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Golfschläger: Erfindungsgeist ohne Grenzen

08. Mai 2016
Robert Higgs entwickelte 1904 in England den "Higgs-Befreier", der mit seiner Harkenform optimale Ergebnisse aus Wasser, Sand oder hohem Gras liefern sollte.
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Von den Troon-Schlägern zum Titan-Driver: Ein Streifzug durch die Entwicklung von Hölzern und Eisen in 600 Jahren Golfgeschichte.

Am Anfang war der Knüppel. Geschnitten aus Esche, Haselnuss oder Dornbaum, möglichst ein Schössling, der am Hang wuchs, so dass ganz unten die notwendige Krümmung schon eingebaut war. Derart „bewaffnet“ klickerten die ersten Golfer runde Kiesel und hölzerne Kugeln durch die schottischen Dünen. Spiele mit Stock und Ball gab‘s schon vor Urzeiten: Die Schotten machten Golf daraus und kümmerten sich auch um angemessene Spielgeräte.

Was da in den vergangenen 500 bis 600 Jahren an Schlägern ausgetüftelt, gebastelt und gefertigt wurde, ist ein fast grenzenloser Beweis für die Kreativität des „Homo ludens“. Der spielende Mensch hat sich wahrlich eine Menge einfallen lassen: Driver wie Krocket-Hämmer, Hölzer wie Fleischklopfer, Eisen, die wie Rasenkanten-Stecher aussehen. Manche Ergebnisse des Erfindergeists sind mechanische Wunderwerke, andere ähneln eher inquisitorischen Folterwerkzeugen. Allein über die Putter ließen sich Enzyklopädien verfassen.


13 Schilling für königliche Golfschläger

Als älteste Artefakte gelten die Troon-Schläger, sechs Hölzer und zwei Eisen aus den 1600er- oder gar späten 1500er-Jahren. Der Royal Troon Golf Club lehnte 1999 ein Verkaufsangebot über vier Millionen Dollar ab, das Ensemble ist heute im Golf-Museum von St. Andrews zu sehen. Schon 1502 bezahlte der Schatzmeister von Schottlands König James IV. 13 Schillinge an einen Bogenmacher in Perth für „clubbs“ aus Buchenholz. Die Rechnung ist überliefert.

Ein reguläres Schlägerset war damals komplett aus Holz: Longnose (Driver), Bulger (später Brassie/Fairwayholz), Grassed Driver sowie Spoon für kürzere Entfernungen, Niblick mit Wedge-Eigenschaften und Cleek fürs Putten. Sie kamen anfangs von Fein-Handwerkern wie Bogenmachern oder Tischlern, die Erfahrung mit dem Biegen von Holz hatten. Dann aus spezialisierten Manufakturen namens McEwan, Hugh Philp oder Robert Forgan, der 1856 als Erster in großem Stil Hickoryholz für optimale Schäfte aus Amerika importierte.

Die Eisen hingegen waren klotzige Kellen, vom Schmied in eine kantige Form gehämmert. Sie taugten vornehmlich, um den Ball aus steinigen oder morastigen Lagen zu hacken. Erst recht, als 1618 der „Featherie“ aufkam, mochte niemand die empfindlichen und horrend teuren Lederkugeln mit grobem Gerät malträtieren.


Golfschläger von früher bis heute

Untrennbar mit Ball-Entwicklung verbunden

Das änderte sich erst mit dem Guttapercha-Ball (ab 1848) und sowieso durch den gewickelten „Haskell“, der 1898 als günstiges Massenprodukt das Spiel revolutionierte. Im Zuge dieser Entwicklungen beschäftigten sich Allan Robertson, Willie Park, Old Tom Morris und Co. auch intensiv mit den Eisen und ließen sich aus den Schmieden, wo mittlerweile mit vorgefertigten Formen hantiert wurde, sorgsam gearbeitete Köpfe mit abgerundeten Kanten als Mashies und Niblicks einer neuen Schlägergeneration liefern. Die Entwicklung der Golfschläger ist folglich untrennbar mit der Historie des Balls verbunden.

Während schon mit der Jahrhundertwende die ersten Köpfe aus Persimmon, dem Holz des Kakibaums, an die Schäfte montiert wurden, erschienen 1908 die ersten Eisen mit Grooves auf der Schlagfläche. Die Tüftler hatten den Einfluss auf den Backspin des Balls erkannt. In den 1920er-Jahren machten dann die klangvollen Schlägernamen den Nummern Platz, der Niblick hieß fortan Eisen 9.

Nächster elementarer Fortschritt war der Stahlschaft, den die Golfhoheit in St. Andrews freilich nur sanktionierte, weil der „Prince of Wales“ (später für elf Monate König Edward VIII.) 1929 damit auf dem Old Course spielte. Zwei Jahre später feierte das neue Material mit Billy Burkes US-Open-Sieg den ersten Turniererfolg. Dafür holte sich Gene Sarazen mit dem von ihm entwickelten Sand-Wedge und seinem stark ausgeprägten Bounce die British Open 1932.

Golfschläger: Alles war schon mal da

Nach der Blütezeit der wunderschönen Persimmon-Hölzer in den 50er- bis 70er-Jahren kamen 1973 die ersten Graphitschäfte und Anfang 1980 die ersten Schläger mit Metallköpfen auf den Markt. 1991 dann sorgte Callaway mit der Big Bertha und ihrem gewaltigen Edelstahl-Kopf für Furore.

Die Carlsbader waren es auch, die 1996 gemeinsam mit TaylorMade massentauglich Titan in den Schlägerköpfen verarbeiteten. Das Ultraleicht-Metall war fürderhin Standard, und in den Labors der Hersteller wandte man sich der Formgebung und allerhand Gimmicks wie verstellbaren Lofts oder individueller Gewichtsverteilung zu.

Eins aber ist sicher: Was auch immer sie noch erfinden mögen, es war in der 600jährigen Entwicklungsgeschichte des Golfschlägers bestimmt schon mal da!

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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