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Deutsche Golfclubs segnen 18 Mio. Euro für Ryder Cup 2022 ab

14. Apr 2015
Auf dem DGV-Verbandstag in Frankfurt segneten die Clubs eine Unterstützung von 18 Mio. Euro für den Ryder Cup ab. (Foto: Getty)
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Meilenstein auf dem Weg zum Ryder Cup 2022: DGV-Mitglieder unterstützen Pläne finanziell. Entscheidung stand lange auf der Kippe.

Die Ryder-Cup-Bewerbung Deutschlands ist von den DGV-Mitgliedern abgesegnet: Mit 68,6 Prozent Zustimmung haben die deutschen Golfclubs am Samstag in Frankfurt ihre Bereitschaft zur finanziellen Unterstützung des deutschen Ryder Cups in Höhe von 18 Millionen Euro zugesichert.

Umlage von jährlich drei Euro pro Golfer

Somit wird jeder Golfclub im Falle einer erfolgreichen Bewerbung „in den Jahren 2016 bis 2025 jeweils eine Umlage [zahlen], die in Zusammenhang mit der Ausrichtung des Ryder Cup 2022 [steht]. Die Umlage beträgt jährlich drei Euro pro beitragspflichtigem Golfspieler und ist mit dem Mitgliedsbeitrag des jeweiligen Jahres fällig“, so der Beschluss.


Der Betrag von 18 Mio. Euro ergibt sich wie folgt:
3 EUR x 600.000 beitragspflichtige Golfspieler  x 10 Jahre = 18.000.000 Mio. Euro

Die Leistung der Clubs sei in jedem Fall bei 18 Mio. Euro gedeckelt, so Kaussler. Sollte es Überschüsse geben, zum Beispiel durch zusätzliche Sponsoren, würden die an die Clubs zurückgegeben.

Inwiefern die Beträge von den Clubs getragen oder auf die Golfspieler umgelegt werden, ist Entscheidung der Clubs gegenüber ihren Mitgliedern.
Allerdings summiert sich zusammen mit der beschlossenen Werbekampagne in Höhe von insgesamt 4,9 Mio. Euro, an der die Clubs mit zwei Euro pro beitragspflichtigem Golfspieler beteiligt sind, eine ordentliche Zusatzbelastung von inzwischen fünf Euro pro Golfspieler auf (wenn der Zuschlag an Deutschland geht). Sollte es so kommen, darf erwartet werden, dass die Golfclubs wesentlichen Teil dieser Mehrkosten auf die Golfer umwälzen werden.

„Wir unterscheiden uns damit von der Konkurrenz“

Diesbezüglich hob Bewerbungsleiter Marco Kaussler bei der Präsentation des Bewerbungsstandes hervor, dass die Ryder Cup Europe bei der Vergabe ihren Fokus verändert habe: „Es geht nicht mehr darum, bestimmte Geldbeträge gewährleisten zu können. Vielmehr soll jedes Land sich selbst mit der bestmöglichen Bewerbung präsentieren.“

Dafür sei es entscheidend, dass die deutschen Golfclubs signalisieren, wie sehr sie den Ryder Cup wollen. Die Meinung des DGV-Sportchefs, Marcus Neumann, dazu: „Wir könnten zwar auch Dietmar Hopp fragen, aber dann wären die Erfolgsaussichten und das Gefühl dabei nicht so gut.“ Kaussler: „Wir unterschieden uns damit auch vom Wettbewerb, weil die deutsche Golfergemeinschaft anders als die Konkurrenz einen eigenen finanziellen Beitrag leistet.“

Zudem gebe es für diese Bewerbung sehr positive Signale aus Politik und Lokalpolitik: „Selbst Angela Merkel hat einen Letter of Support geschickt“, so Kaussler. „Auch haben wir Zuspruch von golfbegeisterten Fußballern wie Thomas Müller und Franz Beckenbauer, die sich bereit erklärt haben, uns bei unserer Bewerbung zu unterstützen.“ Insgesamt habe die deutsche Bewerbung „aller-allerbeste Aussichten auf Erfolg“.

Formale Stolpersteine beim Ryder-Cup-Antrag

Momente vor der Abstimmung musste Kaussler jedoch noch zittern. Denn die Clubs waren ’not amused‘ über die formale Abwicklung der Abstimmung dieser Ryder-Cup-Abstimmung, die gleich an drei Punkten hakte:

