Erster Open-Verlierer Tommy Fleetwood: „Hoffe, meine Zeit wird kommen“
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Erster Open-Verlierer Tommy Fleetwood: „Hoffe, meine Zeit wird kommen“

Lowry und die Ehre des Rests der Welt, Lobeshymnen auf Royal Portrush, Meckerei von Koepka. Die Back Nine nach der British Open.

Tommy Fleetwood wurde bei der British Open 2019 Zweiter. (Foto: Getty)
Tommy Fleetwood wurde bei der British Open 2019 Zweiter. (Foto: Getty)

Eine Menge guter Vorsätze und Hoffnungen wurden gestern im unwirtlichen Klima über den Dunluce Links von Royal Portrush vom Winde verweht und vom Regen verwaschen: Brooks Koepka blieb ungewohnt ineffizient, Lee Westwood konnte einmal mehr eine gute Ausgangsposition nicht fürs erste Major nutzen, Justin Rose stolpert gar beim Versuch, sein zweites nach der US Open von Merion 2013 einzusacken, mit seiner 79er Finalrunde unerwartet heftig. Erster Verlierer hinter Triumphator Shane Lowry freilich war Tommy Fleetwood, der aber immerhin seinen zweiten Platz vor Tony Finau retten konnte. Hernach waren die Gefühle des Engländers ziemlich gemischt.

„Als ich vergangenes Jahr bei der US Open Zweiter hinter Brooks Koepka wurde, hatte ich trotz des knappen Rückstands von einem Schlag letztlich keine Chance, Shinnecock Hills war nie mein Turnier. Hier aber war ich wirklich in Schlagdistanz, viel näher dran als die sechs Schläge Rückstand aussagen, weil mein Spiel an allen Tagen majorreif war und ich wirklich ein gutes Gefühl hatte“, bilanzierte der Engländer. „Wenn ich mir einen Turniersieg aussuchen würde, dann wäre es halt die Open Championship. Dieses Major ist mein Traum und wird es immer sein. Und wenn man am Sonntag im letzten Flight rausgeht, dann hast du nun mal eine sehr sehr gute Chance. Daher fühlt es sich momentan etwas ungemütlich an, wenn man so nah dran war, sich einen Kindheitstraum zu erfüllen. Ich hoffe nur, dass meine Zeit irgendwann auch noch kommt.“

Lowry verhindert US-Major-Durchmarsch

Ehre gerettet: Dank Shane Lowry und seines Triumphzugs über die Dunluce Links von Royal Portrush bleibt dem Rest der Welt im nunmehr 37. Jahr ein Major-Durchmarsch der amerikanischen Golfer erspart. Letztmals hatten 1982 mit Craig Stadler (Masters), Tom Watson (US Open, Open Championship) und Raymond Floyd (PGA Championship) samt und sonders US-Profis die vier Grand-Slam-Turniere des Jahres gewonnen. Dieses Jahr waren sie mit Masters-Champion Tiger Woods, PGA-Championship-Titelverteidiger Brooks Koepka und US-Open-Sieger Gary Woodland wieder ganz dicht dran …

Aber was sagt eigentlich Imitator Conor Moore zum Ausgang des letzten Majors dieser Saison? Sehen Sie selbst:

Royal Portrush hat geliefert

Lobeshymnen: Royal Portrush hat alles geliefert, was sich der R&A von der Rückkehr nach 69 vom nordirischen Schauplatz erwartet hat und wird als neues Juwel in der Rota-Krone gefeiert – Spektakel, großen Sport, ausverkaufte Galerien. Kurz: Begeisterung aller Orten. Entsprechen positiv fiel das Fazit für die 148. Open Championship aus, die angeblich für die Region einen wirtschaftlichen Wert von rund 90 Millionen Euro haben soll. Hier ein paar Stimmen:

R&A-Chef Martin Slumbers: „Royal Portrush wird auf viele Jahre hinaus zur Rota für die Open Championship gehören.“
Tiger Woods: „Das ist einfach ein wunderbarer Platz. Ich frage mich, wieso es so lange gedauert hat, wieder hierher zu kommen?“
Jordan Spieth: „Es wäre großartig, diesen Kurs weiter auf der Rota zu haben. Er ist phänomenal und hat so viel Charakter.“
Justin Rose: „Der Golfplatz ist unglaublich. Und die Gastfreundschaft der Menschen hier ist überwältigend.“
Rickie Fowler: „Dieser Platz ist ein wahrer Test. Es gibt nichts daran auszusetzen, dass wir wieder hier spielen.“
Graeme McDowell: „Royal Portrush ist phänomenal. Und der R&A hat einen phänomenalen Job gemacht, alle perfekt integriert. Jeder erzählt mir, es sei sein bevorzugter Open-Austragungsort. Das macht mich, der ich hier geboren bin, natürlich besonders stolz.“
Alex Noren: „Das ist einer der schönsten Golfplätze, die ich je gesehen haben. Er ist tricky, erst recht bei solchen Witterungsbedingungen. Aber es war ein großer Spaß, hier zu spielen.“
Tommy Fleetwood: „Dieser Platz ist so ein wahnsinnig guter Major-Schauplatz, für uns Spieler vielleicht der beste von allen – Hut ab vor dem R&A!“


