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Tiger Woods erbost von Satire-Interview: „Es ist Rufmord“

20. Nov 2014
Tiger Woods ist not amused: "Über die meisten Medienberichte sieht man hinweg, aber bei manchen kann und sollte man das nicht tun", leitete der Golf-Profi seine Gegendarstellung zum Fake-Interview von Dan Jenkins ein. (Foto: Getty)
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Journalisten-Legende Dan Jenkins veröffentlicht ein ‚Fake‘-Interview mit Tiger Woods – und bekommt prompt eine Antwort.

Dan Jenkins ist eine Ikone des Golfjournalismus. Der Texaner war seit der US Open 1951 bei über 200 Majors im Einsatz, hat mehr als 20 Bücher verfasst und alle Großen und die Größten des Spiels zum persönlichen Gespräch vor dem Notizblock gehabt. Nur Tiger Woods nie. Warum auch immer. Jetzt hat sich Jenkins den Spaß gemacht, für „Golf Digest“ ein fiktives und unübersehbar als „Fake“ ausgewiesenes Interview mit dem Superstar zu kreieren. Bloß, Woods kann über die Parodie gar nicht lachen. Stattdessen schrieb der Tiger höchstselbst eine gallige Stellungnahme und nennt Jenkins‘ Werk „neiderfüllten Rufmord“.

„Unter die Gürtellinie“

Unter dem Titel „Mein (fingiertes) Interview mit Tiger – Oder wie es sich in meiner Phantasie abspielte“ zieht die Schreiberlegende Woods gehörig durch den Kakao. Sei‘s der Ruf als schlechter Trinkgeldgeber, die gescheiterte Ehe mit Elin Nordegren oder der mittlerweile sechsjährige Major-„Entzug“ und die verbleibende Zeit, um Jack Nicklaus‘ Rekord zu knacken: Jenkins lässt in seinen „Fragen“ kaum etwas aus und den Tiger meist eher einsilbig antworten.


Auf der Webseite „The Players‘ Tribune“, die vom Ex-Baseballstar Derek Jeter für die Kommunikation zwischen Sportlern und Fans betrieben wird, ging Woods mit einer Kolumne namens „Nicht wahr, nicht lustig“ zum Gegenangriff über: „Ich denke, dass ich durchaus Sinn für Humor habe und auch bereit bin, über mich selbst zu lachen. Aber dieser zusammengebraute Artikel zielt unter die Gürtellinie.“

Ein paar Beispiele gefällig? Jenkins, der im Lauf seiner Karriere allein für Sports Illustrated mehr als 500 Beiträge verfasste und 2012 in die Golf-Ruhmeshalle aufgenommen wurde, fragt mit Blick auf die häufigen Trainerwechsel, warum Woods seinen Manager Mark Steinberg nicht auch schon gefeuert habe? „Das kommt vielleicht noch“, lautet die – erfundene – Antwort. „Ich liebe es, Leute zu feuern. Das füllt meine Zeit aus, wenn ich nicht gerade an meinen Golfschlägen arbeite.“

Management verlangt Entschuldigung

Oder zum Skandal um die außerehelichen Affären: „Wie fällt für Dich die Moral von der Geschichte aus?“ Antwort: „Das ist ganz einfach. Lass Dich nicht erwischen!“ Zum Woods-Kritiker Brandel Chamblee „zitiert“ Jenkins seinen „Interview-Partner“: „Chamblee? Hat der ein Major gewonnen? Hat er überhaupt mal ein Major gespielt?“ Und in Sachen Trinkgeld legt der Journalist dem Golfstar in den Mund: „Warum soll ich Leuten ,Tip‘ für etwas geben, für das sie eh bezahlt werden? … Wenn sie Trinkgeld zur Gehaltsaufbesserung brauchen, dann sollen sie sich einen besser bezahlten Job suchen.“

„Ich war ziemlich überrascht, als ich sah, dass dieses Stück von Dan Jenkins ist. Denn er ist einer der hervorragendsten Schreiber, die es gibt“, erklärte Woods in seiner Gegendarstellung und spricht von „purer Gemeinheit“, die er nicht auf sich sitzen lassen könne. Sein Management hat sich offiziell bei „Golf Digest“ beschwert („Diese Bemerkungen sind keine Witze, sondern Ehrverletzungen“) und verlangt eine Entschuldigung.

