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Doral nach dem Umbau: Das Blaue Monster hat wieder Biss

01. Mrz 2016
Das Blaue Monster verbreitet seit 2014 wieder Angst und Schrecken. (Foto: Getty)
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Trump zahlte, Hanse baute: Ein neuer Kurs auf altem Layout. Seit der Cadillac Championship 2014 ist das Wasser wieder im Spiel.

Auch ein Donald Trump bekommt nicht immer seinen Willen. Der US-Milliardär und Immobilien-Tycoon wollte aus dem 15. Loch des „TPC Blue Monster at Doral“ eine Kopie der berühmten Inselgrün-17 von Sawgrass machen. Aber Gil Hanse redete seinem Auftraggeber die Idee aus. Stattdessen baute der Architekt ein Halbinsel-Par-drei, dem schon Loblieder gesungen wurden, kaum dass der Rasen angewachsen war. Wie überhaupt das gesamte neue „Blaue Monster“, das seit 2014 die frisch polierten Zähne fletscht, ziemlich beeindruckend geraten ist.

„The Donald“, der, bevor er seine Leidenschaft für die US-amerikanische Präsidentschaft entdeckte, lange Zeit Golfplätze und Golfresorts sammelte wie weiland seine berühmten „Trump Towers“, kaufte das „Doral Golf Resort & Spa“ vor den Toren Miamis 2011 für schlappe 150 Millionen Dollar. Als erste Maßnahme wurde die 90-Loch-Anlage samt 700 Gästezimmern, Ballsälen, Konferenzräumen und Wellness-Tempeln zum „Trump National Doral“ umgetauft.


Freie Hand für den Designer

Danach machte der deutschstämmige Unternehmer weitere 250 Millionen Dollar locker und möbelte das Resort per Generalsanierung seither zum glamourösen Hotspot auf, in dem regelmäßig allerhand Schicki-Micki-Gedöns wie Wodka-Cocktail-Parties oder Modenschauen seiner Tochter Ivanka stattfinden. Und Gil Hanse verpasste dem betagten Meisterschaftsplatz eine Frischzellenkur: Das „Blaue Monster“, 1962 von Dick Wilson angelegt, war in die Jahre gekommen, die Entwicklung der Schlaglängen hatte es stumpfzahnig werden lassen.

Der Designer erhielt freie Hand: „Tue, was immer Du für nötig hältst, um den bestmöglichen Platz draus zu machen“, lautete Trumps Ansage. Unmittelbar nach der Siegerehrung für Tiger Woods rollten 2013 die Baumaschinen an. „Es war keine Sanierung oder Renovierung“, sagt Hanse, der auch den Olympia-Kurs für Rio 2016 baut: „Letztlich haben wir einen neuen Golfplatz geschaffen.“ Dem Designer gelang dabei das Kunststück, dies – bis auf wenige Ausnahmen – auf Basis des Originallayouts fertigzubringen. Er verfeinerte Wilsons Konzept, passte es modernen Golf-Verhältnissen an, ohne die Handschrift seines Vorgängers komplett auszuradieren. Das „Blaue Monster“ hat jetzt wieder Biss.

400 Meter zusätzliche Länge

Der gesamte Platz, der sich über splendide 121 Hektar erstreckt, bekam einen dicken Sandüberzug: Um sowohl spielrelevante Modulationen in die eher flachen Fairways zu bringen und damit das „Shot Making“ zu fordern, als auch die Entwässerung zu verbessern. Sämtliche Grüns wurden neu aufgebaut, teils um mehr als das Doppelte erweitert und schwieriger konturiert, alle Bunker renoviert und klassisch geformt, wo sie zuvor eher blumige Umrisse hatten.

Vor allem aber brachte Hanse das reichlich vorhandene Wasser wieder ins Spiel, das dem Parcours immerhin seinen Namen eingebrockt hatte. Er vergrößerte die Teiche und verlegte den Schwung der Fairways näher ans Nass. 14 Löcher wurden umgestaltet, zwölf davon mit deutlichen Veränderungen. Der Par-72-Kurs gewann so knapp 400 Meter Länge, misst jetzt von den Champion-Tees 6.867 Meter.

„Wünschte mir, Trump wäre in Rio“

Die 15 sticht besonders ins Auge, das Par drei mit der Halbinsel, 2013 noch Nummer 471 im Schwierigkeits-Ranking der PGA Tour. Trotz nahezu verdreifachter Grünfläche verlangt Hanse einen präzisen Schlag mit 140 Metern „carry“. Weil je nach Fahnenposition rechts ein fieser Bunker und an den anderen drei Seiten halt neuerdings Wasser lauert. Loch 16 wiederum verwandelte der Designer in ein 310-Meter-Par-vier, dessen Grün mit dem Drive erreichbar ist – wenn man sich nicht vom Wasser einschüchtern lässt.

Die 18 freilich, das dramatische Finale, bei dem vom Abschlag bis zum Grün links stets der Teich droht, blieb unverändert. „Es hat so viel Qualität und Spannung und wäre wirklich das allerletzte Loch, das ich hier ummodeln würde“, sagte Gil Hanse bei der Vorstellung des neuen „Blauen Monsters“. Dann kam noch ein Seitenhieb Richtung Olympia-Golfplatz, wo er wegen externer Probleme ein Jahr hinter dem Zeitplan hing und dessen Fertigstellung alles andere als eine Formsache war: „Ich wünschte, Donald Trump wäre in Rio: Wir hätten in weniger Zeit längst mehr geschafft!“

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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