McIlroy vs. Lowry „reloaded“

Aus aktuellem Anlass: Sorry, Rory McIlroy, aber es passt so wunderbar zum Geschehen bei der British Open, dieses alte Video über den Kontrast zwischen dem „Celtic Tiger“, der sein Heimspiel in Royal Portrush so knapp und heldenhaft vorzeitig beenden musste, und Shane Lowry andererseits, der einst als „dickes untalentiertes Kind mit Brille“ verspottet wurde und jetzt – wie McIlroy 2014 in Royal Liverpool – Champion Golfer of the Year ist. Also wärmen wir es noch mal auf:

Lob an die Fans in Nordirland

Wohltuend: Shane Lowry avancierte in Royal Portrush unstreitig zum Helden aller Iren. Egal, ob Nordirland  oder südliche Republik Irland, ob katholisch oder protestantisch. Während der neue Champion Golfer of the Year von der BBC gar als Vereiniger der gespaltenen „Grünen Insel“ und Mediator unterschiedlicher politischer Ideologien gepriesen wurde, fiel uns vor allem das Verhalten der Fans auf. Ja, sie waren laut und euphorisch und produzierten fast Ryder-Cup-Stimmung. Aber im Gegensatz zu dem unsinnigen Gebrülle von „Mashed Potatoes“ oder „Get in the Hole“, das bei Turnieren auf US-Bode mittlerweile unsäglich nervt, war es mitreißend und ging nicht nur Shane Lowry unter die Haut, wenn das sattsam bekannte „Olé, Olé, Olé“ in „Lowry, Lowry, Lowry“ umgedichtet oder der Publikumsliebling mit dem etwas holprigen Reim   „There is only / one Shane Lowry“ besungen wurde.

Koepka kritisiert Slow Play von Flightpartner Holmes

Klotz am Bein: Wenn ein „natural born“ Ready-Golfer gemeinsam mit wandelnder Langsamkeit auf die Runde geschickt wird, dann kann das nicht gut ausgehen. Und genauso war‘s im Flight mit Brooks Koepka und J. B. Holmes. Während der vierfache Majorsieger aus Florida zu keiner Zeit zu seiner gefürchtet effizienten Form auflief und eine 74er Runde zum letztlichen Platz T4 kassierte, passte sich der gewichtige Pro aus Kentucky dem gruseligen Wetter an und spielte eine 87 (16 über Par), die ihn vom geteilten dritten auf den geteilten 67. Platz zurückwarf und wohl mindestens 550.000 Euro kostete. Was wunder, dass Koepka anschließend die Trödeligkeit und Betulichkeit von Slow-Player Holmes bemängelte: „Ich verstehe nicht, dass man sich den Handschuh erst wieder anzieht, wenn man schon am Ball steht. Und offenkundig dann auch erst anfängt, über den nächsten Schlag nachzudenken. Ich kritisiere nicht, dass er für den Schlag an sich lange braucht: Er tut bloß nichts, solange er nicht am Ball steht und fängt dann erst mit sämtlichen Vorbereitungen an.“

Erster Reversible Course in Deutschland eröffnet

Doppeltes Vergnügen: Mit dem traditionellen goldenen Ball vom ersten Abschlag hat Ex-Tour-Spielerin Martina Eberl gestern auf der Golfanlage Patting-Hochriesblick nahe Rosenheim den ersten Reversible Course in Deutschland eröffnet (Foto: Michael F. Basche). Reversible Courses lassen sich durch ein geschickt angelegtes zweiseitiges Routing vorwärts wie rückwärts bespielen. In Patting-Hochriesblick führen die Wendelstein-Runde im Uhrzeigersinn und die Hochries-Runde gegen den Zeigerlauf über das 9-Loch-Ensemble, das so zu einem fast 5.000 Meter langen 18-Loch-Kurs mit einem Par von 70 arrangiert werden kann. Im Anschluss gab Eberl, die als Amateurin Europameisterin und Team-Vize-Weltmeisterin, zehn Jahre im Profigolf unterwegs war und heute u. a. in München eine Golfakademie führt, eine Clinic und plauderte im Gespräch mit Patting-Hochriesblick-Inhaberin Marie Bauhuber vor der geselligen Gästerunde bei der Eröffnungsfeier über ihr Leben im Golfsport.

Eröffnung Golfanlage Patting-Hochriesblick

Georgia Hall: Ritterschlag mit 23 – eher seltsam

Gewöhnungsbedürftig: Georgia Hall, die im vergangenen August in Royal Lytham & St. Annes die Women‘s British Open gewann, wird dieser Tage von Queen Elizabeth II mit dem Orden „Member of the British Empire“ (MBE) ausgezeichnet – und findet das ziemlich merkwürdig. „Es fühlt sich seltsam und ziemlich unwirklich an, mit 23 Jahren schon zum Ritter geschlagen zu werden“, sagte die Engländerin. „Aber es ist natürlich eine unglaubliche Ehre.“



Wenn einer mit Schläger und Ball jongliert

Zum Schluss: Chinesischer Staatszirkus trifft Golf – das jedenfalls ist der erste Eindruck, den dieses Video auslöst, wenn Trickgolfer Alec Barlow förmlich mit Schläger und Ball jongliert. Derartige Kunstfertigkeit passt gut zu dem, was Shane Lowry in den vergangenen Tagen auf den Dunluce Links von Royal Portrush exerziert hat. Und damit ist die Major-Saison 2019 in den Büchern.



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