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Der Golf-Traum: Augusta National im Garten

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17. Okt 2014
Der Garten von Dave Pelz - oder auch: Der großartigste Garten der Welt. (Foto: Youtube/Ross Freedman)
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Wo die meisten Golfer nur von träumen können, das sieht Dave Pelz am Morgen: Das Amen Corner und die 17 aus Sawgrass vor der Balkontür.

Runtergefallene Kinnlade, ungläubiges Augen-Reiben, pulserhaltende Schnappatmung – der Anblick von Dave Pelz‘ Garten macht sprachlos. „Zwick mich, das kann nicht echt sein“ kam mir zu allererst in den Sinn, als ich das Video über den perfekten Golf-Garten sah. Und perfekt ist in diesem Fall nicht gemeint wie bei einem Golfschwung üblich, wo Perfektion ja per se nicht erreichbar ist und „perfekt“ immer nur „so gut wie im jeweiligen Kontext vorstellbar“ meint. „Zwick mich“ dachte ich, „Nein warte! Zwick mich bloß nicht! Ich will mich der Illusion hingeben, morgen früh genau dort aufzuwachen. Und den Morgen danach. Und danach. Bis ans Ende meiner Tage!“

Wie wär's mit ein paar Schlägen und einem Sprung in den Pool? (Foto: Youtbe)

Wie wär’s mit ein paar Schwüngen im Amen Corner und anschließend einem Sprung in den Pool? (Foto: Youtbe)


Der unerreichbare Golf-Himmel

Nicht nur das unrhythmische Tasten-Klappern meiner Kollegen holte mich in die Realität zurück, sondern allen voran die Erkenntnis, dass ich nicht zu diesem exklusiven Kreis gehöre. Dieser Kreis aus Neverland-Ranch-Besitzern und Links-Kurs-Käufern, die über gefühlt unendliche finanzielle Möglichkeiten verfügen. Geld alleine macht nicht glücklich, sage ich mir, und bevor ich wirklich daran glauben kann, schießt mir durch den Kopf: Sich Kindheitsträume erfüllen aber schon. Dagegen kommt man nur schwer an.

Sie nennen es „Golfer’s Paradise“

Dave Pelz gehört zu diesem Kreis. Als es ihn 2011 nach Texas verschlug, erfüllte sich Pelz den Traum vom kleinen Golf-Valhalla direkt vor der Haustür. Auf einem Morgen Land in der Nähe von Austin baute er sich eine Golflandschaft neben den Grill, die ihresgleichen sucht. „Alle denkbaren Schläge innerhalb von 100 Yards sind hier möglich“ sagt Pelz, und mit „alle denkbaren Schläge“ meint er nicht irgendwelche denkbaren Schläge.

Er meint zum Beispiel das Par 3 des 12. Lochs in Augusta, das Herzstück des Amen Corner. Oder, je nachdem mit welchem Bein man als erstes aufgestanden ist, vielleicht doch lieber das legendäre 17. Loch des TPC Sawgrass, dem Martin Kaymer in dieser Saison so eindrucksvoll den Zahn ziehen konnte. Wenn es regnet – zugegeben, das tut es in in Texas so gut wie nie – aber dann wäre es klimatisch passend, die 17, das Roadhole, aus St. Andrews zu spielen. Oder vielleicht einfach zwischendurch die 14 aus Pebble Beach.

Das "Golfer's Paradise" aus der Vogelperspektive - Eines Tages ... (Foto: Google Earth)

Das „Golfer’s Paradise“ aus der Vogelperspektive – Eines Tages … (Foto: Google Earth)

Von der NASA auf das Grün

Nach seinem Studium der Physik begann Dave Pelz‘ berufliche Laufbahn 1961 bei der NASA, wo er an den höheren Schichten der Erdatmosphäre und anderen Planeten forschte. Er profilierte sich während seiner Arbeit und hatte bald die leitende Verantwortung über mehrere Satelliten-Programme. Doch seine eigentliche Leidenschaft war Golf. Bei einigen Amateur-Meisterschaften erreichte Pelz ordentliche Platzierungen und schaffte es gar, sich für die US Amateur Open zu qualifizieren, wo er allerdings am zweiten Tag scheiterte.

Seine größte Schwäche war das Putten, darum beschloss er diesem Bereich des Spiels mithilfe seines Wissens auf den Grund zu gehen. Ab 1975 widmete er sich forschend und erfindend allein dem Golfspiel und meldete mehrere Patente an. In den 90er Jahren erfuhr seine Expertise eine höhere Aufmerksamkeit, nicht zuletzt durch das Buch „Dave Pelz‘ Short Game Bible“. Es war 1999 in den USA ein nationaler Bestseller der New York Times. Seit Mitte der 90er Jahre trainierte Pelz PGA-Tour-Pros, im Laufe der Zeit waren unter ihnen etwa Colin Montgomerie, Vijay Singh und Phil Mickelson. Er zählt zu den teuersten Trainern der Welt.

Die Bunker sind das Sahnehäubchen

Bis ins kleinste Detail ist die Anlage durchdacht. Pelz sagt, er habe mehrere Jahre an der Planung gearbeitet. Mitten in der Wüste ist das mit der Rasen- und Grünpflege natürlich nicht so leicht, mit der ersten Variante des Bodens war er nicht zufrieden. Daher hat sich Pelz mit einer Kunstrasenfirma zusammengetan und einen Untergrund entwickelt, der seinen Worten nach exakt das wiedergibt, was ihn auf dem Golfplatz erwartet. Verständlicherweise passt in dieses Panorama kein braun-gelber Bausand, da muss schon der traumhafte Strand-Sand in die Bunker, der auch in Augusta den eleganten Grün-Weiß-Kontrast unterstreicht.

Bei diesem Anblick stehen am Ende die Worte des glücklichen Besitzers für sich: „Manchmal komme ich ohne meine Schuhe hier raus um wirklich eins zu sein, mit Golf, wovon ich immer geträumt habe. Es ist fast eine religiöse Erfahrung.“ Amen, Dave, Amen.

Oliver Felden

Oliver Felden - Freier Autor für Golf Post

Während seines Studiums der Sportwissenschaft und Germanistik kam er über das Crossgolfen auf die gemähten Wiesen der Republik. Seine Waffen sind die kurzen Eisen, doch der Putter bringt ihn noch viel zu oft auf den Boden der Tatsachen zurück. Seine Abschlussarbeit hatte den Titel: "Golf in der Schule - Bildungspotenziale und Grenzen".
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