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Wer ist eigentlich ein ‚Golfer‘? Eine Betrachtung

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20. Jan 2016
Golf-Zahlen sind unterschiedlich - aber welche ist die richtige? (Foto: Getty)
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Bevor der DGV die Golfer-Zahlen für 2015 verkündet, fragen wir uns: Ab wann ist man eigentlich Golfer? Und wie sehen das andere Länder?

Es ist wieder soweit: Der Deutsche Golfverband (DGV) gibt am Mittwoch seine Golfentwicklungszahlen aus 2015 bekannt und die Golf-Nation wartet gespannt darauf, wie sich die millionenschwere Werbekampagne auf die Mitgliederentwicklung ausgewirkt hat. Im Frühjahr 2015 hatte der DGV mit einer 4,9 Millionen Euro schweren Image-Kampagne in Form von TV- und Plakatwerbung begonnen, deren Slogan „Mitten ins Glück“ polarisierte. Hat es sich gelohnt? Die Zahlen werden es zeigen.

Doch bevor die Zahlen bekannt gegeben werden, wagen wir einen Blick auf die globale Golfentwicklung und schauen uns die Zahlen in Großbritannien und den USA an – und fragen uns vor allem: Wer wird eigentlich als ‚Golfer‘ gezählt?

„Golf“-Entwicklung oder „Club“-Entwicklung?

In Deutschland ist die Golfentwicklung statistisch eng an das Clubgolf gebunden. Der DGV veröffentlicht jährlich die Zahlen der organisierten Golfer, also der Spieler, die Mitglied in einem Club sind. In dieser Hinsicht hatte die Entwicklung zuletzt stagniert. Im Jahr 2014 kamen deutschlandweit 1402 neue Golfspieler in die Clubs, ein Plus von 0,2 Prozent.

Nicht erfasst werden in dieser Statistik etwa Gelegenheitsspieler ohne Mitgliedschaft, die das immer größere Angebot von „Pay & Play“-Golf nutzen. Das gilt genauso für andere Formen von Golf, wie Crossgolf oder Minigolf. Doch ist diese Vorgehensweise vor dem Hintergrund einer sich wandelnden Gesellschaft noch angemessen? In Großbritannien wurde zuletzt eine umfassende Erhebung in Auftrag gegeben, die das komplette Gegenteil darstellt.

Golf in UK – viel mehr als Clubs

Die von der European Tour zur Erfassung von Golf in Großbritannien in Auftrag gegebene Erhebung lief unter der Überschrift „Golf Actives“, also „Golf-Aktive“. Das erklärte Ziel: Es sollen alle Personen in Großbritannien erfasst werden, die sich in ihrem Leben mit Golf beschäftigen: Clubgolfer, Kurzplatz-Spieler, Computer-Golfspieler, Minigolfer.

Die Studie deckte auf, dass elf Millionen Briten mit dem Golfsport zu tun haben, ein Sechstel der Bevölkerung, 1,7 Millionen davon Jugendliche. Und zu denen sagte Keith Pelly, der neue Tour-Chef: „Spielen sie auf einem 18-Loch-Golfplatz? Nein, noch nicht! Doch sie golfen irgendwie und haben Spaß daran!“

Gespieltes Golf in den USA

Die USA wählen noch einen anderen Weg, um die Entwicklung in ihrem Land zu erfassen. Die National Golf Foundation (NGF) erhebt seit 1986 jährliche Zahlen und konzentriert sich dabei vor allem auf das gespielte Golf, im Gegensatz zu Mitgliedszahlen. Unter Einbezug von Faktoren wie Wetter („rounds per playable day“), durchschnittlicher Anzahl an gespielten Runden und dem „Interesse an Golf“ trifft die NGF die Aussage, das sich Golf in den USA nach den rezessiven Entwicklungen der letzten Jahre wieder stabilisiert.

Vor dem Hintergrund, dass Golf in den USA ein Breitensport ist, der, im Gegensatz zur deutschen Landschaft, viel freier von Vereins- und Verbandsstrukturen betrieben werden kann, erscheint eine solche Herangehensweise sinnvoll. Aber auch hierzulande wäre eine andere Golferdefinition möglich: Das golfungebundene Statistikportal „Statista“ zum Beispiel zählt als Golfer all jene, die im Untersuchungsjahr Golf gespielt haben – ob clubgebunden oder nicht.

Wir spielen doch alle Golf

Nun werden also in Deutschland die Zahlen für 2015 veröffentlicht, zum ersten Mal seit der Image-Kampagne des DGV. Doch egal wie die Zahlen sein werden, wir werden die Antwort auf nur eine Frage beantwortet bekommen: Wie ist es um das Clubgolf in Deutschland bestellt? Was wir aber nicht erfahren werden: Wie ist es um den Golfsport in Deutschland bestellt?

In unserer heutigen Zeit gehören viel mehr Menschen zum Golf als nur die Mitglieder der Clubs. Ob am Strand, im Park oder auf dem Championship Course – Golf spielen wir doch alle. Oder nicht?

Oliver Felden

Oliver Felden - Freier Autor für Golf Post

Während seines Studiums der Sportwissenschaft und Germanistik kam er über das Crossgolfen auf die gemähten Wiesen der Republik. Seine Waffen sind die kurzen Eisen, doch der Putter bringt ihn noch viel zu oft auf den Boden der Tatsachen zurück. Seine Abschlussarbeit hatte den Titel: "Golf in der Schule - Bildungspotenziale und Grenzen".
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3 LESER-KOMMENTARE

Geben Sie jetzt Ihre Meinung zu diesem Thema ab
  1. Zum Thema Hobby Journalist:
    Hier nochmals der Wortlaut: „Im Jahr 2014 kamen deutschlandweit 1402 neue Golfspieler in die Clubs, ein Plus von 0,02 Prozent.“
    Respekt Herr Felden, wenn bei Ihnen der Zuwachs von 1.402 neue Golfer im DGV in 2014 nur 0,02% sind, dann wäre nach Ihrer Rechnung der DGV mit 70.100.000 Golfer (in Worten: siebzig Millionen und einhundert Tausend) ein mächtiger Verband und die Golferquote bei knapp 7 von 8 Deutschen.
    Bitte in Zukunft tiefer in die Rechere einsteigen, wenn schon Statistiken bemüht werden.

    Grüße aus dem verschneiten und golfrundenfreien München

    HP Schmid

    Antworten

    • Oliver Felden

      Hallo Herr Schmid,

      herzlichen Dank für Ihre Anmerkung. Da hat sich tatsächlich eine null zuviel hinter dem Komma eingeschlichen. Es ist jetzt geändert. Also noch einmal vielen Dank, sehr freundlich, dass Sie mich darauf hingewiesen haben.

      VG, Oliver Felden

      Antworten

  2. Ein sehr guter Artikel! Mal abgesehen von der Einbeziehung der Minigolfer sehr stimmig. Verbände und Clubs sind die Basis des Sports, aber längst sind sie auch Anbieter auf einem sich erweiternden Markt. Das Modell des ausschließlichen Clubgolfens – ich sage mal Heinz Wolters und seine Anhänger – ist nicht zukunftsfähig.

    Antworten

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