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Die Rabattschlacht ums Greenfee: Ein übler Virus für den Golfsport?

Durch allerlei Nachlässe werden bloß noch knapp 60 Prozent des Listenpreises erlöst. Experten sprechen von „Gift für die Branche“.

Viele Golfanlagen verkaufen Greenfees unterhalb der Betriebskosten. (Foto: Getty)
Viele Golfanlagen verkaufen Greenfees unterhalb der Betriebskosten. (Foto: Getty)

Tiger Woods war gerade wieder da und hat seinen „Tiger Jam 2018“ abgehalten, standesgemäß: Der Shadow Creek Golf Club gehört zu den teuersten Golf-Adressen in den USA. Die Anlage in Las Vegas freilich ist von A bis Z jeden Cent der 500 Dollar Greenfee wert, das lässt sich in Bewertungsportalen mannigfach nachlesen. Pebble Beach ist ein anderer Name, der gern fällt, wenn‘s um Hochpreisigkeit geht; 495 bis 525 Dollar kostet der spielerische Rundgang über die ikonischen Golf Links an der kalifornischen Pazifikküste. Der Volksmund hat für so was eine allfeile Binse parat: „Man gönnt sich ja sonst nichts.“

Besonderer Geschmack schon immer teurer?

Damit allein ist das Preis-Phänomen gleichwohl nicht erklärt: „Schlüsselfaktoren für den wirtschaftlichen Erfolg von Golfanlagen sind zu 25 Prozent der Standort, zu 25 Prozent das Produkt und zu 50 Prozent das Management“, hat es Golfmanager und Ex-DGV-Präsidiumsmitglied Frank Thonig mal in einem Vortrag formuliert. Anlagen wie Shadow Creek oder Pebble Beach sind halt Triple-A in Lage, Design, Service und Atmosphäre, haben überdies Nimbus und Prestige, das schlägt sich auch im Greenfee nieder. Der euphorisierte Gast ist sehr wohl bereit, dies zu bezahlen – getreu der Devise: „Es war schon immer etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben.“

In Deutschland kann die Branche von einem derartigen Wertegefüge nur träumen. Ja, zugegeben, manche Plätze sind in ihrer Lieblosigkeit vielleicht tatsächlich bloß einen Pfifferling wert, über Design, Angebot und Servicequalität lässt sich zudem trefflich streiten. Aber selbst Highlights auf der hiesigen Golflandkarte kratzen allenfalls an der dreistelligen Gebühr für 18 Loch – jedenfalls sofern „Pay & Play“ zu ihrem Angebot gehört. Und drumherum tobt die Rabattschlacht ums Greenfee! „Günstiger als der Nachbar“ ist die Heilslehre im Verteilungskampf um den golfenden Gast, seit sich das Boom-Versprechen der 1990er Jahre weitgehend als Illusion erwiesen hat.

„Der Virus heißt: Billig“

Früher stand vor der chemischen Reinigung immer ein Verkaufsständer mit Tennissocken, zwei oder gar drei Paar zum Obolus von einem; heute ist derlei Preisdumping beim Spielentgelt ebenfalls gang und gäbe. Clevere Clubs setzen die Fees prophylaktisch schon höher an, um den Kunden glücklich machen zu können; die wenigsten trotzen der „Geiz-ist-geil“-Mentalität mit unumstößlichem Glauben an den Wert ihres Produkts und fragen: „Welche Haltung vermittele ich, wenn ich meine Golfanlage verramsche?“



Es gibt Spar-Coupons gleich heftweise, Diskont-Voucher oder Nachlass-Gutscheine, selbst auf Schnäppchenportalen werden Golfrunden verhökert wie Wurst aus Separatoren-Fleisch kurz vor dem Verfallsdatum. Es grassiere ein Virus, schreibt der Golfanlagen-Berater Adriaan A. Straten im Fachmagazin „golfmanager“ (März 2017), der „die Geschäfte, die Kultur und die Zukunft der gesamten Golfbranche vergiftet. Sein Name scheint vielen zu schmeicheln und runterzugehen wie Öl. Der Virus heißt: Billig.“

Greenfee-Sparte als Verlustgeschäft

Der Deutsche Golf Verband weist in seinem Betriebsvergleich durchschnittliche Betriebskosten von rund 900.000 Euro für einen 18-Loch-Platz aus und hat schon vor Jahren analysiert, dass die deutschen Golfanlagen tatsächlich nur durchschnittlich 62 Prozent des regulären Greenfee-Listenpreises erlösen. Laut DGV entfielen bei einem 18-Loch-Platz auf jede gespielte Runde (Mitglieder und Greenfee) Aufwendungen der Golfanlage von durchschnittlich 38,45 Euro. Demgegenüber lag der Ertrag im Mittel bei 40,71 Euro – ohne Berücksichtigung all der üblichen Rabatte, Boni etc. Der Bundesverband Golfanlagen (BVGA) gab damals einen Netto-Umsatz von rund 34 Euro pro gespielter Runde an. Da muss einer kein Rechengenie sein, um die Greenfee-Sparte vielerorts als Verlustgeschäft einzuordnen.

Mittlerweile ist der Anteil weiter gesunken, liegt laut BVGA-Betriebsvergleich 2016 bei 59,8 Prozent des Brutto-Tarifs. Dabei „sollten Greenfeespieler eher die Jahresgebühren der Mitglieder subventionieren und nicht umgekehrt“, betont Thomas Hasak, Geschäftsführer der BVGA-Wirtschafts-GmbH, in einem Kommentar zu diesen Kennzahlen.



