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Charlie Sifford: Kreuzritter gegen Rassentrennung im US-Golf

14. Nov 2014
Charles L. Sifford spielte als erster afroamerikanischer Golfer auf der PGA Tour - 1961 eine Revolution. (Foto: Getty)
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Durch seinen Druck fiel 1961 die Kaukasier-Klausel der PGA of America. Nun wird der 92-Jährige vom US-Präsidenten ausgezeichnet.

Die „Presidential Medal of Freedom“ ist die höchste zivile Auszeichnung der USA, rund 500 „Ordensträger“ wurden ernannt, seit John F. Kennedy das Ehrenzeichen 1963 begründete. Golfer sind auch darunter: Jack Nicklaus, Arnold Palmer – und künftig Charles L. Sifford. „Charles wer?“ wird sich der eine oder andere fragen. Kein Majorsieger, kein Ryder-Cup-Held, kein Preisgeld-Multimillionär. Aber einer, „der Schikanen und Morddrohungen ertragen hat, um die Rassentrennung der PGA aufzuheben“, heißt es im Kommuniqué des Weißen Hauses. Oder wie Tiger Woods über den heute 92-jährigen Afroamerikaner sagt: „Für eine Menge von uns hat Charlie Sifford den Weg bereitet. Ohne ihn wären wir nicht dort, wo wir jetzt sind. Seine Opfer erlauben mir, dass ich heutzutage Golf spielen kann!“

Zwei Golflegenden, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Charles L. Sifford (l.) und Arnold Palmer.

Zwei Golflegenden, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Charles L. Sifford (l.) und Arnold Palmer. (Foto: Getty)

Eine andere Zeit: PGA Tour ausschließlich für Weiße

Sifford war ein „Bürgerrechtler“ (US-Senator Sherrod Brown), ein Kreuzritter gegen Rassismus und ethnische Diskriminierung im US-Golfsport. Seine Erfolge, seine Bemühungen und nicht zuletzt seine Sturheit führten 1961 zur Annullierung der sogenannten „Caucasian-only“-Klausel in den Statuten der PGA of America.

1934 hatte die Berufsgolfer-Vertretung dieses seit ihrer Gründung 1916 ohnehin gelebte Dogma schriftlich fixiert: Der professionelle Golfsport war ausschließlich kaukasischen, also weißen Männern vorbehalten. Athleten wie Sifford oder Pete Brown beispielsweise, der 1964 als erster Farbiger mit der Waco Turner Open ein PGA sanktioniertes Turnier gewann, blieb als sportliche Bühne lediglich die United Golf Association (UGA).

Sifford gewann in der „Schwarzen-Liga“ zwischen 1952 und 1960 sechs Mal die „National Negro Open“. Parallel kämpfte der einstige Caddie und golferische Autodidakt aus Charlotte/North Carolina um Starts auf der PGA Tour. Mit Beharrlichkeit, Ausnahmegenehmigungen oder der Hilfe prominenter Freunde wie Box-Star Joe Louis trotzte er Beschimpfungen, Verfolgungen, versteckten Bällen, selbst menschlichen Exkrementen im Fahnen-Cup – so geschehen bei der Phoenix Open 1952. „Let me just play“ – „Lasst mich einfach nur spielen“ lautet der beziehungsreiche Titel seiner 1992 erschienen Autobiographie.

Erstes afroamerikanisches Tour-Mitglied

Charlie Sifford gewann 1967 als erster afroamerikanischer Golfer ein PGA-Tour-Turnier.

Charlie Sifford gewann 1967 als erster afroamerikanischer Golfer ein PGA-Tour-Turnier. (Foto: Getty)

Als die PGA Tour im November 1961 auf Druck von Kaliforniens oberstem Staatsanwalt Stanley Monk die Kaukasier-Klausel strich, erhielt Sifford im Alter von 39 Jahren als erster Afroamerikaner die volle Spielberechtigung der PGA.

Seine dominierende Rolle in der UGA hatte derweil Lee Elder übernommen. Nach 18 Siegen in 22 Turnieren schaffte es Elder 1968 via Qualifying School auf die PGA Tour und wurde 1975 vom Augusta National Golf Club als erster Nicht-Kaukasier zum Masters eingeladen – aufgrund enormen öffentlichen Drucks und ausgerechnet im Geburtsjahr von Tiger Woods, der 1997 erster afroamerikanischen Masters-Champion werden sollte.

Sifford freilich erhielt nie Post aus Augusta von Clubchef Clifford Roberts. Dessen damalige Einstellung zur afroamerikanischen Bevölkerung untermauert folgende im zugeschriebene Aussage: „Solange ich lebe werden Golfer weiß und Caddies schwarz sein.“ Roberts und sein snobistischer Zirkel, den die „Los Angels Times“ 1969 „So weiß wie der Ku-Klux-Klan“ nannte, sperrten ihn konsequent aus. Zu diesem Zweck wurden notfalls auch mal die Einladungskriterien geändert.

Charlie Sifford: „Ich habe nie gekniffen“

Dafür trug sich Sifford nach Erfolgen bei den unterklassigen Long Beach Open (1957) und Puerto Rico Open (1963) mit dem Titel der Greater Hartford Open 1967 als erster afroamerikanischer Sieger eines hundertprozentigen PGA-Events in die Historie ein. 1969 gewann er die Los Angeles Open und mit der Senior PGA Championship 1975 sogar ein Turnier, das später zum Major avancierte.

2004 wurde Sifford in die World Golf Hall of Fame aufgenommen. Seit 2006 ist er Ehrendoktor der Universität von St. Andrews. Nun erhält der große alte Kämpfer am 24. November von Amerikas „First Golfer“ Barack Obama die Freiheitsmedaille des Präsidenten. Auf einen Ritterschlag der Masters-Granden kann Sifford bei alledem längst pfeifen: „Die meisten dieser H….söhne habe ich eh überlebt!“

1947 hatte Vorbild Jackie Robinson einen Tipp für den angehenden Profigolfer: Wer das durchziehen wolle, der dürfe kein Schlappschwanz sein. „Ich habe nie gekniffen, sondern es einfach gemacht“, sagt Sifford heute. „Und ich denke, es ist perfekt gelaufen!“

Sifford hat für seine Rechte erfolgreich gekämpft. Gehört Ihrer Meinung nach Diskriminierung auf dem Golfplatz damit der Vergangenheit an oder ist sie noch akut?

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Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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