Jugendförderung im Baudenkmal
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Jugendförderung im Baudenkmal

Zukunft des Golfs | Golf Post im Gespräch mit Betreibern von Golfplätzen. Dieses Mal mit Kim Tarek Kleczka vom Golf-Park Winnerod.

Unmittelbar neben Gießen im kleinsten Teil der Gemeinde Reiskirchen liegt der Golf Park Winnerod. (Foto: Golf Park Winnerod)
Unmittelbar neben Gießen im kleinsten Teil der Gemeinde Reiskirchen liegt der Golf Park Winnerod. (Foto: Golf Park Winnerod)

Der Wandel des Golfsports ist in aller Munde. Der gesellschaftliche Wandel beeinflusst die Bedürfnisse auf dem Golfmarkt und in den Golfclubs selbst. Bei Golf Post lesen Sie wie sich Golfclubs den Sport in Zukunft vorstellen. So einzigartig wie jeder Club, sind auch die Ansätze zur Bewältigung der kommenden Aufgaben. Die Betreiber der unterschiedlichsten Golfplätze im Gespräch mit Golf Post, dem Digitalen Zuhause für Golfer.

Golf-Park Winnerod

Vor ziemlich genau 20 Jahren eröffnete der Golf-Park Winnerod. Die Anlage liegt nördlich von Frankfurt am Main und in unmittelbarer Umgebung von Gießen im kleinsten Teil der Gemeinde Reiskirchen. Im April 1999 eröffnete der 18-Loch-Meisterschaftskurs, der von Michael Pinner entworfen wurde. Sowohl von den Bahnen des Meisterschaftsplatzes als auch vom öffentlichen 9-Loch-Platz aus, hat man einen herrlichen Ausblick auf Taunus und Vogelsberg. Auf den Fairways beider Plätze geht es auf und ab und die Grüns sind teils anspruchsvoll onduliert. Der 9-Loch-Platz steht allen offen und liegt direkt neben dem Meisterschaftsplatz, so dass motivierte Novizen von den Lokalmatadoren den ein oder anderen Schlag abschauen können.

„Wir liegen in einer ländlichen Lage, aber es läuft trotzdem gut“, erklärt Kim Tarek Kleczka, Clubmanager und Geschäftsführer des Golf-Parks Winnerod. Der Golf-Park könne erfolgreiche Mannschaften und eine sehr gute Nachwuchsarbeit vorweisen. Auch Kleczka selbst ist ein Eigengewächs. Seit 17 Jahren ist er in Winnerod tätig. Hier absolvierte er seine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann und hierher kam er zurück als er sein Studium zum Sportmanager absolviert und nachdem er ein Jahr lang Erfahrungen im Golf- und Landclub Kronberg gesammelt hatte. „Es hat mich immer wieder hierhin zurückgezogen. Mein gesamtes Umfeld – meine Familie und Freunde – hat sich immer hier bewahrt. Das Zurückkommen war deshalb leicht und auch schön“, erklärt er.

Eine bewahrende Struktur zeigt sich in Winnerod an vielen Stellen. Zuvorderst an den Gebäuden der Anlage. Das ehemals adlige Hofgut mit seinen Wirtschaftsgebäuden und dem dreigeschossigen Fachwerk-Herrenhaus wurde um 1800 errichtet und steht unter Denkmalschutz. Im Südtrakt des Gutshofes ist der Golfclub mit seinem Restaurant untergebracht. Lange moderte das Hofgut vor sich hin, ehe die Investoren des Golf-Parks sich seiner annahmen und es restauriert und renoviert wurde. Eine solche Unternehmung ist aufgrund des Denkmalschutzes kein billiges, aber ein aufsehenerregendes Unterfangen. Die Art und Weise der Umsetzung ist beeindruckend. Auch Teile der Lokalpolitik, die anfangs gegen eine Golfanlage im Ort waren, sind heute froh um den wirtschaftlichen Faktor und den neuen Glanz, in dem der alte Gutshof erstrahlt.