120 Euro als kostengerechtes Greenfee

Der BVGA halt folgerichtig mal weitergerechnet und ist auf ein bemerkenswertes Ergebnis gekommen: „Bei der Höhe der laufenden Betriebskosten und bei Beibehaltung der Rabattierungspolitik (40 Prozent Ermäßigung) würde ein kostengerechter, durchschnittlicher Greenfee-Preis für 18 Löcher bei rund 120,00 Euro (brutto) liegen.“ Darüber sollte jeder nachdenken, der für ein Drittel dieses Preises makellose, attraktive Spielwiesen erwartet. Hasak: „Das Verhältnis zwischen der vielerorts qualitativ sehr hochwertigen Platzpflege und dem Greenfee-Tarif in unserer Region ist für den Golfspieler außergewöhnlich gut. Wir müssen darauf achten, dass diese Schere nicht noch mehr auseinandergeht“.

Es wird hierzulande allerdings allzu oft reflexartig das Mantra vom Golfspiel als Breitensport bemüht; gerade, wenn der DGV seine alljährlichen Zahlen über die organisierte Sparte veröffentlicht, kocht die Debatte gern hoch. Doch „die Assoziation mit Breitensport zieht nun mal ein „billig“ hinter sich her“, konstatieren Experten wie Berater Straten. Und dieser Suggestion wird Golf mit seinen Hochkosten niemals gerecht werden können!

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5 LESER-KOMMENTARE Geben Sie jetzt Ihre Meinung zu diesem Thema ab
  1. Hallo,

    eine gute Analyse zum Thema Greenfee-Erhöhung wurde 2016 veröffentlicht:

    https://www.golfmanager-greenkeeper.de/golfmanager-online/fachbeitraege-golfmanager/management/allgemein/moegliche-auswirkungen-der-greenfee-differenzierung.html

    Ergebnis: Niedriges Greenfee: SCHLECHT für Golfanlagen
    Greenfeeerhöhung: GANZ SCHLECHT für Golfanlagen

    Weil dann einfach die Greenfeespieler wegbleiben. Das ist auf dem Golfplatz nicht anders als im Fitnessstudio.

    Grüße

    Antworten

  2. Hallo,
    ein Beitrag der sich dem „großen Jammern“ über die Greenfee Preise anschließt. Leider

    Mich würde noch interessieren, wie man auf 120€ Greenfee kommt? Es gibt in Deutschland keine wirkliche pay&pkay Plätze, wo man genau bestimmen kann was eine Runde kosten würde. Die Golfplätze und deren Unterhaltung die wir haben, sind doch von den Mitgliedern finanziert und somit bezahlt. Jedes Greenfee ist quasi eine Zusatzeinnahme.
    Weiterhin muss kein Club an Gutscheinen usw teilnehmen, das machen sie, weil sie sich Zusatzeinnahmen versprechen oder es wirklich funktioniert. Also auch hier ist jammern nicht angebracht.

    Kommen wir zu den über 700 Meisterschaftsplätzen, auf denen in den wirklich wenigsten eine echte Meisterschaft, die den Namen verdient, ausgetragen wird. Gehen da Anspruch und Wirklichkeit nicht weit auseinander?

    Wie hoch ist die Auslastung der Anlagen durch die eigenen Mitglieder und wird nicht durch Greenfee Runden auch für den Unterhalt gesorgt?

    Antworten

    • Michael F. Basche

      Sehr geehrter Herr Rebel,

      es erschließt sich nicht, wo dieser Beitrag ein Lamento enthält, das Sie als „Jammern“ empfinden: Die Reportage gibt golfbetriebswirtschaftliche Kennzahlen sowie deren Analyse und Auswertung durch die Fachverbände wieder.

      Es handelt sich expressis verbis um Durchschnittswerte, Ausschläge in Einzelfällen nach unten wie nach oben sind damit implizit. Die Ergebnisse fußen auf (kaufmännischen) Grundrechenarten, die laut Expertenmeinung mancherorts außer Kraft gesetzt werden, sich bei Verzicht auf einen ideologisch motivierten Blickwinkel aber mühelos nachvollziehen lassen.

      Der löbliche Wunsch, Golf als Jedermann-Vergnügen zu entwickeln, ändert nichts an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Unterhalt einer Anlage in unserer Kulturlandschaft und mit den hiesigen Kostenstrukturen.

      Mit freundlichem Gruß

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      • Guten Morgen Herr Basche,

        ich lese sehr gern ihre Ausführungen hier auf GolfPost. Das auch aus dem Grund, weil sie die Sache Golf und alles drum herum aus einem ganz anderen Blickwinkel kennen und betrachten. Für mich ist auch das immer ein Erkenntnisgewinn, auch wenn ich mache Sichtweisen nicht Nachvollziehen kann oder will.

        Ich würde sie auch gern mal zu einem Podcast über die Unterhaltung von Golfplätzen einladen – so sie wollen, und sie könnten das Thema mal näher beleuchten. Wenn nicht, muss ich hier noch mal ein paar Fragen stellen.

        Wie kommt die BVGA auf einen Greenfee Preis von 120€, wie setzt sich der zusammen?

        bis denne

  3. Dr.Peter Pfaff

    Solange bei Greenefee-Preisen von 80 € Vierer Gruppen mit Platzreife oder Hcp 54 vor ihnen -trotz Hcp 36 zugelassen auf der Platzreservierung – spielen ist Ihre Diskussion sinnlos!

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