel Wasser verbraucht. Aber damit ist's nicht getan; das eigentliche Problem liegt woanders.

Die Golfanlagen in der Wüste müssen aufwendig bewässert werden. (Foto: Getty)

Die Wüste lebt! Knapp 20 Golfanlagen mit insgesamt 24 Neun- und 18-Loch-Kursen weisen einschlägige Handbücher allein für die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und für Katar aus. Das sind 369 Golflöcher, damit die Golfstaaten als Golfdestinationen punkten können. Dem Sand abgerungen durch enormen Aufwand und ungeheuren Einsatz von Ressourcen, von Wasser zuvorderst.

Täglich 30.000 Badewannen

Der Dubai Creek Yacht & Golf Club beispielsweise verbraucht täglich 3,5 Millionen Liter. Mit dieser Menge lassen sich 30.000 Badewannen füllen. Um Tiger Woods‘ mittlerweile stillgelegtes „Al-Ruwaya“-Projekt in Dubai anständig zu beregnen, wurden täglich sage und schreibe 15 Millionen Liter Wasser veranschlagt. Das mutet tatsächlich an wie ökologischer Unfug. Wobei: Die zu bewässernde Fläche macht‘s letztlich aus, 235 Hektar gleich 2,35 Millionen Quadratmeter. Pro Quadratmeter wären es in „Al-Ruwaya“ knapp sechseinhalb Liter gewesen, die schüttet unsereins Sommertags auch auf die Tomatenpflanzen im Balkonwinkel. Und auf hiesigen Golfanlagen werden im Sommer jede Nacht auch hunderttausende Liter vergossen.

Am Rand der Wüste aber sind sie in Sachen Wasser-Prasserei globale Spitzenreiter. Während in Deutschland laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2010 durchschnittlich 121 Liter verbraucht wurden (weltweit 180 Liter), liefen in den Emiraten 550 Liter pro Einwohner und Tag durch den Hahn. Aber warum auch sparen? Die dortigen Staatsbürger müssen für‘s Wasser nicht bezahlen, selbst bei ausländischen Einwohnern wird der Preis hoch subventioniert, liegt bei zehn Euro pro Monat. Wasser gilt als Allgemeingut, ist nach muslimischem Glauben ein von Allah gewährtes Geschenk, dem wahren Gläubigen soll es nie an Wasser mangeln.

Emissionen und Sole

Dafür sorgen die Regierungen mit leistungsstarken Pumpwerken zur Grundwasser-Gewinnung, die rund 20 Prozent des Bedarfs decken, und gigantischen Entsalzungsanlagen. Abu Dhabi, wo in dieser Woche der „Desert Swing“ der European Tour startet, produzierte 2010 durch Aufbereitung des Wassers aus dem Golf 800 Millionen Liter Trink- und Brauchwasser. Pro Tag. Für eine Million Einwohner.

Hier findet sich der wahre Wahnwitz des wüsten Umgangs mit dem Wasser. Bei den vermeintlichen „Kollateralschäden“ im Ökosystem. Die sind nämlich längst zum eigentlichen Pferdefuß des immensen Wasserverbrauchs geworden. Der Grundwasserpegel sinkt immer weiter und bietet dem hineindrückenden, salzigen Meerwasser nicht mehr genug Widerstand. Die energieaufwändigen Entsalzungsanlagen werden mit Öl oder Gas gefahren, das (noch) reichlich und billig vorhanden ist, bei der Gewinnung des „Treibstoffs“ entstehen Verbrennungsrückstände, Emissionen und Treibhausgase. Der Betrieb mit Solarenergie ist überdies erst in den Anfängen.

Außerdem wird die hochkonzentrierte Salzlösung als Abfallprodukt des Prozesses, die sogenannte Sole, wieder ins Meer zurückgeleitet und sorgt für eine zunehmende Versalzung des Golfs, mit erheblichen Auswirkungen auf die maritime Fauna und Flora. Auch die weitere Wasser-Entsalzung wird so stetig aufwändiger und energieintensiver. Auf den Golfplätzen selbst werden trotz Salz- oder Brackwasser-affiner Gräser und wasserspeichernder Humusdecken jede Menge Düngemittel und Pestizide in den Boden gespült, weil ein opulenter Wassereinsatz wegen der dörrenden Sonneneinwirkung unvermeidlich ist.

Wasserwirtschaft in der Wüste: humanitär absurd

Absurd, fast makaber ist diese Wasserwirtschaft – das soll nicht verschwiegen werden – in humanitärer Hinsicht. „Während am Golf scheinbar unbegrenzte Wassermengen verschwendet werden, leiden gleichzeitig 45 Millionen Menschen im Nahen Osten und in Nordafrika an Wassermangel und mehr als 80 Millionen verfügen über keine Sanitärinfrastruktur“, schrieb der Informationsdienst „Tourismuswatch“ schon 2006.

Und dann gibt‘s noch die widersinnige Note: Die Golfstaaten haben Golfplätze, Abenteuerschwimmbäder, Skihallen und sonstige touristische Attraktionen aus dem sandigen Untergrund gestampft, um vom Öl unabhängig zu werden. Jetzt verheizen sie ihre Rohstoffe, um genau dieses Angebot und den Tourismus am Laufen zu halten.

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Michael F. Basche
Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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