Der rund 1100 Mitglieder zählende Golfclub sorgt heute für Wirbel in dem sonst keine 40 Einwohner zählenden Ortsteil Winnerod. Insbesondere Nachwuchsförderung und Jungendabteilungen des Golf-Parks Winnerod genießen einen sehr guten Ruf. „Mit den Jahren hat es sich so entwickelt, dass wir viele und gute Jugendgolfer haben“, erklärt Kleczka. Die Abteilungen wuchsen alsdann mit der Nachfrage.

Ein Hingucker ist das Wasserhindernis an Bahn 18. (Foto: Golf Park Winnerod)

Ein Hingucker ist das Wasserhindernis an Bahn 18. (Foto: Golf-Park Winnerod)

Aber auch der generelle Altersdurchschnitt im Club ist mit 53 Jahren niedriger als der bundesweite. Stolz ist Kleczka nicht nur auf die Jugendarbeit: „Wir sind jetzt in die Regionalliga aufgestiegen. So werden wir für Spieler interessant, die vorher in andere Clubs mussten, um auf diesem Level zu golfen. Das freut mich natürlich sehr.“ Dafür, dass sich der Golf-Park Winnerod nicht über Nachwuchsprobleme beschweren muss, wird einiges getan. Jahr für Jahr betreut der Club drei Schulklassen im Rahmen des DGV-Projekts „Abschlag Schule“. Schon früh ließ man sich Aktionen und Events einfallen, um neue Golfer zu binden. „Vor zehn Jahren haben wir in Anlehnung an das bekannte Fernsehformat ein ,Deutschland sucht den super Golfer‘ organisiert. Auch wenn wir nicht immer jeden Jugendlichen binden konnten, haben wir so manche Eltern der Teilnehmer dadurch für Golf begeistern können“, so Kleczka. Ein weithin sichtbarer Erfolg dieser Hinwendung zur Jugend ist unter anderem die Entdeckung des U18-Jugendspielers Daniel Tack (HC 0,0). Tack schlägt heute noch für den Frankfurter GC ab, wird aber in jetzt, nach dem Aufstieg in die dritthöchste deutsche Spielklasse, nach Winnerod zurückkehren. Für das Engagement wurde der Golf-Park Winnerod bereits mehrfach durch den DGV für seine Jugendarbeit ausgezeichnet. Unterstützt wird die Jugend- und Leistungssportbereich seit 2015 vom Förderverein Winn e.V., der sich für die individuelle Förderung aber auch für die Gewinnung neuer Förderer einsetzt.

Aufstieg des Golf-Park Winnerod in die Regionalliga

Ein Wandel des Spiel- und Freizeitverhaltens ist aber auch in Winnerod zu bemerken: „Es scheint, als hätten die Leute keine Zeit mehr. Es wird fast ausschließlich 9-Loch gespielt und nach der Runde fällt das gesellige Zusammensein oftmals weg“, so Kleczka. Die Auswirkungen seien spürbar. Es werde immer schwieriger Sponsoren zu finden, die sich an 18-Loch-Turnieren beteiligen und das Golf-Park-Restaurant an der Anlage habe es viel schwerer als früher. „Die Pächter des Restaurants wechselten immer schneller. Also haben wir es selbst in die Hand genommen.“ Am meisten Arbeit habe es gekostet, den guten Ruf des Restaurants wieder herzustellen. Jetzt laufe die platzeigene Gastronomie besser. „Es ist dadurch natürlich unkomplizierter geworden, die Räume für Club-Veranstaltungen zu nutzen.“

In Eigenregie wird das Golfpark Restaurant heute betrieben. (Foto: Golf Park Winnerod)

In Eigenregie wird das Golfpark Restaurant heute betrieben. (Foto: Golf-Park Winnerod)



Eine andere Betriebsebene betrifft die Fluktuation innerhalb der rund 1100 Mitglieder. Im letzten Jahr standen rund 50 Austritte 130 Neuanmeldungen gegenüber. „Über die letzten Jahre haben wir einen Nettozuwachs von ungefähr 60 Mitgliedern pro Jahr zu verzeichnen“, erklärt Kleczka. Greenfeemitgliedschaften führt Winnerod nicht. Um diese Rechnung auch weiterhin aufgehen zu lassen, wurde zum 20. Jubiläum nochmals die Werbetrommel gerührt: Von Werbung an Bussen über Sonderkonditionen für Jubiläumseinsteiger bis zu der Verlosung einer Kreuzfahrt unter den neuangemeldeten Mitgliedern. „Immer wieder solche Aktionen zu starten, ist heute doch normal“, so Kleczka. Schon vor fünf Jahren wäre die Aufnahmegebühr abgeschafft und die Mitgliedschaft flexibler gestaltet worden. Die Gebührenstufungen wurden sehr weich gestaltet. Unter anderem zahlen Jugendliche bis 16 Jahren nichts und selbst Berufseinsteigern bis 30 Jahren wird eine Reduktion angeboten. Zudem gibt es weitere Varianten wie beispielsweise ein Vier-Monatsticket für Einsteiger.

