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Ryder Cup Report: Dinge gibt’s, die gibt’s gar nicht

27. Sep 2014
Der schottische Kilt: Zusammen mit einem Ryder-Cup-Pullover der ganz heiße Trend in Gleneagles. (Foto: Getty)
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Golf in Schottland at its best: Der Name Fairway ist Programm, Kilts sind en Vogue und Team USA will das Momentum.

VorOrt_Juliane_Matthias_hochkant KopieEric steht am siebten Grün des Centenary Course und geht mit dem „Quiet“-Schild in seiner Hand sehr zurückhaltend um. Vielmehr ist der Schotte, leidenschaftlicher Golfer und freiwilliger Helfer beim Ryder Cup interessiert daran, dass alle auf ihre Kosten kommen. Und er trägt einen interessanten Nachnamen: Fairway. Das gibt’s wohl nur beim Ryder Cup, denke ich, aber nein: Er zeigt seinen Ausweis, der Name ist echt. Eric Fairway genießt es, den Ryder Cup quasi vor seiner Tür zu haben: „Er war so lange nicht mehr in Schottland und es ist toll, dass es endlich soweit ist“, sagt er und nickt dabei, stolz, Gastgeber des Ryder Cups zu sein, nachdem der letzte vor 41 Jahren das letzte Mal im Home of Golf stattfand.

Volle Tribünen um 6:30 Uhr

Nicht nur er, auch US-amerikanische, britische, französische, australische (…) Zuschauer haben sich im Gleneagles Golf Resort eingefunden. Halb sieben Uhr morgens sind die Tribünen voll besetzt. Wer einen Platz an den beliebten Spots des ersten Abschlags oder 18. Grüns haben möchte, muss dann eben mal zwei Stunden bei 13° Celsius ausharren können.


Wie lautet der Spruch eigentlich: Bei schlechtem Wetter kommt das bessere Publikum. Hier ist kein schlechtes Wetter nötig, das Publikum ist erste Sahne. Da wird ein anerkennendes „Ohhhh“ oder ein abwinkendes „Hm hm“ schon geäußert, wenn der Ball den Schläger gerade erst verlässt und seine Flugkurve noch gar nicht zu erkennen ist. Die Spieler merken das und fühlen sich und ihr Spiel sichtlich wertgeschätzt – vor allem weil in den ersten Runden am Freitag im TV unsichtbare Faktoren wie Wind und langsame Grüns das Spiel ausmachten.

Auch auf der Medientribüne ist alles proppenvoll: Vor dem ersten Abschlag am Freitag war die Medienbox mit Platz für 150 Journalisten sogar schon vorzeitig so gefüllt, dass irgendwann keiner mehr raufgelassen werden konnte. „Das geht nicht, das sind die wichtigsten Schläge des Turniers!“, bellte ein eigentlich pünktlicher und doch zu spät gekommener englischer Kollege einen sichtlich eingeschüchterten Volunteer an. Na klar: Den ersten Abschlag, den wollten alle sehen. Nicht nur deshalb ist es wieder eine dieser vielen netten Randgeschichten, dass ein Volunteer daraufhin auf eigene Faust für alle Journalisten einen Platz auf anderen Tribünen organisierte, nur nicht für sich, denn er musste auf seinen Posten zurück.

Webb Simpson: „Schmach von Medinah wiedergutmachen“

Auf der Suche nach der letzten Portion Motivation für’s Team wurde aus dem US-amerikanischen Lager vor dem ersten Match noch interessante Geschichten lautbar. Webb Simpson gab zum besten, er habe Tom Watson in der Nacht vor den Captain’s Picks eine beschwörende SMS geschrieben, in der er beteuert habe, unbedingt zum Ryder Cup zu wollen „um die Schmach von Medinah wiedergutzumachen“. Dieser SMS verdanke er wohl seinen Captain’s Pick, vermutete er. Und tatsächlich: Dass Tom Watson hier im Siegesfalle „Redemption“ für die USA (Erlösung) forderte, passt zu Simpsons Schilderung.

Simpson durfte dann direkt auch den ersten Abschlag des gesamten Turniers machen und war so nervös, dass er den Ball nicht richtig traf und ihn nur ein paar Meter weit vom Tee hustete, gerade so auf’s Fairway.
Dazu beigetragen hatte sicher auch, dass der routinierteste aller Ansager, Ivor Robson, sich vorher bei seiner Ankündigung versprochen hatte (siehe Video rechts). Als ersten Spieler des Turniers hatte er zunächst Bubba Watson angekündigt, seinen Fehler jedoch sofort bemerkt, als der vermeintliche Bubba sich irritiert zu ihm umdrehte. „Nah… It’s gonna be Webb Simpson“, korrigierte Robson und tausende Zuschauer lachten.

Europäische Idee at it’s best

Noch immer gibt es für die Spieler beim Ryder Cup kein Preisgeld, und sicher geht er genau deshalb so unter die Haut. Fans wollen ihre Kontinentalauswahl ihr Alles für ein gemeinsames Ziel geben sehen. Gerade für Europa ist dieser Teamaspekt des Ryder Cups eine einzigartige Sache. Hier wird die europäische Idee gelebt wie in keinem anderen Wettbewerb von dieser Größe: Neun verschiedene Nationen sind im europäischen Team vereint und werden von vielen als das bessere Mannschaftsgefüge im Vergleich mit Team USA gehandelt. „Europe“-Rufe dominieren Abschläge und Grüns, europäische Flaggen hängen an den Tribünen, nur beim Thema Outfits lässt sich keines der beiden Lager die Butter vom Brot nehmen.

Bubba Watson: „Es ist so leise hier“

Jubeln und Lachen, das gab es vor allem am Vormittag, aber nicht den ganzen Tag über in der Intensität wie am Morgen. In der Nachmittagssession ließ die Stimmung merklich nach, sodass sich nicht nur Bubba Watson wunderte: „Es ist so leise hier. Ich weiß nicht, was es ist, vielleicht trägt der Wind die Rufe in eine andere Richtung, aber es ist anders als in Medinah. Es ist einfach viel ruhiger.“ Das fiel auch Eric Fairway auf, der den ganzen ersten Turniertag am siebten Grün verfolgt hatte: „Die Fans müssen einfach noch lauter werden“, sagt er, während er sich auf sein „Quiet“-Schild stützt. „Das kommt in den nächsten beiden Wettkampftagen aber sicher von ganz alleine.“


Die schönsten Bilder des ersten Ryder-Cup-Tages

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Juliane Bender

Juliane Bender - Leitende Redakteurin bei Golf Post von Juli 2012 bis Februar 2016

Juliane ist Diplom-Sportwissenschaftlerin. Für sie ist das Faszinierende an Golf: Der Sport ist ein guter Lehrmeister, nicht nur, wenn man gerade den Schläger schwingt. Sie finden Juliane Bender auch unter Google+
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