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Die Entstehung eines Golfplatzes: Bürokratie und Kunst am Bau

26. Aug 2015
Bis aus einem geeigneten Fleckchen Erde ein Golfplatz geworden ist, ist viel Arbeit nötig. (Foto: Michael F. Basche)
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Ackerland, Industriebrachen und Konversionsflächen: Ein Streifzug durch all die Prozesse, bis der erste Ball im Loch klappert.

Irgendwer hat mal ausgerechnet, dass 0,014 Prozent der Landfläche unserer Erde mit Golfplätzen belegt sind. Rund 2,1 Millionen Hektar also, 21 Milliarden Quadratmeter für weltweit 34.011 Kurse und insgesamt 576.535 Löcher. Letzteres hat der R&A Ende 2014 zählen lassen. Eine Menge Turf, der beim Streben nach Score und Handikap manchmal selbst im übertragenen Sinn mit Füßen getreten wird. Dabei ist so ein Golfplatz ein hochdifferenzierter Organismus und seine Realisierung in unserer modernen und regulierten Kulturlandschaft eine komplexe, nicht selten komplizierte und vielfach langwierige Angelegenheit.

Vorstellungskraft und Geduld

Am Anfang steht das Gelände. Ohne geeignetes Gelände ist die schönste Idee nichts wert, oft führt erst das ideale Fleckchen Erde zur Vision. Das ist schwierig heutzutage, wo der Naturschutz alle Freiflächen überlagert. Äcker sind immer mal wieder im Angebot, Industriebrachen zudem, und in jüngster Vergangenheit auch einige Konversionsflächen, einstige Militärstandorte. Als Beispiel dient Budersand auf Sylt, ein fabelhafter Linkskurs auf vormaligem Kasernen-Areal, eingebettet in die Dünen und mit grandiosen Sichtachsen zur Nordsee.


Natürlich gehört es zum Credo eines jeden Architekten, der was auf sich hält, „dass ein Platz so wirkt, als gehöre er originär in die natürliche Umgebung“, sagt Olympia-Kurs-Designer Gil Hanse. Aber mit der Natur zu gestalten und zu bauen, ist ein seltener Luxus. Heute braucht es eine Menge Vorstellungskraft und Geduld, um aus einem langweiligen, brettebenen Weizenfeld einen golferischen Hingucker zu formen. Oder aus einem verschandelten Stück Erde ein grünes Idyll. So wie es exemplarisch der Mainzer Golfclub in Budenheim geschafft hat, wo vorher ein Steinbruch und eine Mülldeponie das Bild bestimmten.

Sechsstellige Kosten für Bürokratie

Es gibt kluge Checklisten zur Eignungsbeurteilung eines Geländes. Aspekte wie landschaftliche Attraktivität, Einzugsgebiet, Erreichbarkeit oder Umfeldangebot, nicht zuletzt die Verfügbarkeit von Wasser seien der Vollständigkeit halber wenigstens erwähnt. Ohnehin beginnt der Bau eines Golfplatzes mit Bürokratie, mit Bauvoranfragen, Vorhabenbeschreibungen, Amtsgängen, mit dem Genehmigungsverfahren. Zahllose Schritte, die sich zäh gestalten und alleine schon sechsstellige Kosten verursachen können.

Jedes Gelände ist anders, jede Entwicklung individuell. Ein Genehmigungsverfahren ist abhängig von den örtlichen und regionalen Rahmenbedingungen, Auflagen sind von unterschiedlichster Art, die Interessen und Vorstellungen des Bauherren sowieso. Streiflichtern wir also die Abläufe, bis der erste Ball im Locheinsatz klappert.

