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Wenn Diktatoren debattieren: Golf und der Gipfel zwischen Trump und Kim

Fake-Scores und die sagenhafte Runde des „geliebten Führers“. Eine eher schräge Betrachtung samt dem tödlichsten Loch der Welt.

Das tödlichste Golfloch der Welt im Camp Bonifas. (Foto: US Army, Edward N. Johnson)
Das tödlichste Golfloch der Welt im Camp Bonifas. (Foto: US Army, Edward N. Johnson)

Treffen sich zwei Männer mit absurden Frisuren und abseitigem Gedankengut … Klingt nach dem Ansatz zu einem Herrenwitz, also vielleicht anders: Wenn Agent Orange und Dr. Fu Man Chu … Nein, so geht‘s gar nicht. Die Anspielung auf das von den Amerikanern im Vietnamkrieg eingesetzte Dioxin stammt zwar aus dem öffentlich-rechtlichen Satire-Fernsehen, ist allerdings wirklich böse. Der asiatische Schurke mit den Weltherrschaftsfantasien als Gegenstück hatte in Romanen und Filmen immer so einen beidseitig lang herunterhängenden schmalen Schnauzbart. Fällt erst recht aus.

Boah: Golf und Politik, ein schwieriges Sujet. Zumal bei den „falschen“ Hauptdarstellern. Da weht der Wind schnell von vorn. Man schreibe bloß mal einen Artikel mit der Überschrift „Wahlsieger Donald Trump: Mehr Golf war nie im Weißen Haus“: Bääm, Shitstorm. Dabei ist dies angesichts der 17 Golfanlagen im unternehmerischen Portfolio bloß eine Tatsache. Prophetisch überdies, schaut man bei „Trumpgolfcount.com“ auf den aktuellen Zählerstand präsidialer Golfclubbesuche (159) und Golfrunden (124). Sonstige Protokollanten haben noch mehr auf dem Zettel.

Geplatztes Treffen wegen Golf?

Abgesehen von FDP-Granden wie Vize Wolfgang Kubicki oder dem verstorbenen Dr. Guido Westerwelle scheuen in Deutschland die meisten Volksvertreter das Bekenntnis zum Spiel wie der Teufel das Weihwasser – autsch, Metaphern-Alarm! Anderswo hat die Nomenklatura weniger Probleme damit. Schnitt, Schwenk auf die USA, wo Golf ohne Trump fast zum guten Präsidenten-Ton gehört und der Chronist freundlichen Beifall bekommt, wenn er Obama und Kennedy thematisiert. Selbst Fidel Castro und Che Guevara frönten auf Kuba ungeniert dem verpönten Kapitalistensport. Stichwort „Maximo Leader“.

Eigentlich sollte das endlich überleiten zur aktuellen Begegnung von Trump und Kim Jong-un in Korea; hat nun lange genug gedauert, in Sachen Chronistenpflicht die Kurve zu kriegen. Indes kam gerade die Nachricht vom gescheiterten  Gipfel in Vietnams Hauptstadt Hanoi. Die beiden werden sich doch nicht wegen des Golf-Eigenanspruchs – Achtung, Wortspiel! – in die Haare bekommen haben?

Schummeln, dass sich die Halme biegen

Immerhin trafen sich da Gesinnungsgenossen. Der eine reklamiert ein niedriges einstelliges Handicap (irgendwo zwischen 2,8 und 3,7), schummelt gemäß Beobachtung diverser Mitspieler, dass sich die Halme biegen. Der andere entstammt einer Dynastie, in der die beste Golfrunde aller Zeiten, jemals, „ever“ und sowieso, gespielt worden ist. 1994 hat Kim Jong-uns Vater, der „geliebte Führer“ Kim Jong-il, auf einem Golfplatz nahe der Kapitale Pjöngjang über 18 Loch elf Holes-in-one geschlagen. Berichtete jedenfalls das nordkoreanische Staatsfernsehen. Vermutlich in Person jener gelegentlich hierzulande eingeblendeten zeitlosen Dame mit Betonfrisur und stählerner Mimik. Und wenn das Fernsehen so was meldet …!



Für Trump, von dem Suzann Pettersen mal sagte, „er betrügt wie verrückt; wenn ich dabei war, hat er keine einzige Runde unter 80 Schlägen gespielt“, dürfte das Wohlklang sein. „The Donald“ hätte doch zu gern selbst ein Staats-TV, das die „Fake“-News der unabhängigen US-Medien widerlegt. Bislang muss er sich diesbezüglich mit dem Sender „Fox News“ begnügen. So gesehen dürften sich der White-House-Besetzer von Washington und der nordkoreanische Diktator bestens verstehen, sie wollten sogar ein Verbindungsbüro installieren. Nun, aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben.

34er Runde mit 38 unter Par

Dann könnte sich Trump ja direkt mal um Nordkoreas einzigen Golfplatz kümmern. Es wäre vertrautes Terrain: Mit Turnberry und Doral hat er bewiesen, wie man Anlagen aufpoliert und sich ins Abseits stellt – siehe British-Open-Rota und PGA Tour. Der Pyongyang Golf Complex wurde 1987 anlässlich des 75. Geburtstags von Staatsgründer und „Großer Führer Genosse“ Kim Il-sung eröffnet, hier brannte Sohnemann Kim Jong-il seine sagenhafte 34er Runde mit 38 unter Par ins Grün. Oder war‘s umgekehrt? Jedenfalls beim allerersten Besuch auf einem Golfplatz.

Die rund 120 Hektar große Anlage 40 Kilometer westlich der Hauptstadt, laut „Golf.com“ eine „bizarre Erfahrung“, deren größte Schwierigkeit ihre rumpeligen Grüns zu sein scheinen, wird hauptsächlich von ausländischen Gästen, Diplomaten sowie der einheimischen Elite genutzt. Seit 2011 finden dort die von einem Reiseveranstalter gesponserten North Korean Amateur Open statt.


Weil wir schon mal bei bizarren Erfahrungen sind, muss diese noch erwähnt werden: Rund 200 Kilometer südlich, nur 400 Meter von der „Demilitarisierten Zone“ (DMZ) zwischen Nord- und Südkorea entfernt, liegt Camp Bonifas. Der einst als Camp Kitty Hawk bekannte Kommandoposten von Vereinten Nationen und US Army am Rand des Niemandslands hat fraglos die gefährlichste Golf-„Wiese“ der Welt, Zutritt höchstens mit einem schwer bewaffneten Soldaten als Caddie. Wenn überhaupt. Wegen der rund zwei Millionen Landminen im Gelände ist schon das Rough „Aus“, und „Out of Bounds“ bedeutet den sicheren Tod.

Scharfschützenturm am Kunstrasengrün

Allerdings bedarf es auch nur eines einzigen präzisen Schlags auf das von einem Scharfschützenturm überragte wellige Kunstrasengrün: Denn der 1972 angelegte Camp Bonifas Golf Course hat aus (nahe liegenden) Platzgründen lediglich ein 176 Meter langes Par-3-Loch.

TEXT. (Foto: QUELLE)

Das erste und letzte Loch im Camp Bonifas. (Foto: US Army, Edward N. Johnson)



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