Der Verlag hingegen weist darauf hin, dass der Beitrag deutlich als Fiktion gekennzeichnet sei. Auch Dan Jenkins hat sich geäußert. Auf Twitter. „Meine nächste Kolumne für Tiger: Die Definition von Satire und Parodie“, „zwitscherte“ das 84-jährige Journalisten-Urgestein: „Ich dachte, ich hätte ihn bei der Sache gut wegkommen lassen.“

Würze für die Saure-Gurken-Zeit

Fazit: Ein hochdekorierter Journalist wie Dan Jenkins hat derart flachen Mumpitz nicht nötig. Und Tiger Woods macht aus der Sache erst eine Affäre, weil er etwas aufkocht, was eher wirkt wie die dümmliche Idee eines Anfängers. Viel Lärm um nichts, aber ganz gut geeignet, die Saure-Gurken-Zeit auf der US-Tour ein bisschen zu würzen. Ende der Geschichte! Ach, eins noch: Ein echtes persönliches Interview mit Woods wird Jenkins jetzt gewiss nicht mehr kriegen.

Was denken Sie: Ist Woods überempfindlich oder hat Satire ihre Grenzen?

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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4 LESER-KOMMENTARE

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  1. Rainer Tornow

    Wer kennt Tiger wirklich? Wenn man derart im Zentrum der Aufmerksamkeit (seit vielen Jahren) steht, gibt es sicherlich einen Medien-Tiger und einen Privatmann. Idealerweise würde ein Mensch – wenn er authentisch ist – keinen Unterschied darin machen (s.Martin Kaymer). Mir tut Tiger irgendwie leid, auch wenn das komisch klingen mag. Als ehemalige (?) Golf Ikone hat er irgendwann in seinem Leben das Fairway verfehlt und sucht seither wieder auf die Spur zu kommen. Der Fake-Artikel bedarf wohl keines Kommentars, wie blöd müssen denn Leser sein, wenn sie sich an soetwas erfreuen?

    Antworten

  2. Ein Stern verplasst und Tiger wird immer dünnhäutiger. Spaß hatte er nur mit seien Kumpels und Affären. Ich hatte vor vielen Jahren das Vergnügen Tiger vor den Toren Hamburgs bei den SAP Open persönlich kennenzulernen. 1.000.000,– Antrittsgeld, einen Ferrari zur unentgeltlichen Benutzung wurden im zugestanden. Sein Auftritt war arrogant und introvertiert. Ich war damals Mitarbeiter bei SAP, zusammen mit einer Handvoll Menschen warteten wir bis Tiger und sein Kumpel (kein Golfer) mit dem gesponserten Ferrari vorfuhren und lachend miteinander scherzend ausstiegen. Ein kleiner Junge ging auf ihn zu und wollte ein Autogramm. Er schaute den kleinen Kerl gar nicht an ! Er ging vorbei und ich war total schockiert von der Herzenskälte und Arroganz. 30 Minuten später hatte ich persönlich die Gelegenheit Tiger darauf anzusprechen. Seine Antwort: warum sollte ich ein Autogramm geben, die wollen doch alle nur mit meinen Namen bei Ebay Kohle machen !!! Seither habe ich meine bis dato possitve Meinung über ihn grundlegend geändert.

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  3. Alfred Braunsteiner

    Manch Journalist sollte erkennen wenn sein Zenit überschritten ist, wie lange dürfen sich die Leute noch das Maul über den untreuen Tiger zerreissen? Mich interessiert wann Tiger wieder spielen kann und ob er es schafft nochmals an die Spitze anzuschließen.
    Ob der große Tiger Trinkgeld gibt oder der kleine Tiger schlimm ist kann mir wurscht sein, ich lebe mein Leben so interessant wie möglich und will Tiger Woods spielen sehen, dafür drehe ich den Fernseher auf. Gott schütze uns alle vor den Groupies !!

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    • Ich kann mich dem Kommentar von Alfred Braunsteiner nur anschliessen und erweitere den letzten Satz:
      Gott segne und schütze die Groupies!!

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