Unser Beispiel-Golfplatz hat gerade das Raumordnungsverfahren und die Änderung des Flächennutzungsplans passiert. Er hat die umfangreichen hydrologischen und naturschutzrechtlichen Prüfungen (Umweltbericht, Umweltverträglichkeitsstudie, artenschutzrechtliches Gutachten, landschaftspflegerischer Begleitplan etc.) absolviert und auch das sogenannte Scoping, die Beurteilung seitens der „Träger öffentlicher Belange“, sowie Offenlegung und Bürgerbeteiligung überstanden. Der Architekt hat sich durch die Anforderungen der Bauleitplanung und den Bebauungsplan gearbeitet, jetzt liegt der Kommune das Ergebnis zur Erteilung der Baugenehmigung vor.


Golfplatzbau - Der lange Weg von Planung zu Vollendung

„Leonardo da Vinci“ mit Bulldozer

Ist die gewährt, folgt der fast einfachere Teil. Es wird gerodet und grob gejätet, mindestens in den Spielbereichen der Oberboden mit seiner Vegetation abgetragen und zur Kompostierung in Mieten gelagert. Nun schlägt die Stunde der Skulpteure: Der Golfplatz kriegt sein Relief, anhand der Detailpläne des Architekten wird Topographie hergestellt, werden Hügel, Mulden, Wellen sowie die Fundamente für Abschläge und Grünkomplexe aufs Terrain geschoben.

Gute „Shaper“ handhaben die hydraulischen Schilde ihrer Planierraupen und die hochbeweglichen Schaufeln ihrer Bagger wie ein Modelleur seinen Spatel und haben ein eigenes Gespür für Formen und Proportionen. Bei der Feinmodellierung arbeiten sie in Zentimeter-Toleranzen. Natur künstlich zu erschaffen, ist hohe Schule. Als Star seiner Zunft gilt der Schotte Mick McShane, ein wahrer Künstler auf dem Caterpillar, sie nennen ihn „Leonardo da Vinci mit Bulldozer“.

Ordentliche Bunker werden übrigens als Hügel oder mindesten Erhebungen gebaut und dann, inklusive einer Entwässerung mit sinnvollem Gefälle, aus dem Profil geschnitten, nicht einfach aus dem Boden gekratzt. Die Konstruktion von Grüns ist erst recht eine Wissenschaft für sich. In Deutschland hat die „Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau“ (FLL) umfangreiche Standards für die Mehrschichtenbauweise erarbeitet, samt Empfehlungen für Dränageverläufe, Korngrößen des Schotterbetts zwischen Unterboden und Rasentragschicht etc.

100.000 Euro pro Golfbahn

Wenn der Platz seine Konturen hat, die Oberflächen-Entwässerung gewährleistet, die Beregnungsanlage samt Pumpstation und kilometerlangen Leitungen eingebaut und vielleicht noch der eine oder andere Teich angelegt ist, wird der mittlerweile zu Humus gewordenen Oberboden mit Sand gemischt und als Rasentragschicht übers Relief gezogen. Optimal in einer Stärke von 25 verdichteten Zentimetern.

100.000 Euro pro Golfbahn gelten als griffige Formel für einen qualitativ hochwertigen Platz, Beregnungsanlage, Baulichkeiten wie Clubhaus, Maschinen- und Greenkeeping-Halle, Verkehrswege und so weiter nicht eingerechnet. Wer beizeiten mit all dem fertig ist, kann einsäen, bevor die Winterkälte in den Boden kriecht, und dem Gras beim Wachsen zusehen. Auf dass im kommenden Frühjahr die Golfer das Werk zahlreich mit Beiträgen und Greenfees honorieren.

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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1 LESER-KOMMENTAR

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  1. Sehr schöner Artikel. Im GM gab es dazu auch mal einen Artikel über die Aufwände zum Betrieb eines Golfplatzes. Vielleicht helfen solche Informationen auch um mal klar zu machen, dass ein Golfplatz keine gemähte Wiese oder ein von Rasen unterbrochener Wald ist. Ein Golfplatz ist ein Bauwerk, wie jeder andere Sportplatz auch. Es ist kein Park und kein Garten und schon gar nicht „natur pur“.

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