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400 Jahre Royal Dornoch: Schönes Ginstermonster

20. Mrz 2016
Royal Dornoch ist einer der schönsten Links-Plätze Schottlands. 2016 feiert er sein 400-jähriges Bestehen. (Foto: Getty)
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Old Tom Morris ebnete das Terrain für die Brillanz der Golfplatz-Ikone. Eine Laudatio auf den „König der schottischen Linkskurse“.

Der Jubilar war nie Austragungsstätte einer Open Championship, einigermaßen verwunderlich. Er gehört „seit Menschengedenken“ zu den weltbesten Golfplätzen, mehr als angemessen. In diesem Jahr feiert Royal Dornoch Geburtstag, und wenn eine Ikone 400 Jahre alt wird, sich aber so lebendig und faszinierend darstellt wie das Juwel an Schottlands Nordseeküste, dann ist wahrlich eine Laudatio fällig. Royal Dornoch sei, sagt beispielsweise David Brice von „Golf International“ in New York, „der König der schottischen Linkskurse!“. Trotz des Old Course zu St. Andrews und all der anderen Golfpreziosen im Land von Tartan und Malzwhisky.

Platz fünf in den Top-100 von „Golf Digest“

Von jenseits des großen Teichs kommen weitere Ritterschläge, diesmal in Zahlen gemeißelt. Das US-Magazin „Golf Digest“ erkor Dornochs „Championship“-Platz im Januar zum besten Schottlands und führt das Par-70-Ensemble auf Platz fünf seiner Liste der globalen Top-100, hinter Royal County Down als Primus, Augusta National, Pine Valley und Cypress Point. Tom Watson, achtfacher Majorsieger aus Kansas und Ehrenmitglied von Royal Dornoch, erlebte gar „das herrlichste Golfvergnügen meines Lebens“ auf diesem Erbstück der Golfentwicklung, einem Ginstermonster von wilder Schönheit, das sich in majestätischer Großartigkeit wie ein sanftes „S“ am Gestade des „Dornoch Firth“ räkelt. Im hohen Nordosten, ziemlich abgelegen, noch 100 Kilometer jenseits von Inverness.

Dornoch ist übrigens ein ebenso freundliches wie verschlafenes Dörfchen mit 1.200 Einwohnern, über das der preisgekrönte US-Publizist Herbert Warren Wind einmal schrieb: „Wenn man das Golf von St. Andrews wegnimmt, ist es weiterhin ein netter Universitätsort. Wenn man Golf von Dornoch wegnimmt, ist da nichts mehr“. Ohnehin hat der 1877 gegründete Club mehr amerikanische Fernmitglieder als örtliche Angehörige.


Der junge Earl und die Links

Pin Flag im Royal Dornoch. (Foto: Getty)

Pin Flag im Royal Dornoch. (Foto: Getty)

Wie so oft dient eine Quittung als erster Beleg in Sachen Golf. 1616 berappte der junge John Earl of Sutherland zehn Pfund seiner Apanage „for bowes, arrows, golff clubbes, and balls with necessars for his L[ordship’s] exercise“ („für Bogen, Pfeile, Golfschläger und Bälle, notwendig zur Ertüchtigung Seiner Lordschaft“), die Ausgabe ist akribisch vermerkt, auch bei „Grafs“ herrschte kaufmännische Sorgfalt. 1628 pries Johns Erzieher und Vormund Sir Robert Gordon das Gelände als „fairste und ausgedehnteste Links […] in ganz Schottland, und sie übertreffen bei weitem die Links von Montrose und St. Andrews“.

Wir dürfen getrost davon ausgehen, dass Golf damals ein wüstes, ungeordnetes Querfeldeinspiel war. Dornochs erste neun Löcher wurden offiziell 1877 angelegt, neun Jahre später kam kein Geringerer als Old Tom Morris, der Golfplatz-Handlungsreisende und Gründervater des modernen Spiels, um den Parcours auf 18 Loch zu erweitern und damit das Terrain für Dornochs Brillanz zu bestellen.

Plateau-Grüns als Inspiration für Pinehurst

Besonders die zahlreichen Plateaus in den Dünen, weil ideal zur Platzierung der Grüns, hatten es dem Patriarchen angetan. In den USA heißen solche umgedrehten Untertassen „Schildkrötenbuckel“, berühmt sind sie vor allem in Pinehurst No. 2, dem Meisterstück von Donald Ross. Das Design-Genie wurde nämlich in Dornoch geboren, war dort Greenkeeper und Pro, für ein Jahr überdies Lehrling bei Morris in St. Andrews, bevor er 1899 nach Amerika auswanderte und zu einem der größten Architekten aller Zeiten avancierte. Ein weiteres Dornoch-Ehrenmitglied wiederum brachte Pinehurst für die US Open 2014 und Martin Kaymers zweiten Majorsieg auf Vordermann: Ben Crenshaw. So klein ist die Golfwelt.

Jetzt feiern die Dornocher ein ganzes Jahr lang das Jubiläum ihres weltberühmten Platzes, mit einem namhaft besetzten Schauturnier und einem historischen Straßenfest unter anderem. Wegen seiner Abgeschiedenheit wohl blieb dem kolossalen Geläuf die Aufnahme in die Rota der Open Championship verwehrt, trotzdem: Royal Dornoch und auch sein zweiter 18-Loch-Kurs, der ebenfalls ausgezeichnete „Struie“, sind jede Anreise wert!


400 Jahre Royal Dornoch Golf Club - Schottisches Ginstermonster

Michael F. Basche

Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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