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Auch Europa und die USA leiden unter Golfer-Schwund

22. Jan 2014
Europa und auch die Golfernation USA leiden unter Mitgliederschwund. Deutschland steht vergleichsweise gut da. (Foto: Getty)
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Gelegenheitsspieler wandern auch in anderen Ländern in den clubfreien Bereich ab. Wirtschaftsexperten konstatieren für Golf-Europa ein „sehr sensibles Stadium“.

In ganz Europa kommen den großen Verbänden die registrierten Golfer abhanden. Das Phänomen ist nahezu überall gleich und macht auch vor dem Mutterland des Spiels nicht halt: Großbritannien und Irland haben im Fünfjahres-Zeitraum bis 2011 insgesamt 12,8 Prozent Clubgolfer verloren, 2012 noch einmal 0,9 Prozent (11.300 Personen). In Spanien und Portugal waren es 3,5 bzw. 3,3 Prozent Minus. Selbst im vielzitierten Golf-„Musterländle“ Schweden ist der Bestand von 2010 auf 2011 um 4,1 Prozent geschrumpft. Mit 491.401 registrierten Spielern golfen jedoch immerhin 5,18 Prozent der Bevölkerung, das wird europaweit nur von Island (5,21 Prozent) übertroffen.

4,4 Millionen registrierte Golfer in Europa

Angesichts solcher Zahlen steht der Deutsche Golf Verband mit einem Plus von 6,41 Prozent in den vergangenen fünf Jahren und seinem 2013er-Netto-Wachstum von 0,4 Prozent vergleichsweise noch einigermaßen gut da.


In den benachbarten Niederlanden sind es auch nur 1,8 Prozent (rund 6.900 Zugänge), aber Oranje hat in den Vorjahren mit summierten 35,3 Prozent Wachstum einen mächtigen Sprung nach vorne getan, als der Verband mit dem „Golfvaardigheidsbewijs“ (Platzreife-Ausweis) eine Menge Golfer einfing, die nicht Mitglied eines Clubs waren. „Typische Wenigspieler“, erläutert DGV-Vorstandsmitglied Alexander Klose gegenüber Golf Post. Aber die Niederländer „haben dieses Tor wieder geschlossen“ (Klose). Das heißt: Die niederländischen, freien Golfer müssen für Handicap-Verwaltung etc. erneut den Weg über einen Golfclub nehmen.

Insgesamt waren Ende 2012 im Einzugsgebiet des europäischen Verbands EGA rund 4,4 Millionen registrierte Golfer verbucht. Nach knapp 30 Jahren stabilen Zuwachses, in denen sich das Aufkommen an Spielern verdreifachte und die Zahl der Plätze verdoppelte, entwickelte sich 2010 erstmals ein Negativtrend, der auch im Folgejahr anhielt. 2012 machte sich mit 2.800 Golfer-Zugängen eine leichte Erholung bemerkbar. Daran haben nicht zuletzt die neuen Golfländer im Osten Europas einigen Anteil: Litauen mit 50 Prozent Wachstum, Bulgarien (42 Prozent) und Serbien (41 Prozent).

In einem Jahr 11.500 Nachwuchsspieler verloren

Allerdings kehrten 2012 insgesamt auch 11.500 Nachwuchssportler (-2,7 Prozent) dem Spiel den Rücken. Ganz folgerichtig betonen die Wirtschaftsexperten von KPMG, dass sich der „europäische Golfmarkt durch die stagnierende oder gar rückläufige Entwicklung in einem sehr sensiblen Stadium“ befinde.

Die Ursachen für den generellen Schwund sind nicht nur bei der gern und viel beschworenen Finanzkrise zu suchen. Vor allem die Abwanderung der Gelegenheitsspieler in den „Non-Member“-Status macht den nationalen Verbänden zu schaffen. Bei einem Halbdutzend Golfrunden pro Jahr kommt Greenfee halt deutlich günstiger als eine Clubmitgliedschaft. Das betrifft besonders die britischen Inseln, wo es keiner Verbandsregistrierung bedarf, um als Pay-&-Play-Kunde über die Fairways zu ziehen.

Eine Entwicklung übrigens, die auch hierzulande von immer mehr Anlagen, gerade im ländlichen Bereich und auch in touristischen Regionen, toleriert wird. Oder wie es ein Golfplatz-Manager (der ungenannt bleiben will) zum Thema Clubausweis und Handicap einmal formulierte: „Die einzige Karte, die mich interessiert, ist die EC- oder Kreditkarte.“

USA verzeichnet 4,7 Millionen Abgänge seit 2005

Jenseits des großen Teichs sieht es nicht anders aus. Zwar schlagen in Amerika nur rund 16 Prozent der aktuell 25,3 Millionen Golfer als registrierte Clubmitglieder und mit einem Handicap des US-Verbands USGA ab, aber die National Golf Foundation (NGF) zählt auch bei den „casual golfers“ genau nach: Von 2011 auf 2012 gaben 400.000 Personen Golf offenbar ganz auf, seit 2005 sind damit insgesamt 4,7 Millionen Spieler abgesprungen– für die NGF eine „beunruhigend große Zahl“.

Beim Typus „Once Committed“, sozusagen dem Otto Normalgolfer, weiß man auch, was ihn zur Aufgabe veranlasst hat: Zeitaufwand, zu hohe Kosten, gesundheitliche Gründe, mangelnde Spielpartner, andere Interessen, in dieser Reihenfolge. Und auch über die „Never Committed“, das sind diejenigen, die Golf nach kurzem Schnuppern direkt wieder dran gegeben haben, sammelt die NGF Erkenntnisse: Nämlich, dass Golf ihnen zu schwierig war, zu frustrierend, sie fühlten sich nicht wohl dabei. Kurz: Es hat keinen Spaß gemacht.

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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