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Die PGA Tour: Es begann mit einer Revolte der Turnierprofis

11. Mai 2016
Wie die PGA Tour sich ihre Eigenständigkeit erkämpfte. (Foto: Getty)
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Abspaltung von der PGA of America wegen Verteilung des vom TV begünstigten Geldsegens. Nicklaus und Palmer als treibende Kräfte.

Sie wären nur zu gern das fünfte Major, so wie der US-Golfverband USGA, der R&A und sogar die PGA of America mit ihren Meisterschaften eins haben: Die PGA Tour ist die Geldmaschine der Golfwelt, sie bestimmt de facto das Geschehen auf den meisten Turnierplätzen, ihre Wohltätigkeitsbilanz geht in die Milliarden Dollar, nur der sportliche Ritterschlag fehlt. Diese Woche steigt zum 43. Mal das Titelwettspiel der Tour-Professionals, aka „THE PLAYERS Championship“, es ist mit 10,5 Millionen Dollar das bestdotierte Turnier auf dem Globus, aber bloß wieder der ominöse Major-Appendix. Dieser Stachel sitzt tief, trotz der unstreitig einzigartigen Erfolgsgeschichte.

Golf als Fernsehstar

Dabei ist Anhängsel ein gutes Stichwort. Denn die PGA Tour war lange Zeit nichts anderes, eine „Filiale“ der PGA of America, bevor es 1968 zur Abspaltung und finalen Alleinstellung kam. Wie man das von den „68ern“ so kennt, ging es um Protest und Selbstbestimmung. Letztlich indes ums Geld, ein Schelm, wen das jetzt wundert. Die 1960er Jahre markierten den TV-Durchbruch des Spiels, angeführt vom „American Idol“ Arnold Palmer wurde der Golfsport zum Fernsehstar, das Geld begann zu strömen.


Die Turnierprofessionals freilich, durch ihre Vertreter im „Tournament Committee“ der PGA of America allenfalls mitspracheberechtigt, saßen am Ufer und sahen große Teile des neuen Zasters vorbei fließen. Während führende Spieler wie Palmer und Jack Nicklaus für eine Auffüllung der Prämientöpfe plädierten, steckte die PGAoA als Verband sämtlicher Berufsgolfer den Geldsegen zuvorderst in lokale Maßnahmen zur Förderung des Golfspiels oder in Pensionsfonds.

Veto gegen Sinatra-Turnier

Zum offenen Ausbruch der Differenzen kam es 1966, als das Exekutivkomitee der US-PGA sein Veto gegen ein von Entertainer Frank Sinatra gesponsertes 200.000-Dollar-Turnier in Palm Springs/Kalifornien einlegte, weil im selben Monat die Bob Hope Desert Classic, ebenfalls in Palm Springs, anstand. „Wir sorgen dafür, dass der Laden läuft!“, sagte damals ein Spieler. „Warum sollen wir uns von einem Haufen Clubpros unser Turnier verbieten lassen?“ Die PGA Championship im Juli 1968 brachte dann das Fass zum Überlaufen, lediglich 56 Tourakteure standen im 168-köpfige Feld. „Ich will, dass die Tour in der Meisterschaft der Professionals angemessen vertreten ist“, wetterte Jack Nicklaus. „Die PGA Championship kann kein Topturnier sein, wenn viele Topspieler, die Tourprofis nämlich, wegen der Qualifikationsrichtlinien nicht daran teilnehmen können.“

Das erboste Tourpersonal machte sich endgültig selbständig und gründete die „American Professional Golfers, Inc.“ (APG). „Die Spieler wollen die „vollständige und alleinige Befugnis, die 5,6-Millionen-Dollar-Tour selbst zu managen“, schrieb damals „Sports Illustrated“. Was so nüchtern klingt, war eine Palastrevolution ersten Grades, manchem schwante bereits der golferische Weltuntergang. „Es geht nicht darum, die PGA [of America] zu zerstören“, beschwichtigte Nicklaus. „Wir wollen vielmehr eine bessere Durchführung professioneller Golfturniere sicherstellen.“

PGA Tour ab 1975

Nach einigen Monaten und einer öffentlichen Schlammschlacht knickte die PGA of America ein und stimmte einer komplett eigenständigen Abteilung namens „Tournament Players Division“ zu, die „APG“ wurde aufgelöst, der Burgfrieden war wieder hergestellt. Nicht zuletzt dank Arnold Palmer, der zwar nie ein offizielles Amt inne hatte, aber dessen Wort als moralische Instanz enormes Gewicht besaß. Erster Commissioner des im Januar 1969 gegründeten neuen Gebildes, in dessen Vorstand auch drei PGAoA-Repräsentanten saßen, war Joseph Dey, Ex-Direktor der USGA.

1974 übernahm der legendäre Deane Beman den Chefsessel, eine ausgebuffte Type, Initiator des TPC Sawgrass und damit Begründer der „Tournament Players Clubs“, nebenbei überdies Erfinder der Yardage-Books. Er taufte seinen Laden 1975 in „PGA Tour“ um – mit einem Intermezzo von 1981 bis 1982 als „Tournament Players Association“ nach erneuten Vermarktungsdisputen mit der PGA of America. Vor allem aber bescherte Beman der PGA Tour die bis heute anhaltende Einstufung als gemeinnützige Organisation mit Einkommenssteuerbefreiung. Und das, obwohl sein Nachfolger Tim Finchem, seit 1994 amtierender „Commish“, und dessen Truppe mit ihren  sechs Touren in Nord- und Südamerika sowie in China und den sonstigen Golfaktivitäten jedes Jahr rund eine Milliarde Dollar umsetzen…

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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