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Auch das war British Open: „Viehweiden-Billard gegen 200 Örtliche namens Ian“

Große Reise, kleiner Ball, viel Wind und wenig Geld: Die British Open war nicht immer ein begehrtes Turnier, siehe Royal Portrush 1951.

Die British Open war nicht immer als Major beliebt. (Foto: Getty)
Die British Open war nicht immer als Major beliebt. (Foto: Getty)

Walter Hagen hat mal gesagt: „Du bist nichts, wenn du nicht die Open gewonnen hast.“ Mit dieser Einschätzung befindet sich der elffache amerikanische Major-Sieger in bester Gesellschaft. Alle großen Golfer der Geschichte haben mindestens einen British-Open-Sieg in ihrer Palmarès. Aber es vergingen 55 Auflagen, bevor 1921 mit dem eingebürgerten, freilich in St. Andrews geborenen Jock Hutchison und im Jahr darauf mit dem „echten“ Ami Hagen die ersten US-Golfer den Claret Jug in Händen hielten. Unterdes hatten die eingewanderten oder als Attraktion über den großen Teich geholten Golfer von den britischen Inseln schon 18 Mal die US Open gewonnen.

Skurriles Turnier der spleenigen Briten

The Open Championship ist das älteste Major der Welt und steht den drei „Kollegen“ in den USA in Nichts nach. Doch die Amerikaner mit ihren eigenen Golf-Hoheit USGA hatten bis in die 1970er-Jahre ein eher ambivalentes Verhältnis zu dem für sie skurrilen Turnier der spleenigen Briten und ihres R&A auf knochentrockenen, furchigen und vom Küstenwetter zerzausten Sandwiesen. Nicht von ungefähr gab‘s zwischen Sam Snead (1946, St. Andrews) und Arnold Palmer (1961, Royal Birkdale) nur den 1953er-Erfolg von Ben Hogan in Carnoustie. Ansonsten waren das vor allem die Jahre des großen Australiers Peter Thomson und des legendären Südafrikaners Bobby Locke, nicht zuletzt die Zeit, in der ein gewisser Gary Player mit dem Sieg von Muirfield 1959 seine erstes von neun Majors gewann. US-Akteure freilich suchte man auf den Leaderboards zumeist vergeblich.

„Golfen auf einem anderen Planeten“

„Die Open zu spielen war wie Golfen auf einem anderen Planeten“, notierte US-Autor Curt Sampson in seinem Meisterwerk „The Eternal Summer“ über das Golfjahr 1960. Hogan nannte es „bounce golf“ und wunderte sich über die oft fehlenden Abgrenzungen der Fairways: „Man schlägt und weiß nie, wohin der Ball springt, wenn er aufkommt.“ Das war nichts für die Amis und ihr Zielgolf auf manikürten Plätzen mit dichtem Gras-Flor.

Mehr noch: Die Open war für die Vertreter des merkantilen Amerika, wo das Sportmarketing erfunden und Golf mit Big Business verknüpft wurde, ein potentielles Verlustgeschäft. Es lohnte sich einfach nicht. Als der Engländer Max Faulkner vor 68 Jahren das erste Major auf den Dunluce Links von Royal Portrush gewann – ausgetragen übrigens von Mittwoch (4. Juli) bis Freitag (6. Juli) mit zwei Runden am Schlusstag –, bekam er dafür 300 englische Pfund, nach heutigem Kurs 332 Euro. Insgesamt lagen gerade mal 1.700 Pfund (1.880 Euro) im Topf.


Alle mussten durch zwei Tage Quali

The Open Championship war halt zuvorderst eine Sache der Ehre und des Spirit of the Game. 1959 waren in Muirfield 5.000 Pfund Preisgeld ausgelobt und Player bekam davon glatt 1.000, 1961 in Carnoustie immerhin schon 8.500 Pfund und 1.400 für Sieger Palmer. Gleichwohl immer noch Peanuts, wenn auf der US-Tour bei jedem 08/15-Turnier mindestens 25.000 Dollar bereit lagen und die Majors das Zweieinhalb- bis Dreifache dessen auslobten.

Zudem war ungewiss, ob man überhaupt ums Open-Preisgeld mitspielen durfte. Bis 1966 hatten nämlich nicht mal der jeweilige Titelverteidiger oder die amtierenden Masters- und US-Open-Sieger ein Startrecht. Jeder British-Open-Aspirant musste durch eine zweitägige Qualifikationsmühle.

Ein Etwas namens Golfplatz

Was da auf die Gäste aus der Neuen Welt wartete, hat Curt Sampson am Beispiel 1960 anschaulich beschrieben: „Nach einem langen Flug nach London und einem weiteren nach Glasgow oder Edinburgh geht‘s per Leihwagen auf der falschen Straßenseite durchs Nirgendwo nach St. Andrews. Es folgen ein paar vom Winde verwehte Übungsrunden auf etwas namens Golfplatz, das man daheim so niemals sehen würde. Dann das Qualifikationsturnier gegen mindestens 200 Örtliche namens Ian, die alle Experten im britischen ,Viehweiden-Billard‘ sind. Im Siegfall kriegt man 140 Dollar und darf mit ebenso vagen Aussichten am Major teilnehmen. ,Zur Hölle damit!‘, sagten sich die US-Pros.“



Der 1951er Trip ins golferische Nirgendwo des nordirischen County Antrim war noch mal ein ganz anderes Brett; kein Wunder, dass zur 80. Auflage mit 148 Spielern das kleinste Feld an Qualifikationswilligen seit Royal Liverpool 1902 anreiste.


Britischer und US-Ball: 1,52 Millimeter Unterschied

Und dann war da noch der Ball. R&A und USGA „spielten“ bis 1974 unterschiedliche Kugeln. Nur 1,52 Millimeter Diskrepanz im Durchmesser bei gleichem Gewicht: Aber mit dem kleineren britischen Ball war Golf ein ganz anderes Spiel, zumal auf den eh ungewohnten Open-Links.

Große Reise, kleiner Ball, viel Wind, wenig Geld: Es musste einer schon gute Gründe haben, sich das alles anzutun. Die besten US-Golfer fuhren damals zur British Open, um sie ihrer Major-Sammlung einzuverleiben. Für die Jones, Armour, Sarazen, Snead, Hogan und Palmer war es Ehrensache, sich mit den Erfindern des Spiels auf deren Boden zu messen. Für alle anderen war dieses Major vor allem „kapital“ beschwerlich und kostspielig.

Palmer hauchte der British Open neues Leben ein

Vor allem Arnold Palmer gebührt das Verdienst, der Open Championship neues Leben eingehaucht haben. Sein Vater Milfred „Deacon“ Palmer, der Club-Pro in Latrobe/Pennsylvania, trichterte ihm ein, was zuvor schon Walter Hagen formuliert hatte: „Wenn Du als Golfer was zählen willst, musst Du die Herausforderung Open bestehen.“ Der „King“ nahm sie erstmals 1960 an, wurde Zweiter in St. Andrews, ließ in den beiden Jahren drauf die Triumphe von Carnoustie sowie Royal Troon folgen, machte das Turnier damit in den USA wieder publik und bei den Kollegen begehrenswert.

Ein Jack Nicklaus, Lee Trevino oder Tom Watson kamen im Sinne der eigenen Glorie anfangs gar nicht umhin, Palmers Spur zu folgen und sich ebenfalls der British Open zu stellen – das weltälteste Major hatte seine Renaissance.



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