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Daily Fantasy Sports – Glücksspiel oder Können?

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24. Nov 2015
Reine Glücksache - oder doch nicht? (Foto: Getty)
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In Deutschland unter dem Radar, entfacht Daily Fantasy Sports in den USA eine hitzige Diskussion – in die sich auch die PGA Tour eingeschaltet hat.

Daily Fantasy Sports – noch nie gehört? Kein Grund zur Sorge, denn in Zentraleuropa sind DraftKings und Fanduel noch kein Thema. Und vielleicht wird es auch so bleiben. Denn DraftKings und Fanduel sind die zwei größten Anbieter eines Spiels um Geld, das sich in den vergangenen Wochen im englischsprachigen Raum großen Angriffen ausgesetzt sieht. Aber worum geht es eigentlich genau, und was hat die PGA Tour damit zu tun?

„Daily Fantasy Sports“ ist in weitestem Sinne wie die professionalisierte Tippspiel-Runde im Büro, nur eben online und jeden Tag. In den USA heißen diese Tippspiele „Fantasy Sports“. Es wird in der Regel ein relativ kleiner Betrag Geld, beispielsweise 20 US-Dollar, in einen Pott eingezahlt. Vor jedem Spieltag legt man die Aufstellung seines Teams fest, zum Beispiel beim American Football. Je nachdem, wie gut die jeweiligen Spieler dann im echten Leben abschneiden, bekommt man Punkte. Am Ende der Saison erhalten beispielesweise die drei ersten Plätze die Ausschüttung. In Deutschland gibt es mit „Comunio“ eine ähnliche Variante für Fußball, nur dass dort nicht um Geld gespielt wird.


Daily Fantasy Sports – die Investoren bangen

Am normalen „Fantasy Sports“-Spiel, wie es etwa im Büro gespielt wird, gibt es nichts auszusetzen. Doch haben sich findige Geschäftleute aufgemacht, genau dieses Prinzip täglich anzubieten. Über Online-Portale kann jeder, der will, täglich tausende von Partien spielen und dabei 25 Cent bis tausende von Dollar einsetzen. Saahil Sud aus Boston hat das Spiel zu seinem Beruf gemacht. Der 27-Jährige hat einen Algorythmus geschrieben, der ihm unter Einbezug aller möglicher Faktoren, inklusive etwa aktueller Wettervorhersagen, Vorschläge für seine Aufstellungen macht. Sud verdiente von Januar bis November 2015 rund drei Millionen US-Dollar.

Ein florierendes Geschäft, dass auf der anderen Seite auch eindrucksvolle Investoren anzog. Darunter viele namhafte US-amerikanische TV-Sender, Team-Besitzer aus den obersten US-amerikanischen Sportligen, und nicht zuletzt die Ligen selber. Dann kam der Dämpfer Ende September: Der Bundesstaat Nevada deklarierte „Daily Fantasy Sports“ als Glückspiel, was damit ohne Lizenz illegal ist.

PGA Tour mit Doppelmoral?

Mittlerweile hat auch New York nachgezogen, Massachusetts und weitere Bundesstaaten prüfen das Konzept. Und auch die PGA Tour hat reagiert, wie jüngst bekannt wurde. Schon Ende September schickte sie eine Mitteilung an ihre Mitglieder, in der sie den Spielern die Teilnahme an „Daily Fantasy Sports“ als unwürdiges Verhalten für Profis darlegt. Für Wetten liegen bei der PGA Tour Regeln zu Grunde, nach denen die Spieler sanktioniert werden, sollten sie sich schuldig machen. In der jüngsten Mitteilung heißt es, „Fantasy Gaming Websites, die im Gegenzug zu Einsätzen Geld auszahlen, sind in vielen Staaten illegal“ – auf Sanktionen wird erstmal nicht verwiesen. Jedoch werden bei der PGA Tour solche Geschichten auch gerne hinter den Kulissen geklärt.

Was aus PGA-Tour-Sicht dazu kommt, ist, dass bereits zwei Turniere eine Sponsoring-Partnerschaft mit DraftKings eingegangen sind, die Quicken Loans National und die Deutsche Bank Championship. An diesen Verträgen soll sich aber laut Tour-Sprecher Ty Votaw zunächst nichts ändern.

John Oliver – präsentiert von Fanduel

Aber Glücksspiel, wirklich? Die Betreiber der Plattformen insestieren. „Daily Fantasy Sports“ sei ein hauptsächlich auf Können basierendes Unterhaltungskonzept, das nichts mit Glücksspiel zu tun habe. John Oliver, britischer Komiker und sesshaft in den USA, wo er eine eigene Late Night Show bei HBO (die ebenfalls Anteile an Fanduel besitzen) hat, demaskiert diese Strategie wunderbar humoristisch und treffend. In der Ausgabe vom 15. November lässt er es Hall-of-Fame-Quarterback Joe Nameth auf den Punkt bringen: „Müssen sie etwas zahlen, um zu spielen? Und können sie etwas gewinnen? Dann ist es Glücksspiel.“

Comedian John Oliver erklärt Daily Fantasy Sports

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Oliver Felden

Oliver Felden - Freier Autor für Golf Post

Während seines Studiums der Sportwissenschaft und Germanistik kam er über das Crossgolfen auf die gemähten Wiesen der Republik. Seine Waffen sind die kurzen Eisen, doch der Putter bringt ihn noch viel zu oft auf den Boden der Tatsachen zurück. Seine Abschlussarbeit hatte den Titel: "Golf in der Schule - Bildungspotenziale und Grenzen".
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1 LESER-KOMMENTAR

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  1. Jutta Jordans

    Natürlich ist das Glücksspiel. Was unterscheidet denn Fantasy Sports von normalen Sportwetten? Also klar, man hat diese Mini-Management-Komponente dabei, weil man sich ja sein Team zusammenstellt, aber im Endeffekt ist es doch ein ganz normales Wettspiel und sollte auch den gleichen Regularien unterliegen, sobald man Geld einsetzen muss um zu gewinnen.

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