„Natürlich reagieren wir auf die 9-Loch-Nachfrage indem wie immer mehr 9-Loch-Turniere anbieten. Da haben wir im Schnitt 60 Teilnehmer“, so Kleczka. Neben den Anpassungen von Mitgliedschaft und Turnieren, wird auch der Platz optimiert. „Um den Platz zu vereinfachen und den Spielspaß sowie die Spielgeschwindigkeit zu erhöhen, haben wir einige Bunker zugeschüttet und das High-Rough an einigen Stellen gekürzt“, erklärt Kleczka. Insgesamt werde viel in den Platz investiert. Dies sei auch nötig, um weitere Greenfee-Spieler zu gewinnen. „Den Standard auf allen Ebenen nicht nur zu halten, sondern jedes Jahr zu verbessern, ist die größte Aufgabe.“

Ein bewährtes Mittel um das Angebot attraktiver zu gestalten sind Kooperationen und Verbünde. „Greenfeekooperationen führen wir mit so ziemlich allen Anlagen in der Umgebung aber auch mit einigen Clubs weiter weg. Zum Beispiel in Düsseldorf und München“, erklärt Kleczka. Insgesamt schätze er das gute Verhältnis zu den Golfanlagen in der Nachbarschaft. „Wir bauen glücklicherweise alle mehr auf Kooperation als auf Konkurrenz.“ Seit Jahren gibt es einen sportlichen Clubvergleich mit Marburg und Schloss Braunfels und seit 2012 nimmt der Golf-Park Winnerod am Team-Cup Mittelhessen teil.

Kooperationen auf allen Ebenen

International ist Winnerod Teil des Verbundes „Pacific Links“. An diesem 2012 gegründeten Verbund nehmen weltweit 488 Anlagen teil. „Dadurch haben unsere Mitglieder die Möglichkeit wirklich überall Plätze zu spielen. Es sind auch TPC Anlagen mit dabei“, erklärt Kleczka. So passiere es mitunter, dass eine Gruppe chinesischer Geschäftsleute in Winnerod aufteet. „Grundsätzlich ist das Angebot natürlich zum Beispiel für Piloten sehr interessant, die überall auf der Welt unterwegs sind.“ Auch außerhalb des Golfbereichs pflegt der Club Kooperationen. „Mit dem Handball Bundesligisten HSG Wetzlar und den Rollstuhlbasketballern vom RSV Lahn-Dill veranstalten wir unter anderem Charity-Events“, so Kleczka. In 2020 geht die „Licher-Trophy“ in die 7. Auflage.

Denkmalgeschützt sind die Gebäude des GC. Renoviert wird bald auch das alte Herrrenhaus (rechts). (Foto: Golf Park Winnerod)

Denkmalgeschützt sind die Gebäude des GC. Zum Hotel renoviert wird bald das alte Herrrenhaus (rechts). (Foto: Golf-Park Winnerod)



So sorgt der Golf-Park nicht nur für Wirbel im beschaulichen Winnerod, sondern bringt die Welt und manchen Euro in den Ortsteil. Damit dies nicht nur so bleibt, sondern verbessert und ausgebaut werden kann, steht das nächste Projekt bereits auf der Tagesordnung: „In den nächsten Jahren soll das Herrenhaus des Gutshofs in ein Hotel umgebaut werden“, so Kleczka. Das Herrenhaus des Freiherrn Friedrich Salentin von Zwirnlein ist ein dreigeschossiger klassizistischer Bau und gehört zu den größten Fachwerkbauten im Gießener Land. Die Umbaupläne müssen noch von der Denkmalschutzbehörde abgenommen werden.



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