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Die Rückkehr des Tigers: „Mit dem Schwung kann Woods siegen“

Riesenrummel um das Comeback des Superstars, der „unbedingt einige der Jungs schlagen“ will. Kollegen und Beobachter beeindruckt.

Tiger Woods Comeback Hero World Challenge 2018
Das Comeback von Tiger Woods verursacht einen riesigen Aufruhr in der Golfwelt. Die Prognosen für seinen ersten Auftritt gehen auseinander. (Foto: Getty)

Er ist wieder da. Nie wurde in der neueren Sportgeschichte ein derartiges Gewese um ein Comeback gemacht – nicht mal, als Michael „Air“ Jordan 1995 nach kurzem Baseball-Intermezzo wieder zum Basketball griff. Morgen spielt Eldrick Tont Woods, genannt „Tiger“, bei seiner Hero World Challenge zum ersten Mal seit Februar und dem Abbruch der Dubai Desert Classic wieder Turniergolf, und die Medien, zuvorderst natürlich die amerikanischen, überschlagen sich mit Prognosen und Analysen, Mutmaßungen und Kaffeesatzleserei.

„Hype auf Drogen“ um Tiger Woods

„Golf Digest“ beispielsweise „klöppelt“ seit zwei Wochen einen Countdown aus den Statistiken von Woods, 14 Major-Siege, summierte 13 Jahre (683 Wochen) als Weltranglistenerster usw., führt sogar eine Art Live-Ticker mit den Geschehnissen seit der vierten Rücken-OP im April. Brad Faxon wurde mit seinem Report von den Drive-Längen beim Stelldichein mit US-Präsident Donald Trump zum Quotenkönig. Und Tigers 292-Meter-Abschlag zum Trainingsstart auf den Bahamas machte gefühlt mehr Schlagzeilen als Jon Rahm und Tommy Fleetwood beim European-Tour-Finale zusammen. Das sei nicht einfach nur ein Hype, schrieb Doug Ferguson für „Associated Press“: „Das ist Hype auf Drogen.“

Der Protagonist all des Rummels saß derweil gestern vor der Presse und bekannte: „Ich fühle mich fantastisch. Jetzt kann ich wirklich ermessen, wie schlecht es meinem Rücken ging und welche Zeit ich durchgemacht habe.“ Woods berichtete von Tagen, an denen er seine Füße und Beine nicht gespürt habe, das Bett nicht verlassen konnte.

„Ich liebe das Leben wieder“

„Ich kann nicht sagen, ob ich wirklich Aufgeben und Ruhestand im Sinn hatte. Aber wieder Golf auf höchstem Niveau spielen zu können, war das Letzte, an das ich dachte.“ Noch vor einer Woche zeigte er sich nach einer flotten Übungsrunde auf dem Kurs in Albany „ein bisschen erstaunt, dass ich tatsächlich keine Rückenschmerzen mehr habe“: „Ich liebe das Leben wieder, es ist um so vieles besser nun!“ Mal abwarten, wie Wirbelsäule und Muskulatur mit dem Wettkampf-Ernstfall zurecht kommen.

Die Kollegen und der Golf-Tross jedenfalls sind entsprechend beeindruckt. Schon vor einiger Zeit hatte Rickie Fowler berichtet, dass der fast 42-Jährige bei gemeinsamen Übungsrunden im Golfclub „The Medalist“ längere Bälle geschlagen habe, als er selbst. „Ich wäre nicht überrascht, wenn Tiger erneut eine Menge Events gewinnt“, sagte Einspielpartner Patrick Reed dieser Tage: „Sofern er gesund bleibt!“ Selbst der notorische Woods-Kritiker Brandel Chamblee konstatierte „eine höllische Wandlung, angesichts von Alter, Verletzungen und chirurgischen Eingriffen“. Ex-Trainer Hank Haney schließlich befand: „Mit diesem neuen Schwung kann Woods siegen.“

Favorit auf den letzten Platz

Die Buchmacher sind für die Hero World Challenge nicht ganz so optimistisch. Der Rückkehrer ist Favorit auf den letzten Platz im 18-köpfigen Teilnehmerfeld, die Quoten für den sechsten Erfolg stehen bei 40:1, während Jordan Spieth mit 11:2 als heißer Titelaspirant gehandelt wird. Woods selbst verordnet sich Gelassenheit und keine allzu hohen Erwartungen: „Ich muss das entspannt angehen, obwohl ich ziemlich unter Strom stehe und unbedingt einige von den Jungs schlagen will. Aber bin seit zwei Jahren praktisch ohne Wettbewerbsgolf und kann mich nur ins Turnier arbeiten. Außerdem vermisse ich es, Golf aus Spaß zu spielen. Also werde ich rausgehen, Bälle schlagen, mich freuen und mal sehen was ich schaffen kann.“

Als Nummer 1.193 der Weltrangliste würde sich Woods um über 250 Positionen verbessern, wenn er das Turnier bloß zu Ende spielt. Ein erster Sieg seit vier Jahren gar, zumal über die versammelte Elite von Dustin Johnson als Nummer eins bis Kevin Chappell als Nummer 32, brächte den Tiger schnurstracks in die Top-150 der Welt. Dort stand er zuletzt im Mai 2015.

Von Federer beim Karriere-Preisgeld entthront

Mit der Prämie für eine Spitzenplatzierung bekäme Woods auch einen anderen just verlorenen Platz an der Sonne wieder. Beim ATP-Finale neulich in London überholte nämlich Tennis-Evergreen Roger Federer den Golfstar in Sachen Karriere-Preisgeld, derzeit steht es 110,23 zu 110,06 Millionen Dollar für den Schweizer.

Kein Wunder, dass sich dieses Comeback niemand entgehen lassen will. 87 Medienmenschen aus aller Welt sind vor Ort, wenn der 79-fache PGA-Tour-Gewinner gegen 17 Konkurrenten antritt, die es zusammen gerade mal auf zwei Titel mehr bringen. Allein der übertragende TV-Sender „Golf Channel“ hat seine Berichterstattung sowohl live als auch bei den Magazinformaten um insgesamt acht Stunden erweitert, zeigt dabei jeweils eine Stunde mehr von den ersten beiden Runden, die Woods mit PGA- und FedEx-Cup-Champion Justin Thomas („Ich freue mich darauf zu versuchen, ihm in den Hintern zu treten“) absolviert. Und mit seinem getreuen Caddie Joe LaCava.

Auch für Caddie LaCava ist das Warten beendet

Seit über zwei Jahren schlägt der Mann aus Connecticut die Freigabe seines Chefs und jede Menge Job-Angebote aus. „Ich habe ihm gesagt, er soll sich das Bag von einem dieser neuen Jungs schnappen, die da gerade groß herauskommen. Vielleicht kann ich Dich ja wieder von dort weglocken, wenn ich zurückkommen sollte“, berichtete Woods. Doch sein „Looper“ lehnte ab: „Ich fühle mich Dir verpflichtet und stehe bereit, wenn Du wieder Golf spielen kannst.“

Durchaus hilfreich war dabei sicherlich, dass Woods nach eigener Aussage seines Caddies das Jahresgehalt zahlt, unabhängig ob und wie oft er spielt. Dennoch fehlten LaCava „die Kollegen und Freunde sowie das Leben auf der Tour – vor allem aber, mit Tiger auf der Jagd zu sein“. Der 53-Jährige vertraute den sprichwörtlichen neun Leben einer Katze, jetzt ist auch für ihn das Warten auf Woods beendet.


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Michael F. Basche
Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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