  • Statt der sonst eingeforderten vier Wochen Vorlauf für Anträge ging dieser erst zwei Wochen im Vorfeld des Verbandstages ein. Die Clubs wiesen darauf hin, dass es sich dabei um eine weitreichende finanzielle Entscheidung handele und sie nicht in der Lage gewesen seien, ihre Clubmitglieder dazu zu befragen. Zudem seien durch das kleine Zeitfenster nicht in der Lage, Gegenvorschläge zu unterbreiten.
  • Aus diesem Grund sollte das Plenum zunächst entscheiden, ob die Ryder-Cup-Entscheidung überhaupt in die Tagesordnung aufgenommen werden sollte. Daran hätte die Ryder-Cup-Bewerbung angesichts der bald endenden Bewerbungsfrist bereits scheitern können, ohne dass sie inhaltlich besprochen worden wäre – ein sehr risikoreiches Dilemma, die Vereinsordnung sieht es aber so vor.
  • Nach Absegnung des formellen Antrages war der eigentliche Knackpunkt des Unmutes die Frage, wofür die 18 Mio. Euro der Clubs verwendet würden. Denn darauf wollte Marco Kaussler im Hinblick auf die mithörende Konkurrenz aus Spanien, Portugal, Österreich und Italien partout keine Auskunft geben: „Dann können wir uns vom Ryder Cup in Deutschland direkt verabschieden. Denn wenn die Konkurrenz weiß, welches und wieviel Geld wir wofür einplanen, würden sie ihre Bewerbungen entsprechend anpassen und die deutsche Bewerbung überbieten“, so Kaussler. Für nicht wenige Clubvertreter vor Ort, die sich als Aktionäre des Ryder Cup 2022 verstehen, eine nicht akzeptable Situation, könne man doch „nicht einfach einen Blankoscheck über 18 Mio. Euro ausstellen“.

Abgabe der Bewerbung an Ryder Cup Europe: 30. April 2015

Schließlich haben 68,6 Prozent von 927 Stimmberechtigten für die finanzielle Unterstützung des deutschen Ryder Cups gestimmt. Das ist angesichts der eigentlich weitreichenden Befürwortung der Ryder-Cup-Bewerbung unter den Golfclubs nicht viel; vielleicht wäre die Zustimmung größer ausgefallen, wenn die formalen Stolpersteine nicht hätten bewältigt werden müssen oder die Verwendung der 18 Mio. Euro klarer gewesen wäre.

Den Antrag hätte das DGV-Präsidium um Nothelfer sicher früher einreichen können. Immerhin waren die Kosten auch vor der Festlegung eines deutschen Gastgeberplatzes berechenbar. Aber der Zeitrahmen für die Organisation einer erfolgsversprechenden Ryder-Cup-Bewerbung ist mit einem halben Jahr sehr knapp bemessen. Bis vor zwei Wochen war die Bewerbungsgesellschaft mit der Entscheidung für einen austragenden Club befasst.

Dass der Verband nun seine offizielle Zustimmung zur Abgabe der Bewerbung gegeben hat, ist ein wichtiger Schritt. „Darüber freuen wir uns sehr“, schließt Kaussler und nimmt seinen nächsten großen Termin ins Visier: bei der Ryder Cup Europe am 30. April 2015.

Kaussler nach der Abstimmung im Interview mit Golf Post

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Juliane Bender

Juliane Bender - Leitende Redakteurin bei Golf Post von Juli 2012 bis Februar 2016

Juliane ist Diplom-Sportwissenschaftlerin. Für sie ist das Faszinierende an Golf: Der Sport ist ein guter Lehrmeister, nicht nur, wenn man gerade den Schläger schwingt. Sie finden Juliane Bender auch unter Google+
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3 LESER-KOMMENTARE

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  1. Sorry, aber was soll das? Da werden doch mal wieder Kosten sozialisiert und Gewinne privatisiert. Warum müssen wir Golfer das bezahlen, die überhaupt nichts davon haben? Im Gegenteil, den Platz und die Hotels drum rum muss man hinterher um so teurer bezahlen. Warum zahlen das nicht die, die davon profitieren: Ausrüster, Hotels, Golfplätze, Sky ……
    Und ich möchte mal wissen, warum die DGV-Funktionäre sich in unserem Namen dafür einsetzen? Für mich stimmen die da nicht. Aber so wie üblich, stimmen die auch nur dafür, weil alle ein VIP-Ticket für den Cup bekommen und von vorne bis hinten hofiert werden. Und das alles darf der Golf-Plebs bezahlen!

    Antworten

  2. Ludwig Albrecht

    lieber Helmut Otto Faust du hast ja so recht.
    Das wird und kann nicht förlich sein. Zumindest nicht für den Golfsport in Deutschland.

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  3. Helmut Otto Faust

    Das Kanzlerin-Fürwort ist da und 18 Mio. € auch. Schön. Aber das stellt sich die Frage, was bringt der „Ryder Cup“ in Deutschland uns eigentlich, mal abgesehen von der sicher sehr großen Zuschauerzahlen und damit verbundenen Hotelübernachtungen. Übertragen wird es dann sicher wieder bei Sky und der normale TV-Zuschauer sieht wieder in die berühmte „Röhre. Wird dadurch die Beliebtheit des Golfsport in Deutschland gesteigert, das ist die Frage? Viel Wirbel um eine Prestigeturnier, aber was bleibt unter dem Strich übrig, das ist höchst zweifelhaft.

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