Doping im Golf: die Mittel für ein ruhiges Händchen
Aktuell. Unabhängig. Nah.

Doping im Golf: die Mittel für ein ruhiges Händchen

Vijay Singh hat Wachstumshormone genommen, um besser Golf zu spielen. Aber kann man im Golf überhaupt dopen? Wenn ja, womit?

Der Fidschianer Vijay Singh nahm ein leistungsteigerndes Präparat, welches als Wachstumshormon bei Geweihen von Wild eingesetzt wird.

Doping im Golf klingt zunächst einmal abwegig, da es in dieser Sportart nicht um Ausdauer, Kraft oder Schnelligkeit geht. Dennoch gibt es einige Mittel um die Leistung zu steigern, beispielsweise um die Hände beim Putten ruhiger zu halten. Wer bei den entscheidenden Schlägen die Nerven verliert und anfängt zu zittern verliert zu viele Schläge.

So ist unter anderem der schwedische Golfprofi Niclas Fasth der Meinung, dass Dopingtests im Golf eine absolute Berechtigung haben: „Es geht ja nicht nur um Muskelaufbau. Auf den letzten Löchern sind wir alle sehr nervös. Was immer deinen Puls beruhigen würde, würde schon helfen.“ Mittel zur Steigerung der Konzentration und gegen die Nervosität sind im Golfsport daher als relevanteste Präparate zu nennen, um die Leistung zu steigern.

Betablocker bringen am meisten

In diesem Zusammenhang sind in erster Linie Betablocker zu nennen. Die Arzneimittel, auch bekannt unter dem Namen Beta-Rezeptorenblocker, β-Blocker oder Beta-Adrenozeptor-Antagonisten, blockieren im Körper die β-Adrenozeptoren und hemmen dadurch die Wirkung des Stresshormons Adrenalin und des Neurotransmitters Noradrenalin. Der bekannteste und mit Abstand am meisten verschriebene Wirkstoff ist Metoprolol.

Auch Präparate zum Kraftaufbau und der Muskelregeneration können unterstützende Wirkung haben, beispielsweise um die Drivelänge zu steigern. Dazu wären der Einsatz von Anabolika und die Untergruppe der anabolen Steroide sowie Wachstumshormone durchaus denkbar. Letzteres wurde Vijay Singh durch die Einname des „Deer Antler Spray“ zum Verhängnis. Das Spray enthält Wachstumshormone von neuseeländischem Wild. Eine weitere Leistungssteigerung ist aber auch durch die Einnahme von stimulierenden Mitteln möglich. So können Amphetamine beispielsweise eine bessere Motivation und die Unterdrückung von Ermüdung oder von Schmerzen bewirken.

Rund 70 Mittel auf der Dopingliste

Im Anti-Doping-Manual der PGA sind derzeit jeweils über 30 Anabole Steroide und Stimulanzien und insgesamt 21 Betablocker aufgelistet. Die Vereinigung weist aber darauf hin, dass auch alle weiteren Mittel mit einer entsprechenden Wirkung während der Turniere nicht eingenommen werden dürfen. Dazu können unter Umständen auch Kopfschmerztabletten oder andere Pharma-Produkte zählen. Die Spieler sind daher angehalten, neben der Überprüfung der Inhaltsstoffe vor der Einnahme der Mittel auch mit der PGA Kontakt aufzunehmen, um etwaige Unklarheiten auszuräumen.



Nur wenn ein Spieler mit einem ärztlichen Nachweis (Therapeutic Use Exemption) nachweisen kann, dass er eine der verbotenen Substanzen aus gesundheitlichen Gründen einnehmen muss, kann er eine Sondererlaubnis erhalten. Andernfalls droht bei einer positiven Dopingprobe und einem entsprechenden Ergebnis bei der B-Probe beim ersten Vergehen eine Sperre von bis zu einem Jahr. So geschehen beim US-Amerikaner Doug Barron. Ein zweiter positiver Test kann zu einer Sperre von bis zu fünf Jahren führen, ehe für ein drittes Vergehen ein lebenslanges Startverbot ausgesprochen werden kann.