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Wachstum der Golfer geht laut DGV 2013 weiter zurück

14. Jan 2014
Die Mitgliederzahlen steigen weiterhin - wenn auch langsamer als je zuvor. Dieser Trend hat sich 2013 fortgesetzt. (Foto: Getty)
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Organisierter Golfsport profitiert vom demographischen Wandel Deutschlands. Verband setzt auf attraktive Zielgruppe der Senioren.

Was für ein Satz: „Von Golfboom kann heutzutage nicht mehr die Rede sein und auch in der weiteren Entwicklung findet sicher keine Umkehr der Wachstumsschwäche statt.“ Gesagt hat das im vergangenen Oktober Klaus Dallmeyer, der kaufmännische Vorstand des Deutschen Golf Verbands (DGV). Will heißen, der DGV verbucht immer weniger neue Golfer, die Tendenz der vergangenen Jahre setzt sich fort.

635.097 Spieler aller Mitgliedsarten und -klassen waren 2012 beim Dachverband registriert, ein Netto-Zuwachs gegenüber 2011 von nur noch 1,7 Prozent. Das sind 10.528 neue Clubspieler. Während sich also rund 56.000 Personen dem organisierten Golfsport angeschlossen haben, kehrten ihm gleichzeitig 45.000 Golferinnen und Golfer den Rücken.


„Goldene Jahre“ kommen nicht wieder

Das ist der niedrigste Netto-Wachstumswert seit 1984/85; nur in den Jahren 2007 (4,7 Prozent/24.961 Zugänge) und 20011 (2,4 Prozent/14.465 Zugänge) wurde diese Negativentwicklung signifikant unterbrochen. 2010 übrigens lag die Wachstumsquote bei 1,8 Prozent (10.776 Zugänge).
Und die aktuellen Erhebungen versprechen alles andere als Besserung. „Das Mitglieder-Wachstum wird 2013 weniger als 1,7 Prozent betragen“, verdeutlicht DGV-Vorstandsmitglied Alexander Klose im Gespräch mit Golf Post.

Auch ohne diese ernüchternde Prognose steht längst fest: Die „goldenen Zeiten“ Mitte der 90er- und Anfang der 2000er-Jahre kommen nicht wieder. Damals schoss der Bestand an registrierten Golfern jährlich nahezu in 30.000er-Sprüngen in die Höhe, allein von 1998 bis 2004 stieg die Zahl von 318.284 auf 483.172.

In den 90er-Jahren boomte zudem der Golfanlagen-Bau, allerorten schossen die Fairways aus dem Boden, zwischen 1993 und 1997 beispielsweise entstanden 186 neue Plätze. „Das ganz starke Golfanlagen-Wachstum in den 80er- und 90er-Jahren mit seinen Auswirkungen auf die Golfnachfrage fällt momentan aus“, sagt Alexander Klose.

Angebote für nicht registrierte Golfer

Am Angebotsmangel allein liegt‘s freilich nicht: Obwohl 2012 immerhin 51 Prozent der aktuell 719 Golfanlagen hierzulande Zuwächse verzeichnet haben, gibt es durchaus noch viel Kapazität für neue Mitglieder – und auch wirtschaftlichen Auslastungsbedarf.

Die vordringliche Aufgabe heißt vielmehr – und das gilt nicht zuletzt für die Clubs vor Ort –, entsprechende Angebote für die große Zahl der nicht registrierten oder freien Golfer und für die Gelegenheitsspieler zu gestalten. DGV-Vorstand Klose zitiert eine Studie von „Sport + Markt“, nach der in Deutschland „618.000 Menschen ohne DGV-Ausweis Golf spielen“, nahezu so viele, wie beim Verband registriert sind: „ Für diese Golfer sollten die DGV-Mitglieder und der Verband Angebote schaffen. Nicht, weil der Verband sie gerne zählen würde, sondern weil sie aktiviert werden sollen.“

Löwenanteil bei Senioren

Aber noch mal zurück zu den Zahlen und zu den Entwicklung in den einzelnen Altersgruppen: Unterhalb der „magischen 50“ gab es 2012 lediglich bei den 15- bis 18-Jährigen (+ 2,3 Prozent/452 Zugänge) und in der Gruppe von 21 bis 27 Jahren (+1,4 Prozent/287 Zugänge) ein gewisse Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Alle anderen Kategorien haben Schwund: In den beiden Altersklassen bis 14 Jahre gingen fast 1.000 junge Golfer verloren, in den Riegen „36 bis 40“ und „41 bis 50“ exakt 5.504 Personen.

Der Löwenanteil des spärlichen Wachstums entfiel einmal mehr auf die Golfer jenseits der 50: 15,1 Prozent Wachstum bei den 51- bis 55-Jährigen, 3,9 Prozent für den Kreis „ab 61 Jahre“. In absoluten Zahlen ergeben sich 8.466 plus 8.422 Neuzugänge. Überhaupt sind 55,8 Prozent oder 354.589 aller Golfer mit DGV-Ausweis über 50 Jahre alt, 226.590 davon sogar 61 und älter.

Auch wenn DGV-Pressechef Jörg Schlockermann im Hinblick auf die anstehenden Verbandsmaßnahmen betont: „Wir werden uns auch um die jungen Erwachsenen kümmern, damit sie uns auch in zehn Jahren noch gute Zahlen bescheren!“: Das organisierte Golfspiel in Deutschland profitiert mittelfristig ganz eindeutig von der Überalterung der Gesellschaft.

„Da wächst ein großer neuer Markt“

Und der demographische Wandel hat noch längst nicht seinen Höhepunkt erreicht. Erst in den kommenden Jahren und Jahrzehnten wird aus den geburtenstarken Jahrgängen der heute 40- bis 50-Jährigen die wirtschaftsstarke, mobile und zeitlich unabhängige Zielgruppe der auch für den Golfsport so attraktiven „Empty Nester“ (die Kinder sind aus dem Haus) und „Silver Ager“. Oder wie die Marketingstrategen das pro-aktive Altern sonst so nennen.

„Wir wachsen bei den Senioren am stärksten. Und jetzt naht eine Gruppe, die da genau reinwächst; es sind Millionen, die da in die Altersgruppe ,Ü 50‘ kommen“, bestätigt Alexander Klose: „Aufgabe des DGV ist nun, die entsprechenden Botschaften zu senden: ,Golf ist Lebenselexier für alle Altersgruppen‘, ,Golf kannst du auch noch spielen, wenn du 80 bist‘, die Stichworte Gesundheit, Natur und Entspannung aus unserer Imagestudie. Da wächst ein großer neuer Markt.“

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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4 LESER-KOMMENTARE

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  1. Sehr geehrter Herr Basche,

    sicherlich ist es zutreffend, dass das Segment Golf durch den demographischen Wandel über Wachstumspotential verfügt. Das ist aber nur die eine Seite der Medalie. Ein Blick auf die Mitgliederstärksten Sportarten zeigt vor Fußball 6,3 Mio kommt der Bereich Fitness mit 7,5 Mio. Reagiert der DGV auf das offensichtlich veränderte Freizeitverhalten nicht, so wird wie in den letzten Jahren mit Zuwachsraten von 0,4 % der demographische Wandel ohne deutliche Mitgliederzahlenentwicklung an dem Golfsport vorbeigehen- Zu schwierige Plätze nehmen Freude und gewünschte Erfolgserlebnisse, zu hoher Zeitaufwand und eine verstaubte Ettikette ebenso wie ein unüberschaubares Regelwerk das für den Amateur/Hobbyspieler vereinfacht werden sollte sind mögliche Ansatzpunkte.

    MfG

    Antworten

    • Michael F. Basche

      Sehr geehrte/r Frau/Herr Meng,

      vielen Dank für Ihre sehr zutreffenden Anmerkungen. Wie Sie sicherlich festgestellt haben, werden in diesem Bericht vor allem die Haltung und die Einschätzung des DGV reportiert. Was Ihren Hinweis auf das veränderte Freizeitverhalten und die erwähnten weiteren Hürden betrifft, so deckt sich das mit meiner persönlichen Ansicht, die – gerade in jüngster Zeit – in einigen Beiträgen Niederschlag gefunden hat.

      Mit freundlichen Grüßen

      Antworten

  2. Bernd Hänsel

    Sehr geehrter Herr Basche,

    wenn Sie nun Ihr Resümee mit der Vermögensverteilung in Zusammenhang setzen wird ersichtlich, dass der Markt der nicht registrierten Golfer wohl wachsen wird.
    Die Golfclubs haben und brauchen ihr Budget um den Club unterhalten zu können. Bedeutet meines Erachtens, bei weiteren Abgängen von Mitgliedern, eine resultierende Erhöhung der Beiträge, was wiederum zu Abgängen führt. etc.
    Sie sehen es richtig. Man muss den Golfsport für die Breite zugängig machen. Also auch für die nicht registrierten Golfer. Die Euregion hat mit ihrem Ansatz, Mitgliedern der Euregion Clubs auf allen Mitglieds-plätzen kostenloses Spielen zu ermöglichen, eine gute Variante eröffnet. Clubs, die gegen diesen Ansatz intervenieren, sind meiner Meinung nach das Problem des DGV. Denn sie sind es, die die weitere Entwicklung des Golf-Breitensports in der BRD aktiv verhindern.
    MfG

    Antworten

    • Michael F. Basche

      Sehr geehrter Herr Hänsel,

      das Resümee ergibt sich in diesem Fall, dem Wesen der Reportage folgend, aus den Zahlen und Aussagen des DGV, aber auch persönlich geben ich Ihnen vollkommen recht! Wobei: Es hat m. E. nicht nur etwas mit der Vermögensverteilung zu tun (denn auch da gibt es mittlerweile durchaus marktgerechte Angebote), sondern vor allem mit dem Wandel in eine Freizeitgesellschaft, bei der die Lust an zahlreichen Spaß-Aktivitäten überwiegt und sich immer weniger Menschen ausschließlich einer Passion widmen. Dem müssen der DGV, die Clubs und der Markt insgesamt durch eine Öffnung und durch entsprechende Angebote und Möglichkeiten für den Gelegenheitsgolfer in der Tat Rechnung tragen.

      MfG

      Antworten

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